"Es läuft hier nicht mehr so gut"

2. Februar 2009, 18:17
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Die tiefgreifendste Rezession in den USA seit Jahrzehnten zeigt in den vielen kleinen "Dörfern" New Yorks bereits deutliche Spuren, Geschäftslokale aller Größen machen für immer dicht

New York - Das Wort Ladenschluss bekommt in den USA im Zuge der Rezession neue Bedeutung. Sogar in Teilen Manhattans, wie etwa dem Greenwich und East Village oder dem Flatiron District, sieht man täglich mehr leerstehende Geschäftslokale. Die Liquidation von Einzelhandelsriesen - wie etwa des Elektrohändlers Circuit City - und das Aus für kleine Ladenbesitzer, die nicht mehr genug einnehmen, hat 2008 nach Expertenschätzungen landesweit zur Schließung von 148.000 bis 160.000 Läden geführt.

Das letzte Mal war der US-Einzelhandel 2001 so stark betroffen als 151.000 Geschäfte dichtgemacht hatten. Das International Council of Shopping Centers sagt für das heurige Jahr 150.000 Schließungen vorher, manche erwarten sogar 200.000.

"Manhattan hält sich insgesamt besser als andere US-Städte, weil es der größte Einzelhandelsmarkt ist und auch in der Rezession ein Touristenmagnet bleibt", erklärt Joanne Podell vom Immobilienbroker Cushman & Wakefield im Gespräch mit dem Standard. "Aber es ist wie eine Stadt, die aus kleinen Dörfern besteht, die sehr unterschiedlich sind. Das Village ist ganz anders als SoHo, wo Auslastung und Preise auch jetzt hoch sind." Denn im Village gibt es viele kleinere Läden, die von Kunden aus der Umgebung leben. Sie geraten durch die höhere Arbeitslosigkeit und geringere Konsumausgaben zunehmend unter Druck.

So auch im Umkreis des Campus der New York University: Wer dieser Tage hier die 8th Street entlangschlendert, sieht zwischen Fifth und Sixth Avenue auf Schritt und Tritt Schilder wie "Store for Rent" und "Retail space available", wo leere Mieträume für Einzelhändler angepriesen werden. An der Ecke 8th Street und Fifth Avenue und eine Ecke weiter am University Place werden gleich zwei Läden als "Prime Retail" beworben - als erstklassige Einzelhandelsplätze.

Dazwischen findet man Furry Paws, einen "Laden für Haustierliebhaber" , der Tierfutter, Spielzeuge und andere Utensilien für das liebe Vieh verkauft. Manager Enrique sagt zum STANDARD, dass auch er es schwer hat - trotz treuer Stammkunden. "Die Wirtschaft ist schlecht", sagt er, "es läuft hier nicht mehr so gut. Manche Leute können die Mieten in der Nachbarschaft nicht mehr zahlen und ziehen weg." Um den Geschäftsrückgang mit geringeren Kosten zumindest teilweise auszubalancieren, hat er gerade die Hauszulieferung an Sonntagen eingestellt. "Und wir haben von drei auf einen Hauszusteller abgebaut", so Enrique.

Läden verschwinden

Um den Laden herum hätten außerdem in den vergangenen Monaten mehrere Schuhgeschäfte gesperrt oder sind übersiedelt, weil die Nachfrage zu gering wurde, erzählt er. Auch ein Restaurant und Kleidergeschäfte sind verschwunden. Nur die Capital One Bank bewirbt die Eröffnung einer neuen Filiale.

Experten meinen, die Zahl leerer Läden in Manhattan könnte in den kommenden Monaten noch steigen, weil eine schwache Weihnachtsbilanz erwartet wird. "Die Zahl leerstehender Geschäfte steigt weiter, aber damit gehen auch sinkende Mieten mit einher", sagt aber Raymond Wong vom Immobilienriesen CB Richard Ellis. Tatsächlich berichten Broker, dass Ketten wie Gap (Textilien) und Starbucks (Kaffee) sowie smarte Kleinhändler immer häufiger Zugeständnisse von Vermietern aushandeln. "Manche Vermieter hinken aber dem Markteinbruch hinterher und lehnen gute Angebote als zu niedrig ab, und Einzelhändler ziehen anderswohin", sagt eine Brokerin.

Die Fifth Avenue, die in puncto Einzelhandelsmietpreisen teuerste Straße der Welt, hält allerdings weiterhin ihre Mieter und Preise. Laut eines CB-Richard-Ellis-Berichts erreichen hier die Mietkosten 2200 Dollar pro Squarefoot (7220 Dollar pro Quadratmeter).

Denn berühmte Adressen bleiben Magnet für lokal ansässige Kunden und vor allem betuchte Touristen. Das ist auch ein Lichtblick für andere US-Shoppingmekkas, sagt der Chef des Einzelhandel-Immo-Experten Robert K. Futterman & Associates. "Der Markt ist noch immer dynamisch in Einkaufsbezirken, die Touristen anziehen", sagt Futterman. "Das gilt etwa für die Fifth Avenue und SoHo, die Michigan Avenue in Chicago, South Beach in Miami und Hollywood Boulevard und Rodeo Drive in Los Angeles."(Georg Szalai aus New York, DER STANDARD, Printausgabe, 3.2.2009)

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    "Wir sperren das Geschäft zu." - Derartige Ankündigungen prägen zunehmend die US-Einkaufsstraßen. Auch im Shopping-Paradies New York.

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