"Monopol-Aufbrechen ist Titanenarbeit"

7. März 2003, 19:07
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STANDARD-Streitgespräch über das richtige Maß an Regulierung beziehungsweise Deregulierung für die Telekommunikation

Wien - "Das Aufbrechen von an Infrastrukturleistung gebundenen Monopolen ist eine Titanenarbeit", meinte Georg Serentschy, für Telekommunikation zuständiger Geschäftsführer der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR). Letztlich sei es ein Prozess, bei dem man gegen etablierte Marktkräfte zu arbeiten habe. Doch meinte er, dass in Österreich dieser Prozess bisher grosso modo erfolgreich gewesen sei: "Alternative Anbieter haben sich gut entwickelt, Monopolisten haben Marktanteile verloren."

"Liberalisierung ist nicht nur Preisreduktion"

Andreas Kreutzer vom Marktanalytiker Kreutzer, Fischer & Partner, der die volkswirtschaftlichen Effekte bisheriger Deregulierungsbemühungen vermisst: "Es gab zwar eine Gebührenreduktion, aber Liberalisierung ist nicht nur Preisreduktion", hielt er dagegen. "Gemessen am Körperschaftssteueraufkommen und gemessen an den Arbeitsplätzen tendieren wir gegen null."

Diese Polarisierung erhitzte sofort die Gemüter im Publikum. Hansjörg Tengg von Master-Talk, der als früherer Geschäftsführer von Max.mobil (heute: T-Mobile) den zweiten Mobilfunker aufbaute, sieht Regulierungsbemühungen - "das Bilden von Monopolen und Oligarchien verhindern" - als nie abgeschlossene Aufgabe. Die Tatsache, dass die Branche derzeit paralysiert sei, hänge mit dem Ende des Internet- und Mobilfunk-Hypes zusammen und nicht mit einer verfehlten bisherigen Regulierungspolitik.

"Hausgemachte Passivität"

Wie eine Marktbelebung durchgeführt werden könne, fragte Gerfried Sperl, STANDARD-Chefredakteur und Diskussionsleiter: "Ich habe den Eindruck einer hausgemachten Passivität in der Branche."

Kreutzer plädierte für offensivere Breitbandpolitik. Das Festnetz müsse als strategisches Element erkannt werden, "das zu wertvoll ist, um nur Sprache darüber zu transportieren". Hier gebe es weiterhin viele Entbündelungsaufgaben, kritisierte Michael Gredenberg vom Internetprovider Inode: "Wenn man als Provider ADSL anbieten will, ist man auf die Telekom Austria angewiesen."

Radikale Vorschläge

Radikale Vorschläge machten auch die beiden Gastgeber im Ares-Tower, UTA-Geschäftsführer Romed Karre und Johannes Schwertner: Die Telekom Austria gehöre in zwei Blöcke für Netz und Dienstleistung zerschlagen, oder es müsse zumindest ein eigener "Rechnungskreis" für das Festnetz geschaffen werden, um so leichteren Zugang zur "last mile" für andere Anbieter zu schaffen. Ein forcierter Breitbandausbau, waren sich die Experten einig, sei eines der wichtigsten Ziele für die nächste Zeit. Nur so könnten Betriebe mit hochwertigen Arbeitsplätzen im Land gehalten werden, nur so könne die Vision einer elektronischen Verwaltung wirklich breit unters Volk gebracht werden.

Neue Regulierungspolitik

Telekomregulator Serentschy präsentierte erste Entwürfe einer neuen RTR-Regulierungspolitik, die nach Implementierung des neuen Telekommunikationsgesetzes voraussichtlich ab Sommer angewendet werden könnte. Serentschy will den Markt in kleinere, insgesamt achtzehn, Segmente zerteilen und jedes einzelne nach dem Grad der Marktbeherrschung analysieren. "Ziel soll à la longue sein, die sektorspezifische Regulierung des Telekommunikationsmarktes in die allgemeinen gesetzlichen Regulierungsinstrumentarien zu überführen." (ruz, DER STANDARD, Printausgabe, 8.3.2003)

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    foto: photodisc
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