"Prügeln Sie nicht die Kirche"

2. Februar 2009, 14:39
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Wagners Ernennung für Bischof Schwarz ein "großes, glückliches Ereignis" - Keine weiblichen Ministranten in Windischgarsten

Linz - Bei der offiziell ersten Pressekonferenz des damals neuen Linzer Diözesanbischofs Ludwig Schwarz stand am Schluss ein gemeinsames "Vater Unser" mit den anwesenden Journalisten. Quasi ein Stoßgebet für einen guten, gemeinsamen Start. Am Montag stand wieder die Präsentation eines Bischofs auf dem Plan, auf das Abschlussgebet wurde wohlweislich verzichtet. Man hat offensichtlich erkannt, dass die Ressentiments gegen den künftigen Linzer Weihbischof Gerhard Maria Wagner so schwer wiegen, dass an einen friktionsfreien Start nicht mehr zu denken ist.

Um Wagner nicht gleich zu Beginn einer allzu wissbegierigen Journalistenrunde auszusetzen, startete Diözesanbischof Schwarz zunächst mit einer kleinen Kirchenkunde. Thema: Was ist denn nun eigentlich ein Weihbischof? Nach der Jobdefinition fand der Linzer Oberhirte dann klare Worte in Richtung jener Kritiker, darunter auch hohe Kirchenfunktionäre, die Wagner gleich zum Auftakt die Klostersuppe gehörig versalzten.
"Es war ein unschöner Empfang, einfach traurig. Es hatte nichts mit christlicher Nächstenliebe zu tun. Das war unmenschlich" , kritisierte Schwarz und ermahnte vor allem Kritiker aus dem diözesanen Umfeld: "Sie haben auf den Bischof einen Eid der Treue und absoluten Loyalität geschworen."

Der künftige Weihbischof ging, gemäß seinem Motto, stets den Konflikt zu suchen, gleich in die Vollen. Mit dem "lieblosen Empfang" habe er kein Problem, er wisse "ohnedies über die spezielle Situation in der Diözese Linz, wo es Spannungsfelder gibt und man von einer Polarisierung sprechen kann."

Fröhliche Ministranten

Auf jeden Fall sei er nicht "als Spalter oder Wächter" gekommen. "Ich verstehe sowieso nicht, wieso ich als Spalter dargestellt werde, wenn ich mich hinter den Papst stelle" , wies Wagner Kritik an seinen bisherigen konservativen Äußerungen scharf zurück. Vielmehr sollten jene, die abweichen, überlegen, ob sie nicht selbst Spaltung betreiben würden.

Seine umstrittenen Äußerungen, wonach es wohl kein Zufall sei, dass in New Orleans alle fünf Abtreibungskliniken sowie Nachtclubs durch den Hurrikan "Katrina" zerstört worden seien oder dass die Tsunami-Katastrophe in Südostasien vermutlich nicht zufällig zu Weihnachten aufgetreten sei, "wenn die Leute aus dem reichen Westen im armen Thailand die Welt genießen" , nahm Wagner auch am Montag nicht zurück. Auch wenn er nie von einer "Strafe Gottes" gesprochen haben will. "Aber dass es keine Strafe ist, wissen weder Sie noch ich" , sagte Wagner. Die Tatsache, dass er in seiner Pfarre in Windischgarsten weibliche Ministranten verboten hat, habe "verschiedenste" Gründe. Es gebe eine ausreichend große männliche "fröhliche Ministrantenschar" , und in einem gewissen Alter hätten "Mädchen und Buben einfach nichts miteinander zu tun" . Die Frage nach dem Pflichtzölibat bejaht Wagner klar.

Und wenn es schon für die anwesenden Journalisten am Schluss kein Gebet gab, so zumindest eine Schelte: "Prügeln Sie nicht immer die katholische Kirche. Bei anderen Religionen trauen Sie sich ja auch nicht - und Sie wissen genau, warum."

Deutsche Papst-Kritik

In Deutschland äußerten sich indessen weitere Bischöfe mit Papst-Kritik - wegen dessen Rehabilitierung des Holocaust-Leugners Richard Williamson. Der Hamburger Erzbischof Werner Thissen sprach von einer "schlechten Entscheidung" , der Mainzer Kardinal Karl Lehmann forderte eine Entschuldigung "von hoher Stelle. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD-Printausgabe, 3. Feber 2009)

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    Gerhard Maria Wagner, neuer Weihbischof in Linz, will sich von Kirchenaustritten nicht erpressen lassen.

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