Weniger Religion, mehr Ethik

2. Februar 2009, 19:20
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In Österreich gibt es die Trennung von Kirche und Staat nicht zu hundert Prozent - Von Günther Oswald

Sachlich, unaufgeregt und schnell hat das Bildungsministerium nach dem Bekanntwerden einer umstrittenen Studie unter Islam-Religionslehrern reagiert. Gegen das vorgelegte Maßnahmenpaket kann es eigentlich keine Einwände geben. Es ist gut, dass Lehrpläne und Lehrbücher durchforstet werden und verstärkt kontrolliert wird, was im Religionsunterricht tatsächlich vorgetragen wird.

Auch ein Pflichtstudium ist nur sinnvoll. Man würde ja auch keinen Englischlehrer anstellen, der nicht Englisch spricht; keinen Mathelehrer, der nur die Grundrechnungsarten kennt. Mit der raschen Reaktion des Ministeriums sollte die Debatte aber nicht beendet werden. Sie sollte vielmehr auf eine breitere Basis gestellt werden - nicht nur fokussiert auf die Islamische Glaubensgemeinschaft.

Gerne kritisieren wir Länder, die keine Trennung von Kirche und Staat kennen. Nur:In Österreich gibt es diese Trennung auch nicht zu hundert Prozent. Es ist nicht einzusehen, dass die Kirchen im 21. Jahrhundert autonom darüber entscheiden können, welche Inhalte sie in den Religionsunterricht aufnehmen.

Wenn es möglich ist, von staatlicher Seite einheitliche Unterrichtsstandards für Deutsch, Geografie oder Biologie festzulegen, sollte das auch für Religion machbar sein. Auch eine neue Debatte über einen Ethikunterricht würde nicht schaden. Natürlich ist man dann schnell beim Konkordat, das die Beziehungen zwischen Staat und Vatikan regelt. Im 21. Jahrhundert sollte aber auch das kein Tabu sein. (Günther Oswald/DER STANDARD-Printausgabe, 3. Feber 2009)

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