Größten Immobilienmesse der Welt

7. März 2003, 21:11
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Aussteller auf der Mipim sind zurückgegangen- dafür hat sich die alpenländische Präsenz, verglichen mit 2002, fast verdoppelt

Cannes - Vor allem Amerikaner hatten erst im letzten Moment noch abgesagt. Doch auch manche Deutsche ließen sich den Ausflug an die Cote d'Azur entgehen - als Pflichttermin reichte ihnen die Expo Real in München, die zunehmend zu einer Konkurrenz für Cannes wird.

Bloß in der österreichischen Ecke im Untergeschoß schien die Welt noch in Ordnung. Der traditionelle Stand der Vienna Region von Wien und Niederösterreich trat erstmals in modernem Design und mit Multimedia-Technologie auf, und dank eines neuen Österreich-Standes mit Dutzenden privaten Firmen hat sich die Zahl der heimischen Aussteller im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt.

Stimmung

Die Stimmung: gedämpft, vorsichtig und geradezu bescheiden. "Wien ist in den Boomjahren preiswert geblieben, und deshalb spürt man jetzt auch den Abschwung nicht so stark," sagte Karl Bier, Chef der Porr-Immobilientochter UBM. Im Vergleich zu Berlin oder Frankfurt seien die Leerstände gering, und für hochqualitative Projekte bestehe ungebrochene Nachfrage aus dem In- und Ausland, meint Bier. "Es liegt genug Geld in der Investorenschiene. Wenn die Projekte stimmen, kann man es heben." Doch kaum jemand sei bereit, auf dem österreichischen Markt ein echtes Risiko einzugehen.

Probleme hausgemacht

Ariel Muzicant, Chef von Collier Columbus, macht dafür auch die heimische Politik verantwortlich: "Die meisten Probleme sind hausgemacht." Die Debatte um Wien-Mitte, wo ein bewilligtes Projekt nun zu Tode debattiert werde, untergrabe das Vertrauen der Investoren in die Rechtssicherheit des Standortes. Fertige, voll ausgemietete Projekte könne man noch an den Mann bringen, aber "als Platz für Risikokapital ist Wien zu vergessen." Sechs von zehn ausländischen Maklern hätten die Stadt in den vergangenen Jahren verlassen, und vor allem im nächsten Jahr könnten die Leerstände deutlich steigen, warnt Muzicant. Die Renditen von rund sechs Prozent seien zwar stabil, aber wenig berauschend. Die Kluft zu München - als Stadt mit Wien vergleichbar - werde immer größer. "Wo sind bei uns die großen Firmen, die 10.000- 20.000 Quadratmeter anmieten? Der Kontrast ist zehn zu eins." Angesichts solcher Prognosen zieht es österreichische Investoren nach Osteuropa, wo sich Renditen von bis zu zehn Prozent verdienen lassen - die UBM etwa mit einem großen Hotelneubau in Warschau.

Vertreter der heimischen Immobilienwirtschaft

Das matte ausländische Interesse machten die Vertreter der heimischen Immobilienwirtschaft mit Networking untereinander wett - man trifft sich in Cannes, weil man in Wien zu wenig Zeit füreinander hat. Flughafen-Vorstandschef Herbert Kaufmann preist seinen neuen Office Park hinter dem Airport an, wo im September 2004 der erste Block mit 26.000 Quadratmeter fertig gestellt werden sollte. Und WED-Vorstand Thomas Jakoubek sucht Mieter für den Saturn Tower, das nächste Hochhaus, das in der Donau City über der Platte entsteht. Bisher ist es zu 30 Prozent vorvermietet. "Wir sind sehr zuversichtlich", sagt er. Die schwache Konjunktur werde dazu genützt, etwas langsamer zu bauen und dafür die Projekte etwas besser zu planen.(Eric Frey aus Cannes, DER STANDARD Printausgabe 8/9.3.2003)

Die Zahl der Aussteller auf der größten Immobilienmesse der Welt, der Mipim, ist von 17.000 im Vorjahr auf knapp 15.000 zurückgegangen. Dafür hat sich die alpenländische Präsenz, verglichen mit 2002, fast verdoppelt.
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