Islam-Lehrer müssen sich zur Demokratie bekennen

2. Februar 2009, 17:51
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Ministerin Claudia Schmied und Anas Schakfeh haben ein Maßnahmenpaket geschnürt

Wien - "Ich werde nicht alles liegenlassen, nur weil wir Probleme haben" : Anas Schakfeh schmettert Rücktrittsforderungen ab und will bis zur nächsten Wahl Präsident der islamischen Glaubensgemeinschaft bleiben. Politiker von FPÖ, Grünen und BZÖ hatten ihm das genaue Gegenteil ans Herz gelegt - und die Liste der Kritiker wird täglich länger. Zuletzt qualifizierte ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf, der zum Thema eine Enquete im Parlament vorschlägt, Schakfehs Auftritte als "inakzeptabel" .

Seinen Platz will Schakfeh also nicht räumen - dennoch zeigt der Druck Wirkung. Mit Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) hat er nun ein Programm vereinbart, um die von einer Studie benannten Missstände unter islamischen Religionslehrern (Demokratiefeindlichkeit, Ausbildungsmängel) zu bekämpfen. Stoßrichtung: Der Staat will die Lehrer an die kurze Leine nehmen.

Die Maßnahmen: Die Schulbehörden der Länder werden die Deutschkenntnisse der islamischen Religionslehrer testen - wer nicht besteht, fliegt. Überprüft werden auch die Unterrichtsmittel, die Integration der Lehrer im Schulbetrieb, die verbreiteten Wertvorstellungen sowie die Einhaltung diverser Vorschriften. Außerdem legt das Ministerium verpflichtende Bedingungen fest: Wer unterrichten will, muss an einer pädagogischen Hochschule oder der Uni studiert haben.

Märtyrer nichts Falsches

Die Glaubensgemeinschaft verpflichtet sich überdies, mit allen Lehrern neue Dienstverträge fürs kommende Schuljahr auszuhandeln, in denen via Präambel die Treue zu Demokratie, Menschenrechte und Verfassung festgeschrieben ist. Wer diese Werte ignoriert, den muss die Glaubensgemeinschaft vom Unterricht abziehen. Für jedes Semester müssen die Fachinspektoren dem Ministerium einen Tätigkeitsbericht vorlegen. Ende April soll überdies ein neuer, moderner Lehrplan in Kraft treten. Bis dahin wird die Glaubensgemeinschaft auch alle Schulbücher und Lehrmaterialien untersuchen, und zwar, indem sie einen wissenschaftlichen Beirat einsetzt.
Dass dann auch jenes Schulbuch aus dem Verkehr gezogen wird, in dem - wie nun aufflog - dem Märtyrertod in Wort und Bild gehuldigt wird, ist laut Schakfeh aber keine ausgemachte Sache. "Da ist nichts Falsches drinnen" , meint das muslimische Oberhaupt im Standard-Gespräch: "Es geht dabei um Soldaten, die ihre Heimat verteidigen. Und diese Heimat ist Österreich." Ist das wirklich so gemeint? Schließlich wird der Kämpfer im Buch von Allah mit dem Paradies belohnt. "Das Buch ist aus dem Jahr 1993, als es weder Al-Kaida noch Selbstmordattentate gab. Die Assoziationen, die nun möglicherweise für eine schlechte Optik sorgen, existierten damals nicht" , argumentiert das muslimische Oberhaupt: "Aber wenn das Bild so viele Menschen stört, weil sie die Zusammenhänge nicht wahrnehmen wollen, können wir das Buch auch ohne das Bild verwenden."

Ob es überhaupt ein Problem mit dem islamischen Religionsunterricht gebe? "Ich glaube nicht. Niemand hat das bewiesen" , sagt Schakfeh: "Es gibt eine statistische Erhebung darüber, was in den Köpfen passiert. Ich kann aber nur über Handlungen urteilen. Bisher gab es keine Meldungen über problematische Aussagen im Unterricht." (Gerald John/DER STANDARD-Printausgabe, 3. Feber 2009)

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