Krebshilfe-Präsident: "Pilotprojekte" in Gefahr

2. Februar 2009, 14:03
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Bei der Krebs-Früherkennung bleibt es oft bei Pilotprojekten - Im Frühstadium ist Krebs häufig noch zu einem hohen Prozentsatz heilbar

Wien - Der Präsident der Österreichischen Krebshilfe, der Wiener Gynäkologe Paul Sevelda (Krankenhaus Hietzing), ist besorgt. "In der Krebs-Früherkennung gibt es Pilotprojekte. Sie werden ein paar Jahre durchgeführt und drohen dann einfach eingestellt zu werden. In Wien wurde beispielsweise das Mammografie-Pilotprojekt abgeschlossen. Solche Projekte sind nachgewiesenermaßen sinnhaft."

Pilotprojekte mit Potenzial

In Wien hätte man durch die konzentrierte Einladung von sozial benachteiligten Frauen in einigen Bezirken immerhin 24 Prozent erstmals zur Mammografie gebracht. "Das waren Frauen, die noch nie zu der Untersuchung gegangen sind", meinte Sevelda. Es gäbe aber derzeit die Gefahr, dass die Pilotprojekte an ihrem Ende einfach zerbröselten.

Im Frühstadium heilbar

Klar ist, dass im Frühstadium entdeckter Gebärmutter-, Brust- und Dickdarmkrebs zu einem extrem hohen Prozentsatz heilbar ist. Das Spätstadium aber zieht sich dank der modernsten Mittel der Medizin oft jahrelang dahin - mit extrem hohen Kosten.

Der Präsident der Österreichischen Krebshilfe: "Beim Dickdarmkarzinom fehlt für die Früherkennungs-Koloskopie in der Bevölkerung noch die Akzeptanz der Bevölkerung. Von einem Screening sind wir da weit entfernt." Schlecht sehe es auch für andere Programme aus. Der Experte: "Für das Gebärmutterhalskrebs-Screening (Abstrichuntersuchung, Anm.) gab es eine Arbeitsgruppe. Die Arbeit ist gestoppt. Deutschland hat innerhalb von drei Jahren ein Mammografie-Programm aus dem Boden gestampft. Wir haben hier nur die Pilotprojekte."

An Brustkrebs sind in Österreich im Jahr 2007 genau 1.531 Frauen gestorben (4.882 Neuerkrankungen im Jahr 2005). Ein Mammografie-Screening mit 80-prozentiger Beteiligung der Frauen ab 50 könnte diese Zahl laut wissenschaftlichen Studium um rund ein Drittel senken. Dickdarmkrebs erlagen im Jahr 2007 exakt 688 Menschen (4.995 Neuerkrankungen im Jahr 2005). Das ist bedauerlich, da mit einer Endoskopie-Untersuchung schon früheste Stadien bzw. gefährliche Darmpolypen schon etliche Jahre vor einer invasiven Karzinomerkrankung entdeckt und entfernt werden könnten. Seveldas Fazit: "Wir brauchen in Österreich nicht die Welt neu zu erfinden." Man brauche nur das international anerkannte Wissen umsetzen. (APA)

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