"Es geht um Liebe, den Tod und das Land"

2. Februar 2009, 15:18
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Des Kärntners liebste Beschäftigung ist das Singen, und das nicht erst seit Jörg Haiders Kärntnerlieder-DVD - Über Politik wird beim Kärntner Männerchor in Wien nicht so gerne geredet

"Noa-noa-noa-noa-no. Nani-nani-nani-nani-na. Sowi-sowi-sowi-sowi-so." Donnerstags kurz nach halb acht am Abend sind tiefe Männerstimmen aus dem Proberaum am Maria-Treu-Platz neben der Piaristenkirche im achten Wiener Gemeindebezirk zu hören. Rund zwanzig Männer stehen im Halbkreis und folgen den Anweisungen des Chorleiters.

Es sind aber nicht die Mitglieder des Kirchenchors, die sich hier die Stimmbänder aufwärmen, sondern die des Männerchors der Kärntner in Wien. Einmal in der Woche treffen sich Männer jeden Alters, die mittlerweile in Wien leben, zur Chorprobe, um die Tradition der Kärntnerlieder "in der neuen Heimat", wie sie selbst sagen, aufrecht zu erhalten.

Jörg Haiders DVD

Den Chor gibt es seit 1951, sagt Rudolf Kabas, der Obmann des Vereins. Sein Kärntner Dialekt ist nicht zu überhören. Da es immer wieder viele Kärntner nach Wien verschlägt ("Wien ist die zweitgrößte Stadt Kärntens"), habe man keine Probleme mit dem Nachwuchs. Schon vor der Veröffentlichung der Kärntner-Lieder-DVD des verstorbenen Landeshauptmannes Jörg Haider sei der Zuspruch groß gewesen. Im Jahr 2008 habe man 36 Proben und 28 Auftritte bei Hochzeiten, Geburtstagen oder Adventmärkten absolviert.

Die Veröffentlichung von Haiders Sing-DVD (DER STANDARD berichtete) habe aber zusätzlich Interesse hervorgerufen. "Mich haben die Leute angerufen, ob man die DVD bei uns bekommt, ob das unser Chor ist", erzählt Kabas, um gleichzeitig aber festzustellen, dass dem nicht so sei. Immerhin gibt es in Kärnten in nahezu jedem Ort einen Chor. "Von klein auf wird bei uns gesungen", sagt Kabas, "das ist was ganz was Selbstverständliches."

"Gefühle ausdrücken"

Und was macht das Singen so schön? "Beim Singen kann man seine Gefühle ausdrücken", sagt Kabas. Und Chorleiter Christian Maier erklärt: "Bei den Texten geht es um Liebe, den Tod und das Land." Gesungen wird im Kärntner Dialekt, teilweise auch auf Slowenisch.

Die Aufnahmekriterien für den Männerchor sind strikt: "Grundsätzlich müssen alle in Kärnten geboren und aufgewachsen sein", sagt Kabas. Für "Zuagraste" oder bloß an der Kärntner Kultur Interessierte gibt es keinen Platz. Und es gibt drei Prinzipien, an die sich die Männer halten. An den Abenden, die sie nach absolvierter Chorprobe im Cafe Maria-Treu vis-a-vis des Proberaumes ausklingen lassen, sind die Themen Religion, Politik und Frauen tabu.

Singen statt politisieren

"Das ist unser Männerabend. Es geht uns nicht darum, zu politisieren, sondern ums Singen." Deshalb wollen sich die Männer auch nicht zur Kärntner Landtagswahl, die am 1. März stattfindet, äußern. Wohl wird diese von den meisten Chormitgliedern von Wien aus verfolgt. Wählen dürfen viele aber nicht mehr: "Wegen des Parkpickerls haben die meisten den Hauptwohnsitz jetzt in Wien."

Das Singen steht also im Vordergrund - und das auch nach der Probe. Denn auch im Kaffeehaus wird das eine oder andere Lied angestimmt. "Das ist nicht einmal in Kärnten üblich, dass das erlaubt ist. Dadurch, dass unser Proberaum in der Nähe des Theaters in der Josefstadt ist, werden wir Künstler hier aber toleriert." Kabas dreht sich um, um wieder in den Proberaum zurückzukehren, zu den anderen Männern. Wo sie jetzt wieder ganz unter sich sein können - die singenden Kärntner in Wien. (rwh, derStandard.at, 2.2.2009)

  • Kärntner Männerchor in Wien: "Das ist unser Männerabend. Es geht uns nicht darum, zu politisieren, sondern ums Singen."
    foto: maennerchor

    Kärntner Männerchor in Wien: "Das ist unser Männerabend. Es geht uns nicht darum, zu politisieren, sondern ums Singen."

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