Die dubiosen Partner des Monsieur K.

3. Februar 2009, 06:41
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Ein neues Buch bringt Außenminister Kouchner in Bedrängnis: Er soll mit diktatorischen Regimen Privatgeschäfte betrieben haben

Er half in Biafra, gründete „Ärzte ohne Grenzen" und geißelte Diktaturen jedweder Provenienz. Jetzt muss sich Bernard Kouchner, das moralische Aushängeschild der Regierung von Nicolas Sarkozy, selbst gegen den Vorwurf verteidigen, er habe sich von Despoten in Asien und Afrika kaufen lassen. Diese Behauptung erhebt der bekannteste französische Enthüllungsjournalist Pierre Péan, der schon die Vichy-Vergangenheit von Ex-Präsident François Mitterrand ans Tageslicht gebracht hatte.
Nun knöpft er sich „die Welt des Monsieur K." vor, wie sein Porträt Kouchners heißt. An sich hätte das Buch am Mittwoch erscheinen sollen; am Montag war der Verlag Fa-yard aber nicht in der Lage, das Datum zu bestätigen.

Weil das Buch zu brisant ist? Auf jeden Fall bringt es am Image des Ex-Sozialisten und Menschenrechtsaktivisten, der in Frankreich zu den populärsten Politikern gehört, böse Kratzer an. 2003 erhielt Kouchner 25.000 Euro für ein Gefälligkeitsgutachten, das zum Schluss kam, der Erdölkonzern Total beschäftige in Burma keine Zwangsarbeiter. Diese Episode war schon bekannt, galt aber als einzelner Ausrutscher Kouchners. Péan weist jetzt aber nach, dass der humanitäre „French Doctor" danach auch für afrikanische Gewaltherrscher tätig wurde. So erstellte seine Beratungsfirma Imeda für den gabunischen Präsidenten Omar Bongo eine Studie über die nationale Gesundheitsversicherung. Kostenpunkt 2,6 Millionen Euro.

Der Journalist behauptet, Kouchner habe noch als Außenminister Bongo bei dessen Besuch in Paris 2007 auf die Bezahlung gedrängt. Das wäre nicht nur peinlich für Kouchner, sondern auch politisch brisant.

Zurückhaltende Presse

Genau als Bongo die Zahlung einer Tranche (400.000 Euro) an Imeda verfügte, wurde Entwicklungshilfeminister Jean-Marie Bockel in ein Nebenministerium abgeschoben. Einen Grund dafür erfuhr die Öffentlichkeit nie. Zuvor hatte Bockel den alten Kolonial- und Korruptionsfilz zwischen Paris und afrikanischen Despoten unüblich deutlich kritisiert. Péan fragt sich nun, ob Bongo und andere Françafrique-Fossile wie der kongolesische Präsident Denis Sassou-Ngesso Druck ausgeübt haben, um Bockel abzusetzen, und ob Kouchner dabei seine Hand im Spiel hatte.

Kouchner lässt jedenfalls rechtliche Schritte gegen Péan prüfen. Dem Vernehmen nach muss er nun einem Berater von Staatschef Nicolas Sarkozy Rede und Antwort stehen. Bisher eher zurückhaltend greifen die französischen Medien die Affäre auf. Nur die Zeitschrift Marianne spricht von einem „Doppelleben" Kouchners.

Die gewaltige Diskrepanz zwischen Moralanspruch und Realpolitik machte dem 69-Jährigen, in letzter Zeit stark gealterten Minister selbst zu schaffen. Im Sommer verteidigte er mit einem Mal das chinesische Regime mit den Worten: „Seien wir doch nicht tibetanischer als der Dalai Lama."
Unlängst ging er noch einen Schritt weiter, als er das Menschenrechtssekretariat innerhalb seines Ministeriums offen als „Fehler" bezeichnete: „Denn zwischen den Menschenrechten und der Außenpolitik eines Landes, sogar Frankreichs, besteht immer ein Widerspruch." (Stefan Brändle aus Paris, DER STANDARD, Printausgabe, 3.2.2009)

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    Bernard Kouchner ist einer der beliebtesten Politiker Frankreichs. In den vergangenen Monaten verteidigte er China und sprach von der Unvereinbarkeit zwischen Außenpolitik und Menschenrechten.

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