Leo Windtner wird neuer Präsident

    28. Februar 2009, 17:35
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    Günter Kaltenbrunner unterlag in Abstimmung, Skoff ohne Chancen - Am 28. Februar wird der oberösterreichische Verbands­chef ins Amt gewählt

    Wien - Der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) wird künftig von Leo Windtner geführt. Der oberösterreichische Landeschef setzte sich am Montagabend im Wiener Hotel Intercontinental in einer Abstimmung im Wahlausschuss gegen Günter Kaltenbrunner durch und wird sein Amt am 28. Februar antreten, wenn er im Rahmen der außerordentlichen Hauptversammlung des größten Sport-Fachverbandes offiziell inthronisiert wird. Bis zu diesem Zeitpunkt fungiert noch der Wiener Landespräsident Kurt Ehrenberger interimistisch als ÖFB-Boss.

    Der Posten des höchsten Fußball-Funktionärs war durch den überraschenden Rücktritt von Friedrich Stickler am 7. November des Vorjahres vakant geworden. Die Suche nach einem Nachfolger zog sich in die Länge, zuletzt fand vor knapp zwei Wochen weder Windtner noch Günter Kaltenbrunner im Wahlausschuss, dem die neun Landespräsidenten und Bundesliga-Chef Martin Pucher als stimmberechtigte Mitglieder angehören, eine Mehrheit.

    "Voll durchstarten"

    Am Montag schließlich fiel die Entscheidung. "Ich hatte in der Abstimmung die absolute Mehrheit", erklärte Windtner, wie der Wahlausschuss-Vorsitzende Herbert Hübel allerdings ohne auf Details des Votums einzugehen. In einer ersten Reaktion nach seiner Ernennung sprach der Chef der Oberösterreich Energie AG noch nicht konkret über seine Pläne, sondern beschwor die Einigkeit innerhalb der Föderation. "Es wäre überzogen, jetzt schon den Hebel anzusetzen, ich werde erst am 28. Februar gewählt. Bis dahin geht es darum, alle Landesverbände und die Bundesliga in ein Boot zu holen, um ab 28. Februar voll durchzustarten", sagte Windtner.

    Auch in der Teamchef-Frage hielt sich der 58-Jährige bedeckt. "Karel Brückner ist ein internationaler Fachmann. Es wäre jetzt verfrüht, über ihn zu diskutieren. Wir haben jetzt zwei Spiele, das Testmatch gegen Schweden und dann das sehr wichtige WM-Quali-Spiel gegen Rumänien", erklärte der Oberösterreicher, der sich nicht dazu äußern wollte, ob er Brückner für den richtigen Nationaltrainer hält. "So etwas zeigen immer nur die Ergebnisse."

    Kaltenbrunner sieht guten Gewinner

    Sein Rivale Kaltenbrunner galt vor der Sitzung noch als leichter Favorit, musste schließlich aber die Niederlage zu Kenntnis nehmen. "Doch meine Enttäuschung hält sich in Grenzen, auch wenn es eine Herausforderung gewesen wäre. Ich wünsche Windtner im Interesse des österreichischen Fußballs viel Glück, er ist sicher ein guter Kandidat", betonte der 65-jährige frühere Teamspieler und Rapid-Präsident.

    Rund 30 Minuten durfte Kaltenbrunner vor dem ÖFB-Gremium seine Vorstellungen darlegen, nur circa die Hälfte dieser Zeit war Gerhard Skoff vergönnt. Der Ex-Bundesliga-Präsident wurde kurzfristig als Kandidat nominiert und erfuhr erst Montagmittag, dass er überhaupt die Gelegenheit hatte, beim Wahlausschuss vorzutreten.

    Die ersten Worte

    In seiner ersten Pressekonferenz als designierter Verbands-Chef betonte Leo Windtner am Montagabend noch einmal die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen ÖFB und Bundesliga. Wichtig sei vor allem die Kooperation bei der Überführung von Talenten in Kampfmannschaften.

    "Im Nachwuchs sind wir überall unter den Top 30, im A-Team nicht", bemängelte der Oberösterreicher, betonte aber gleichzeitig, die Partnerschaft mit der Liga habe schon in der Vergangenheit sehr gut funktioniert. Bundesliga-Präsident Martin Pucher habe ihm versprochen, dass sich daran nichts ändern werde. "Ich habe von ihm die Zusicherung, dass ich die volle Unterstützung der Liga habe."

    Eine mögliche politische Einflussnahme rund um seine Wahl wies Windtner zurück. "Die politische Komponente ist von keinem Kandidaten reingetragen worden. Ich fühle mich nicht der Politik verpflichtet, sondern dem Fußball. Das Wichtigste ist, dass die Politik dem Sport dient und nicht umgekehrt."

    Windtner wählt Windtner

    Die Tatsache, dass er im Gegensatz zum zweiten chancenreichen Kandidaten Günter Kaltenbrunner im Wahlausschuss über eine Stimme verfügte, wollte er nicht überbewerten. "Oberösterreich kann ja nicht deswegen stimmlos sein, nur weil ich Kandidat bin. Und wenn ich nicht von mir überzeugt wäre, hätte ich mich nicht gewählt."

    Einmal mehr wies Windtner darauf hin, dass der Posten des ÖFB-Präsidenten erst durch die Strukturreform für ihn interessant wurde. "Mit der Aufgabenfülle, wie es sie vorher gegeben hat, wäre das für mich nicht möglich gewesen. Durch die Reform aber geht ein großer Teil der operativen Geschäfte an den Vorstand, wo Alfred Ludwig Generaldirektor ist."

    Maßgebliche Kompetenzen wie etwa die Teamchef-Bestellung bleiben jedoch weiter in den Händen des ÖFB-Chefs - was für den handlungsfreudigen Windtner naturgemäß kein Problem darstellt. "Entscheidungen zu fällen, fällt nicht unbedingt in mein Schwächespektrum", erklärte der designierte Verbands-Chef, der als erster ÖFB-Boss seinen Hauptsitz in Linz hat. "Aber ich habe in Wien studiert, ein Teil meines Herzens hängt an Wien, außerdem bin ich aus beruflichen Gründen ein bis zwei Tage pro Woche hier. Und im Zeitalter des Internet und der digitalen Kommunikation wird es möglich sein, die Distanz zu überwinden."

    Wie Windtner betonte auch der Wahlausschusss-Vorsitzende Herbert Hübel, dass der designierte Präsident eine absolute Mehrheit erhalten habe. "Es war keine 'gmahte Wiesn', aber er hat verdient gewonnen und im ersten Wahlgang die Mehrheit in einer geheimen Abstimmung bekommen." Über die Stimmverteilung zwischen Windtner, Kaltenbrunner und dem ebenfalls noch kurzfristig zur Wahl zugelassenen Gerhard Skoff wollte der Salzburger keine Angaben machen und damit auch nicht den kolportierter Wahlausgang von 6:4 im Match Windtner - Kaltenbrunner bestätigen.

    Windtner wird am 28. Februar auf der außerordentlichen Generalversammlung offiziell in sein Amt gewählt, bereits im Mai 2010 steht die ordentliche Generalversammlung auf dem Programm, in deren Rahmen sich der 58-Jährige der Wiederwahl stellen wird. Durch die Strukturreform wurde die Periode einer ÖFB-Präsidenten-Amtszeit von vier auf drei Jahre reduziert. (APA)

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      Neuer ÖFB- Boss: Leo Windtner.

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