Konzern drohen massive Einschnitte

2. Februar 2009, 17:52
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Was tun, wenn die Lufthansa doch nicht bei der AUA einsteigen will oder die EU-Auflagen den Deal nicht mehr rechtfertigen, fragen sich Involvierte

Was tun, wenn die Lufthansa doch nicht bei der AUA einsteigen will oder die EU-Auflagen den Deal nicht mehr rechtfertigen, fragen sich Involvierte. Die Überlegungen gehen bis zu einem Crash-Szenario.

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Wien - Die Situation bei der AUA ist dramatisch, und die wenigsten wissen wie dramatisch, bringt es ein Insider auf den Punkt. Laut ÖIAG gibt es für den Fall, dass die Lufthansa nicht einsteigt, zwar einen Plan B. Der da lautet: die Gesellschaft massiv redimensionieren und restrukturieren. Was das konkret heißt, wird nicht gesagt, aber es ist davon auszugehen, dass statt 100 nur etwa 60 Flieger übrig bleiben und eine Vielzahl der 8000 Mitarbeiter ihren Job verlieren.

Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber sagte jüngst, die Übernahme könnte noch am Widerstand der AUA-Kleinaktionäre oder an den strengen Auflagen der EU-Kommission scheitern. So unwahrscheinlich sei das nicht, sagen Airliner. Obwohl die ÖIAG als 42-Prozent-Eigentümer offiziell noch immer davon ausgeht, dass der Notkredit von 200 Millionen Euro bis zum Einstieg der Lufthansa reicht, wird das von Insidern bestritten. Gut möglich, heißt es da, dass der Staatszuschuss von 500 Mio. Euro, den die Deutschen als Mitgift bekommen sollten, bereits zur Sanierung der AUA gebraucht wird, die 2008 einen Verlust von mehr als 400 Mio. Euro eingeflogen hat.

Das am Freitag vorgestellte Maßnahmenpaket, das Einsparungen von 225 Mio. Euro vorsieht, dürfte kurzfristig nicht reichen. Nach dem massiven Passagier- und Ertragsminus der vergangenen Monate droht im Sommer auch der Charterverkehr wegzubrechen. Das private Konsumverhalten ändere sich angesichts der schlechten Wirtschaftslage. Nicht nur geschäftlich, auch privat wird weniger geflogen, und "die Schere, die sich da auftut, wird immer größer", berichten Involvierte. Die Business-Hoteliers klagen bereits jetzt über leere Betten.

Insider denken schon jetzt über Szenarien nach, wie es mit der Airline weitergehen könnte. Eine rasche Lösung wäre - ähnlich wie bei der Alitalia - die Teilung in eine "Good" und eine "Bad Company". Die "Good Company" wäre ein schuldenfreies Unternehmen in der für den Markt richtigen Größe. Die Lufthansa könnte das dann übernehmen. Dagegen spreche, dass für eine derartige Spaltung die Kleinaktionäre in einer Hauptversammlung zustimmen müssten, was schwer vorstellbar sei. Oder die ÖIAG kauft die Kleinaktionäre aus, startet die Sanierung und verkauft dann die Airline.

Bei einem echten Crash-Szenario wären alle Altlasten wie bestehende (teure) Kollektivverträge vom Tisch. Ein Masseverwalter würde dann versuchen, den Rest der Airline rasch zu verwerten.

Laut Karl Proyer, stellvertretender GPA-Bundesgeschäftsführer, ist die AUA-Führung wegen Kurzarbeit oder Teilzeitarbeit noch nicht vorstellig geworden. Man werde sich vernünftigen Vorschlägen nicht verschließen, verlange aber ein Gesamtkonzept. "Bisher gab es nur Punktationen seitens der AUA", sagte Proyer zum Standard. Am Montag hat auch Ryanair für das dritte Quartal einen Verlust von 118 Mio. Euro gemeldet. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 03.02.2009)

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    In welche Zukunft die AUA steuert, ist ungewiss. Es wird erwartet, dass Flieger aus dem Markt genommen werden müssen.

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