US-Industrie bremst Talfahrt leicht

2. Februar 2009, 19:24
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Im Gesamtjahr 2008 steigerten die Verbraucher ihren Konsum um 3,6 Prozent

New York - Die US-Industrie hat im Jänner ihre Talfahrt überraschend etwas abgebremst. Der an den Finanzmärkten viel beachtete Konjunkturindex der US-Einkaufsmanager stieg auf 35,6 von 32,9 Punkten im Vormonat, wie das Institute for Supply Management (ISM) am Montag mitteilte. Das ist der erste Anstieg seit Juni. Experten hatten im Schnitt dagegen mit einem Rückgang auf 32,6 Punkte gerechnet.

"Von einer Trendwende sind wir aber noch weit entfernt", sagte Bernd Weidensteiner von der Commerzbank. Alle Hoffnungen konzentrierten sich nun auf das Konjunkturpaket von mindestens 825 Mrd. Dollar (555 Mrd. Euro). Auch vom Konsum und Immobilienmarkt kamen wenig vielversprechende Daten.

Das Barometer für die Industriekonjunktur der weltgrößten Volkswirtschaft signalisiert trotz des leichten Anstiegs immer noch ein Schrumpfen der Branche. Denn ein Wachstums wird erst ab Werten von 50 Punkten angezeigt. Das Barometer für die Neuaufträge kletterte stark auf 33,2 von 23,1 Punkten im Dezember. Der Beschäftigungsindex verharrte unverändert bei 29,9 Zählern. Der Teilindex für die Kosten legte auf 29,0 von 18,0 Zählern zu.

Ein Jahr Rezession

Die US-Wirtschaft steckt seit über einem Jahr in einer tiefen Rezession. Grund dafür ist neben der weltweiten Nachfrageschwäche vor allem die Zurückhaltung der Verbraucher. Sie schränkten im Dezember den sechsten Monat in Folge ihre Ausgaben ein. Verglichen mit November sank der private Konsum um 1,0 Prozent und damit stärker als erwartet, wie das Handelsministerium mitteilte. Zu schaffen machen dürfte den Verbrauchern dabei ihr sinkendes Einkommen; ihnen stand 0,2 Prozent weniger Geld zur Verfügung als im Vormonat.

Im Gesamtjahr 2008 steigerten die Verbraucher ihren Konsum um 3,6 Prozent und damit so wenig wie seit 1961 nicht mehr. Die Einkommen wuchsen zugleich um 3,7 Prozent, das ist der geringste Anstieg seit 2003. "Trotz der gestiegenen Sparquote und der deutlichen Entlastung der US-Verbraucher durch das sinkende Preisniveau ist kurzfristig nicht mit einer Belebung des Konsums zu rechnen", sagte Heinrich Bayer von der Postbank. Vielmehr sei für das laufende Quartal noch mal ein markanter Rückgang des privaten Verbrauchs zu erwarten.

Auch der kriselnde Immobilienmarkt - Auslöser für die Finanz- und Wirtschaftskrise - bietet kaum Lichtblicke. Im vorigen Jahr sanken die Bauausgaben um 5,1 Prozent und damit so stark wie noch nie. Die Ausgaben der privaten Häuslebauer gingen sogar um 27,2 Prozent zurück. Auch das war ein Rekordminus. (APA/Reuters)

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