"Päpste heucheln nie !"

13. März 2003, 12:37
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Wie der deutsche Management-Guru Rupert Lay die österreichischen Manager lehrt: nicht der Kantsche Imperativ soll für sie gelten, sondern: "Handle stets so, dass du dein und fremdes Leben eher mehrst denn minderst"

Hand aufs Herz, aufs sorgengeschwellte, liebe Managerin, lieber Manager: Kennen Sie die Vornamen der Kinder Ihrer unmittelbaren Mitarbeiter?

Nein, dann wird es aber Zeit. Oder Sie besuchen einen der gefragten Vorträge oder ein ganztägiges Seminar von Professor Rupert Lay (so wie diese Woche auf Einladung des Instituts für International Research in Wien).

In den USA, so der weit gereiste und erfahrene Mann, Jahrgang 1929, studierte Philosoph, Psychoanalytiker und vor allem Jesuitenpater, sei das selbstverständlich, und jeder Chef würde sich einmal im Jahr von seinen engsten Mitarbeitern zu deren Familien zu einem Dinner einladen lassen. Und: Sollte das Familienleben nicht stimmen, dann - so die beinharte Folgerung - heiße es oft Abschied nehmen von diesem Mitarbeiter.

Führung neu überdenken

"Führung neu überdenken" - so das Thema des Vortrags von Rupert Lay, der seine Affinität zur (katholischen) Kirche nicht nur nicht leugnet, sondern sogar viel aus seiner Erfahrung mit dieser ableitet. Zwar trocken, wenn es um den Aufbau geht, aber mit feinem Humor, viel Ironie und mit noch mehr kämpferischem Pathos.

Sein Leben selbst ist Beispiel dafür, wenn er zu den Teilnehmern des Seminars - überwiegend aus dem mittleren Management - meint, in Europa würde die Zivilcourage immer stärker nachlassen.

Unerträgliche Heuchelei

Er habe einmal in einem Interview von der "unerträglichen Heuchelei der katholischen Bischöfe, einschließlich des Bischofs von Rom" gesprochen (es ging um die kirchlichen Mitarbeiter mit unehelichen Kindern) und da sei Kardinal Ratzinger zu ihm gekommen und habe gemeint: "Ein Papst heuchelt nie!" Übrigens: Er selbst hat einen 20-jährigen Sohn, der - wenn wundert's - Manager werden möchte.

Auch zur gegenwärtigen weltpolitischen Lage ist der kämpferische alte Herr um Aussagen nicht verlegen. Im Rahmen seiner Einteilung der verschiedenen Konflikte - etwa überflüssige oder notwendige, lösbare oder unlösbare - meint er zum gegenwärtigen Konflikt zwischen den USA und dem Irak, dieser Konflikt sei unlösbar, weil sich Bush bereits für den Krieg entschieden habe.

Konfliktmanagement

Was die Lösung von Konflikten angeht, sollte man überflüssige vermeiden, notwendige mit dem geringsten Aufwand zu lösen versuchen und mit den unlösbaren lernen zu leben . . .
Ein Abstecher zum aktuellen Frauentag zeigt, dass der Kämpfer für mehr Offenheit wenig Herz für Frauen hat: Nein, er glaube nicht an eine emotionelle Intelligenz, wie sie Frauen zugeschrieben wird. Nein, Frauen sind nicht die besseren Manager, aber er kennt auch wenige Frauen in Vorstandspositionen.

Der von den deutschen Medien als "Management-Papst" apostrophierte Lay entlässt schließlich seine Zuhörer mit der an Immanuel Kant gemahnenden Aufforderung, sich an einem absoluten Wert zu orientieren, einem höchsten ethischen Prinzip: sei es die Würde des Menschen, sei es der Satz: "Handle stets so, dass du dein und fremdes personales Leben eher mehrst denn minderst." (DER STANDARD, Printausgabe, 8./9.3.2003, red)

  • Management-Guru Rupert Lay: "Überflüssige Konflikte sollte man vermeiden, notwendige Probleme sollten mit geringstem Aufwand gelöst werden und mit den unlösbaren muss man lernen zu leben"
    foto: der standard/cremer

    Management-Guru Rupert Lay: "Überflüssige Konflikte sollte man vermeiden, notwendige Probleme sollten mit geringstem Aufwand gelöst werden und mit den unlösbaren muss man lernen zu leben"

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