Schildkröten überquerten den Nordpol

2. Februar 2009, 15:06
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Vulkanische Aktivität sorgte vor 90 Millionen Jahren für Super-Treibhauseffekt - Ozean rund um den Nordpol bestand zum Teil aus Süßwasser

Rochester - Auf ihrer urzeitlichen Wanderung von Asien nach Amerika dürften Schildkröten offenbar nicht den Weg über Alaska, sondern über den Nordpol gewählt haben. Zumindest weist das jüngst entdeckte Fossil einer asiatischen Süßwasserschildkröte darauf hin. Geophysiker der University of Rochester fanden die Überreste bei Gesteinsuntersuchungen in Nordkanada.

Das von den Forschern als Auroraschildkröte getaufte Tier ähnelt einer mongolischen Schildkrötenart. Ungeklärt ist allerdings noch, wie genau es in die Arktis gelangte. "Das Fossil ist der erste Beweis für die Migration über die Arktis und lässt auf ein warmes, eisfreies Klima in der Region vor 90 Millionen Jahren schließen", sagt Expeditionsleiter John Tarduno. Die Forschungsergebnisse wurden im Fachjournal Geology veröffentlicht.

Süßwasser im Polarmeer

Dass das arktische Meer große Mengen an früher Süßwasser enthielt, wird auch durch frühere Gesteinsbohrungen gestützt. Demnach war der Ozean rund um den Nordpol stärker vom weltweiten ozeanischen System getrennt als heute. Das Wasser aus den ins Polarmeer mündenden Flüsse schwamm oben auf dem schwereren Salzwasser und ermöglichte somit Süßwassertieren wie der Auroraschildkröte die Wanderung.

Zudem hätten laut Tarduno Vulkane Meeresrücken mit kleinen Inseln entstehen lassen, die für die Tiere eine Brücke von Russland nach Kanada bildeten. Dass das Fossil nur durch Verschiebung der Erdplatten in den Norden gelangt sei, konnte der Expeditionsleiter durch paleomagnetische Untersuchungen ausschließen.

Super-Treibhauseffekt

Das heiße Klima, ohne das die Schildkröte am Nordpol nicht überleben hätte können, wurde laut Tarduno durch vulkanische Treibhausgase hervorgerufen. "Wir fanden den Schildkrötenpanzer in den obersten Schichten der Lava, die aus einer gigantischen Vulkanexplosion stammt." Hochaktive Vulkane, die es vor 90 Millionen Jahren über den ganzen Planeten verteilt gegeben habe, pumpten gigantische Mengen von CO2 in die Atmosphäre. "Wenn das innerhalb kurzer Zeit geschah, führte das wahrscheinlich zu einem Super-Treibhauseffekt, der auch den Polen außergewöhnliche Hitze bescherte", vermutet der US-Geophysiker. (pte/red)

  • Das in Nordkanada entdeckte Fossil einer Süßwasserschildkröte stützt die Annahme, dass die Tiere vor 90 Millionen Jahren über den Nordpol nach Amerika gewandert sind.
    foto: university of rochester

    Das in Nordkanada entdeckte Fossil einer Süßwasserschildkröte stützt die Annahme, dass die Tiere vor 90 Millionen Jahren über den Nordpol nach Amerika gewandert sind.

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