"Raus aus dem Mittelmaß"

2. Februar 2009, 16:39
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"Quality Austria" prämiert Unternehmensqualität mit einem Staatspreis - Langfristigkeit statt Quartalsdenken sollte in den Fokus rücken - Management sei einfach "Handwerk"

"Qualität ist immer nur dann im Diskurs, wenn sie fehlt", moniert Franz-Peter Walder, Vorstand von "Quality Austria". Um das Thema "Unternehmensqualität" breiter zu verankern, ruft der Verein auch heuer wieder zum gleichnamigen Staatspreis. Dieser wird seit 1996 in Kooperation mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit vergeben. Das Motto lautet: "Raus aus dem Mittelmaß". Bei einer Informationsveranstaltung in Wien wurden die Ziele der Plattform präsentiert. "Quality Austria" zertifiziert Betriebe mit dem "Austria Gütezeichen".

Quartalsergebnisse im Fokus

Unternehmen sollten ihr "kurzfristiges Quartalsdenken" ad acta legen, hofft Franz Walder auf mehr "Langfristigkeit und Konsequenz" als Firmenphilosophie. Manager seien viel zu oft nur auf den schnellen Erfolg aus. "Viele CEOs sind nur 1,5 Jahre bei einem Betrieb und schauen deswegen primär auf gute Quartalsergebnisse." Die Prämien würden hier eine entscheidende Rolle spielen. "Was in zwei Jahren passiert, ist ihnen egal", kritisiert Walder die "Profilierungssucht" bei vielen Führungskräften.

Werkzeuge im Management

Walder versteht Management als "Handwerk". Es gebe "Werkzeuge zum Planen und Organisieren". Auf diese Werkzeuge aufmerksam zu machen und einen Bauplan zur Verfügung zu stellen, sei Aufgabe von "Quality Austria". Und zwar mittels Unternehmens- und Managementschulungen, Workshops und dem Staatspreis, der als Impuls- und Ideengeber fungieren soll. Als "Orientierungshilfe" existiert das so genannte "Excellence Modell", das aus Parametern wie Politik und Strategie, Mitarbeiter, Führung oder Partner und Ressourcen besteht. Es wurde 1992 als Grundlage für die Bewertung von Bewerbungen um den Europäischen Qualitätspreis etabliert.

Wünsche der Kunden prioritär

Im Fokus bei der Implementierung des Modells steht: "Welche Zielgruppe spreche ich mit welchem Leistungsvermögen an." Kunden müssten immer die höchste Gewichtung haben. Bei der Definition des Begriffes "Qualität" gehe es letztendlich um die "Erfüllung von Anforderungen" innerhalb eines bestimmten Marktes. "Nicht das technisch bestmögliche ist automatisch die beste Qualität", so Walder. Die Optimierung von Unternehmenszielen sei ein kontinuierlicher Prozess. "Jene, die sich in der Hochkonjunktur mit dem Mittelmaß begnügen, werden in der Krise Probleme bekommen", sagt Walder und konstatiert bei heimischen Betrieben eine zu große Zufriedenheit mit dem Status Quo.

Laut Studien haben auf Unternehmensqualität fokussierte Organisationen "signifikante Verbesserungen in puncto Ergebnis, Umsatz, Bilanzsumme und Mitarbeiterzahl", referierte Walder. Das Potenzial beziffert er mit "garantierten" 20 Prozent.

Vier Kategorien

Als "Auszeichnung, die man nicht gewinnen kann, sondern die man sich erarbeitet", bezeichnet Andreas Redling, Manager des Staatspreises Unternehmensqualität, diese Prämierung. Unternehmen werden filetiert. Dabei unterziehen sie sich einer "intensiven Bewertung durch Experten aus der Praxis", heißt es. Als Basis dient das "Excellence Modell". Insgesamt gibt es vier Kategorien: von Großunternehmen mit über 250 Mitarbeitern bis zu Non-Profit-Organisationen. Die Leistungen der Firmen werden von "speziell ausgebildeten Assessoren" bewertet, erläutert Redling das Prozedere. Die Assessoren setzen sich aus unterschiedlichen Branchen zusammen.

150 Verbesserungspotenziale

Die Kriterien orientieren sich an den "wirtschaftlichen Rahmenbedingungen". Unter die Lupe genommen werden beispielsweise Mitarbeiterzufriedenheit oder Geschäftsergebnisse. "Und zwar langfristig", betont Redling. Alle Bewerber, die sich im Rennen befinden, erhalten am Ende einen "ausführlichen Feedbackreport". Dieser wird für 32 Teilkriterien erstellt. "Im Schnitt werden von den Assessoren 150 Verbesserungspotenziale diagnostiziert", meint Redling.

Die Einreichung ist bis 13. Februar möglich und kostet je nach Branche und Firmenstruktur zwischen 2.000 und 10.000 Euro. "Damit handelt es sich um das günstigste Feedback, das man von Praktikern erhalten kann", behauptet der Unternehmensberater. "Frage nicht, was etwa McKinsey verlangt."

Mittelmaß

"Von 1000 möglichen Punkten haben Betriebe im Schnitt 250 Punkte", identifiziert er noch viel Luft nach oben. Heimische Spitzenunternehmen kommen auf rund 600 Punkte. Falls sich im Bewerberpool keine auszeichnungswürdigen Organisationen befinden, dann wird der Staatspreis gar nicht erst vergeben. So wie zum Beispiel im Jahr 2007, wo nur ein Betrieb den Status des Finalisten erreichen konnte. 2008 wurde wieder ein Unternehmen prämiert, nämlich Worthington Cylinders. Der Betrieb mit Sitz im niederösterreichischen Kienberg ist auf die Herstellung von Druckbehältern spezialisiert.

"Wenn die Sonne aufgeht, laufen wir." So beschreibt Worthington-Chef David Kelly die Devise in seiner Firma. Der Staatspreis habe geholfen, den Betrieb als Top-Unternehmen zu positionieren. "Mitarbeiter wechseln den Arbeitsplatz nicht hauptsächlich wegen dem Geld", sagt Kelly. Investitionen in Mitarbeiterzufriedenheit minimieren die Fluktuation. Diese Binsenweisheit sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, wird aber in derPraxis viel zu oft ignoriert, kritisiert Kelly.

"Gnade der Krise"

"Man muss was für sein Glück tun." Permanent und nicht erst im "Angesicht des Todes". Es sei ein zutiefst menschliches Verhalten, dass man mit so wenig Anstrengung wie möglich agiere. "Nimm einem Unternehmen die Knappheit und du bringst es langfristig um", ist Kelly überzeugt, dass die momentane Wirtschaftskrise für viele auch eine "Gnade" sei. (om, derStandard.at, 2.2.2009)

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    "Qualität" liegt nicht nur im Auge des Betrachters, sondern lässt sich anhand von bestimmten Kriterien bestimmen.

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