Grüne Männer sind verletzlich

2. Februar 2009, 18:03
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Gemeine Machos oder arme Rehlein: Die Grünen führen nach dem Abgang von Johannes Voggenhuber ihren eigenen Geschlechterkampf

Wien - "Sexistische Untertöne" , "Geschlechterkampf" , "systematisches Betreiben" seines Abgangs von Eva Glawischnig und Co: Nachdem die Grünen Johannes Voggenhuber von ihrer EU-Wahl-Liste gestrichen und stattdessen mit Ulrike Lunacek und Eva Lichtenberger zwei Frontfrauen in Stellung gebracht haben, hat der langjährige Europa-Parlamentarier im Standard-Interview schwere Vorwürfe gegen seine Partei erhoben.
Führen bei den Ökos die neuen weiblichen Führungskräfte mittlerweile tatsächlich ein unerbittliches Regiment gegen altbewährte männliche Kollegen, wie Voggenhubers Worte suggerieren? Oder verkraften die Männer nicht, dass sie dem anderen Geschlecht nun so viel Macht abtreten mussten?

Voggenhuber selbst moniert jedenfalls, dass er in der parteiinternen Debatte rund um seine Kandidatur mit Sprüchen wie "der Silberrücken" müsse "erlegt werden" gemobbt wurde.
Wiens Grünen-Chefin Maria Vassilakou pariert diese Anschuldigungen so: "Es ging bei uns um eine reine politische Entscheidung für die EU-Wahl" , sagt sie, "und sicher nicht um eine Safari."

Terezija Stoisits steht zu Voggenhuber. Die grüne Volksanwältin hat den unbequemen EU-Mandatar bis zuletzt unterstützt und tut es auch heute noch. Ihn nicht kandidieren zu lassen, hält sie für einen schweren politischen Fehler. Aber: Sexistisch motiviert, wie Voggenhuber behauptet, war die Entscheidung, ihn nicht kandidieren zu lassen, nicht, sagt Stoisits. "Das ist wirklich ein Unsinn." Und noch etwas fügt die Grüne hinzu: Wenn schon, dann sei Voggenhuber sexistisch. "Er ist keiner, der vielen Frauen gegenüber eine große Wertschätzung entgegenbringt."

Nicht sein Verhältnis zu Eva Glawischnig sei problematisch, sondern sein generelles Verhältnis zur Parteispitze. "Das war schon unter Alexander Van der Bellen so und hat mit der weiblichen Parteiführung nichts zu tun."
Stoisits geht mit Voggenhubers Abqualifizierung durch Glawischnig aber hart ins Gericht. Das sei "letztklassig" gewesen. In der jetzigen Situation gebe es aber nur Verlierer: "Jetzt stehen wir alle belämmert da."
Monika Langthaler diagnostiziert bei den Grünen sehr wohl Sexismus - allerdings mit umgekehrten Vorzeichen. "Die Machos wie Voggenhuber und Pilz halten nicht aus, dass eine Frau Chefin wird" , meint die ehemalige Umweltsprecherin, die den Grünen vor Jahren nicht zuletzt wegen Voggenhuber den Rücken gekehrt hat. "Er ist einer, der Menschen immer verletzt, beleidigt, denunziert - besonders arg, wenn es gegen Frauen geht."
Als "absolut sexistisch" habe sie empfunden, wie Voggenhuber zu ihren Zeiten grüne Politikerinnen wie Madeleine Petrovic oder sie selbst angegriffen habe. "Die Grünen handeln absolut richtig, höchstens ein paar Jahre zu spät. Dazu gratuliere ich Eva Glawischnig" , sagt Langthaler: "Ich erkenne auch das Genie nicht, dass die Medien in Voggenhuber immer sehen. Wäre er geblieben, hätte ich die Grünen bei der EU-Wahl sicher nicht gewählt."

Madeleine Petrovic, Chefin der Grünen in Niederösterreich, hält den Vorwurf Voggenhubers, er sei auch aus sexistischen Gründen ausgebootet worden, für "herzig" . Petrovic: "Grüne Männer und andere Männer sind ja so empfindsam und verletzlich!" Sollte es in der ganzen Causa überhaupt einen Gender-Aspekt geben, sagt Petrovic, dann jenen, "dass Männer es nicht fassen können, wenn ihre Ära zu Ende ist" . Dennoch hätte sie Voggenhuber eine andere Form des Abgangs gewünscht. Peter Pilz legt im Übrigen Wert auf die Feststellung, dass er kein Macho sei - "sondern das grüne Platzrehlein, wie jederfrau weiß". (Gerald John, Michael Völker, Nina Weißensteiner/DER STANDARD-Printausgabe, 3. Feber 2009)

 

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