Deripaska droht Verlust von Alukonzern Rusal

2. Februar 2009, 18:30
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Der einst reichste Russe verhandelt derzeit mit Banken über eine Restrukturierung seiner Milliardenschulden

Moskau - Für den russischen Oligarchen und Strabag-Miteigentümer Oleg Deripaska wird es zunehmend eng. Der noch vor kurzem als reichster Russe titulierte Deripaska verhandelt derzeit mit Gläubigern über eine Umstrukturierung seiner Schulden. Sollten diese Verhandlungen scheitern, dann läuft Deripaska Gefahr, seinen Hauptvermögenswert, den 56-Prozent-Anteil am weltgrößten Alukonzern Rusal, zu verlieren, berichtet die russische Tageszeitung Kommersant. Deripaska musste sich bereits im Herbst von seinen Beteiligungen am austrokanadischen Autozulieferer Magna, dem deutschen Baukonzern Hochtief sowie seiner Bank trennen.

Wie der Rusal-Aufsichtsratschef Viktor Wekselberg in einem Interview mit der Agentur Bloomberg sagte, betragen die Schulden von Rusal derzeit 16,3 Milliarden US-Dollar. Sieben Milliarden US-Dollar schuldet der Alukonzern ausländischen Banken, 6,5 Milliarden US-Dollar russischen Staatsbanken und rund 2,8 Milliarden US-Dollar Michail Prochorow, dem Präsidenten der Unternehmensgruppe Onexim. Prochorow, der 14 Prozent an Rusal besitzt, hatte im Frühling 2008 seinen Anteil am Buntmetallkonzern Norilsk Nickel an Deripaska verkauft.

Der Schuldenstand von Rusal könnte nun aber dramatisch ansteigen. Prochorow verfügt über eine Rückverkaufsoption über 14 Prozent der Rusal-Aktien im Wert von 7,3 Milliarden US-Dollar. Die Bedingungen, unter denen eine Ausübung möglich ist, seien bereits Ende 2008 eingetreten, beruft sich der Kommersant auf eine nicht näher genannte Quelle.

Opfer der eigenen Expansion

Deripaska, der innerhalb weniger Jahre den Konzern Basowij Element aufbaute, wird nun Opfer seiner aggressiven Expansionsstrategie. Vor allem der Einstieg beim Konkurrenten Norilsk Nickel kam dem Unternehmer teuer zu stehen. Ein Großteil der Akquisitionen wurde mit Krediten finanziert, zu deren Absicherung Aktien hinterlegt wurden. Nachdem der russische Aktienmarkt im Herbst 2008 um rund 70 Prozent eingebrochen war, forderten die Banken Nachschüsse.

Dazu kommt, dass die Kreditvergabe in Russland versiegt ist und die Weltwirtschaftskrise die Rohstoffpreise drückt. Die Schätzungen, wie hoch die Schulden von Deripaskas Unternehmen insgesamt sind, liegen weit auseinander. Sie reichen von 26 bis zu 34 Milliarden US-Dollar. Das US-Magazin Forbes bewertete im Vorjahr Deripaskas Vermögen mit 28,6 Milliarden US-Dollar.

Deripaska ist hingegen zuversichtlich, dass die Restrukturierungsgespräche mit den Banken erfolgreich verlaufen. Sie sollen bis Ende Februar abgeschlossen sein. In Davos stellte der Unternehmer auch eine mögliche Beteiligung des russischen Staates in Aussicht.

Rubel unter Abwertungsdruck

Nicht nur die Oligarchen sind angesichts der Wirtschaftskrise unter Druck. Der Rubel fiel am Montag gegenüber einem Dollar-Euro-Währungskorb auf 40,8 Rubel und rückte damit gefährlich nah an die Schwelle von 41 Rubel. Die Notenbank gab im Jänner bekannt, eine Spanne zwischen 26 und 41 Rubel mit Deviseninterventionen und Zinsänderungen zu verteidigen. Russland hat bereits ein Drittel seiner Devisenreserven zur Rubelstützung ausgegeben. (Verena Diethelm aus Moskau, DER STANDARD, Printausgabe, 3.2.2009)

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