Müll und Taubenkot: Kontrollamt kritisiert Lainzer Spital

2. Februar 2009, 14:50
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Auch Brandschutz im Krankenhaus Hietzing zum Teil unzureichend

Wien - Die alten Wiener Großspitäler kommen nicht aus der Kritik: Im Wiener Rathaus wird seit geraumer Zeit über das Otto-Wagner-Spital diskutiert, nun sorgt ein Prüfbericht zum Krankenhaus Hietzing - ehemals Lainz - für Aufsehen. Laut Kontrollamt sind die Brandschutzeinrichtungen dort zum Teil unzureichend. Und auch in Sachen Hygiene gibt oder gab es zumindest Probleme. Die Rede ist von herumliegendem Müll, Taubenkot und Fenstern, durch die es hereinschneit.

So stellte das Kontrollamt etwa fest, "dass Arbeitsplätze für die Infusionsvorbereitungen in Räumen eingerichtet waren, die auch als Büroarbeitsplätze sowie als Sozialräume und Teeküchen genutzt wurden". Laut Angaben des medizinischen Personals waren bei einem dieser Räume die Fenster derart undicht, dass im Winter Schnee eindringen konnte. Ein eigener Raum für die Infusionsvorbereitung sei vom Personal zwar als erforderlich angesehen worden - ein solcher stand aufgrund von Platzmangel aber nicht zur Verfügung.

Auch bei der Lagerung von Wäsche und Matratzen wurden Probleme geortet. Desinfizierte Matratzen wurden gemeinsam mit gebrauchten gelagert. Erstere waren zudem keineswegs ein Musterbeispiel an Hygiene: "So waren selbst die für die Verwendung vorgesehenen Matratzen verschlissen, erheblich befleckt und die Überzüge aufgerissen", heißt es im Bericht.

Modrige Keller und Dachböden

Die Prüfer fanden in Lainz zudem modrige Keller und Dachböden, in denen Umkleidekabinen eingerichtet waren: "Nach Ansicht des Kontrollamtes stellte diese Unterbringung der Garderoben aus hygienischer Sicht ein Problem dar, da sich das Pflegepersonal nach dem Anlegen der Dienstkleidung über den mit Staub und Taubenkot verunreinigten Dachboden zur Betreuung der Patientinnen und Patienten in die Stationsbereiche begeben musste."

Manche Außenbereiche der Anlage erinnerten demnach an eine "Müllhalde", Unrat wurde sogar bei der Rampe zur Spitalsküche entdeckt. Doch Abfall sieht nicht nur unschön aus, sondern kann laut Kontrollamt auch gefährlich werden: "Hinsichtlich des betrieblichen Brandschutzes erweckte die Krankenanstalt auch deshalb einen negativen Eindruck, weil in mehreren Pavillons große Mengen brennbarer Materialien, Gerümpel, von Bauarbeiten herrührendes Restmaterial, Holz, Kartons, Plastikfolien, Möbel, Bücher, Matratzen, Papier und funktionsuntüchtige medizinische und andere Geräte in Keller- und Archivräumen gelagert (...) wurden, die für derart umfangreiche Lagerungen in keiner Weise ausgestattet waren."

Der Bereich Brandschutz wurde generell kritisiert. Es wurde festgestellt, dass dieser im Spital zum Teil nicht dem aktuellen Standard entspricht. Auch hier waren vor allem Dachböden und Untergeschoße betroffen. Die eigentlichen Betriebsbereiche wurden hingegen kaum beanstandet: In den medizinischen Bereichen sei das "Bemühen" im Vordergrund gestanden, die Einrichtungen insbesondere hinsichtlich der Krankenhaushygiene auf einem "zeitgemäßen und den Vorschriften entsprechenden Sicherheitsniveau" zu betreiben, konstatierten die Prüfer.

Auch Stellungnahmen des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV) wurden in den Bericht eingearbeitet. So wurde etwa versprochen, dass Fenstersanierungen rascher vorgenommen werden. Die Reinigung von Matratzen wird an eine Fremdfirma ausgelagert - und die Beseitigung von Unrat veranlasst.

"Es ist erstaunlich, dass da das Kontrollamt kommen und sagen muss: 'Leute, bitte entrümpelt das'", zeigte sich die Kontrollsprecherin der Wiener Grünen, Waltraud Antonov, im Gespräch mit der APA erstaunt. In dem Bericht sei auch klar festgehalten, dass die Beseitigung von Missständen vom Personal oft urgiert worden sei. Trotzdem sei oft jahrelang nichts passiert, kritisierte die Grün-Politikerin. (APA)

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