Papst warnt vor zu "leichten" Eheannullierungen

2. Februar 2009, 12:43
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Benedikt XVI.: Schwierigkeiten nicht mit Bindungsunfähigkeit verwechseln

Vatikan - Papst Benedikt XVI. hat die katholischen Kirchengerichte vor allzu raschen Ehe-Annullierungen aufgrund "psychischer Probleme" gewarnt. Der Wert der christliche Ehe dürfe nicht dadurch zerstört werden, dass die Annullierung fast automatisch erfolge, falls irgendeine Unreife und psychische Schwäche nachgewiesen werde. Das unterstrich der Papst vor den Richtern und Anwälten der Römischen Rota. Die Warnung, die Johannes Paul II. bereits 1987 ausgesprochen hatte, habe auch heute noch ihre Aktualität, betonte Benedikt XVI.

Ein echte psychische Unfähigkeit könne nur im Fall einer ernsten Form von Anomalie bestätigt werden, sagte der Papst an die Adresse der Richter. Es gehe nicht an, dass bereits Schwierigkeiten, das Jawort zu geben und eine Lebens- und Liebesgemeinschaft zu bilden, die Ehe ungültig machen. Die Richter müssten den Rat von Experten einholen, um das Vorliegen einer echten psychischen Eheunfähigkeit festzustellen. In jedem Fall handle es sich um eine Ausnahme. Man stoße mitunter auf einen anthropologischen Pessimismus, dass man angesichts der heutigen kulturellen Situation eigentlich gar nicht mehr heiraten könne, führte der Papst aus.

"Bindungsunfähigkeit"

Abgesehen davon, dass die Situation nicht in allen Weltgegenden gleich sei, dürfe man nicht reale Schwierigkeit, in der sich zweifellos viele vor allem junge Menschen befinden, mit Bindungsunfähigkeit verwechseln. Was heute auf dem Spiel steht, sei die "Wahrheit über die Ehe", betonte der Papst vor den Richtern. Sie hänge nicht vom einvernehmlichen Verhalten der Eheleute ab, sondern von der Fähigkeit, die Ehebindung einzugehen.

Nach Lehre der katholischen Kirche ist die Ehe zwischen zwei Getauften eines der sieben Sakramente der Kirche und unauflöslich. Konstituierende Voraussetzungen für die Ehe sind demnach Bereitschaft zur Ausschließlichkeit (Einehe), zur lebenslangen Treue und zur Offenheit für Kinder. Bei einer Annullierung wird von einem kirchlichen Gericht festgestellt, dass eine wichtige Voraussetzung für die Eheschließung gefehlt und die Ehe daher nie bestanden hat. Die Annullierung ist nicht mit der Ehescheidung zu verwechseln. (APA)

 

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