Islamische Revolution

2. Februar 2009, 15:44
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Sturz der pro-westlichen Monarchie - Revolutionsführer Khomeini proklamierte die Islamische Republik

Wien - Die Islamische Revolution im Iran bezeichnet den Sturz der pro-westlichen Monarchie unter Schah Mohammad Reza Pahlevi (Pahlavi) vor 30 Jahren und die darauffolgende Proklamation der Islamischen Republik Iran durch Revolutionsführer Ayatollah Ruhollah Khomeini am 1. April 1979. Seitdem sind Religion und Politik im Iran untrennbar miteinander verbunden. Am 11. Februar wird traditionell Jahr für Jahr der Sieg der Islamischen Revolution im Iran gefeiert. Das Militär hatte sich 1979 an diesem Tag für neutral erklärt. Der letzte vom Schah ernannte Regierungschef, der frühere Oppositionelle Shapur Bakhtiar, tauchte unter. Der Sieg der Revolution wurde verkündet. Zwischen dem Iran und den USA kam es zum Bruch, der bis heute andauert.

Massenbewegung gegen Schah

Die Islamische Revolution war eine Massenbewegung gegen die Diktatur des Schah. Ihre Leitfigur war der schiitische Geistliche und fanatische Schah-Gegner Khomeini. Dieser kehrte am 1. Februar 1979 nach 15 Jahren im türkischen, irakischen und französischen Exil aus Paris in den Iran zurück. Am Flughafen von Teheran wurde er von einer begeisterten Menschenmenge empfangen. Millionen Menschen säumten die Straßen der Hauptstadt, um den Erzfeind des Schah wie einen Helden willkommen zu heißen. Er symbolisierte eine Zukunftshoffnung des iranischen Volkes, das sich nach Jahrzehnten der vom Westen unterstützten Schah-Diktatur nach Freiheit und Veränderung sehnte.

Rolle der USA

Tage vor der Ankunft Khomeinis waren der Schah und Kaiserin Farah am 16. Jänner 1979 nach monatelangen schweren Unruhen, die Hunderte Tote forderten, aus dem Land geflohen. Pahlevi konnte nicht mehr in den Iran zurückkehren und starb krebskrank 1980 in Kairo. Der Schah war 1941 von den Alliierten als 23-Jähriger auf den Thron gesetzt worden. Sein Vater Reza - der 1934 den Staatsnamen Persiens in Iran (Land der Arier) geändert hatte - war nach Südafrika deportiert worden. 1953 war Pahlevi nach seiner Entmachtung durch den nationalistischen Ministerpräsidenten Mohammad Mossadegh, der die britischen Erdölgesellschaften verstaatlichte, vorübergehend ins Exil gegangen. Nach Mossadeghs Sturz kam er mit Hilfe der USA wieder an die Macht.

Radikale Landreform in Sechzigern

Schah Pahlevi hatte während seiner gut 37-jährigen Herrschaft nicht nur die politische Opposition, sondern auch den Klerus gegen sich aufgebracht. Mit amerikanischer Hilfe und gestützt auf eine starke Armee sowie die Geheimpolizei Savak, leitete er in den 1960er Jahren eine radikale Landreform ein und forcierte die weitere Säkularisierung des Landes. Unruhen wurden mit Waffengewalt niedergeschlagen. Tausende Menschen kamen ums Leben. Khomeini wurde 1964 des Landes verwiesen.

Islamische Republik Iran

Nach seiner revolutionären Rückkehr bildete Khomeini eine provisorische Regierung unter Mehdi Bazargan und rief die Islamische Republik Iran aus. Ihr von der schiitischen Geistlichkeit bestimmter oberster Führer steht verfassungsmäßig über dem vom Volk gewählten Präsidenten. Das geistliche Oberhaupt bestimmt die Richtlinien der Politik, bestätigt den Präsidenten, ist Oberkommandierender der Streitkräfte und hat bei innen- und außenpolitischen Entscheidungen das letzte Wort.

Blutige Säuberungsaktionen nach Revolution

Der Brutalität des Schah-Regimes folgte nach der Islamischen Revolution ein nicht minder gewaltsames Vorgehen der fundamentalistisch-islamischen Kräfte. Die iranischen Revolutionsgerichte führten blutige Säuberungsaktionen gegen politische Gegner durch. Diese richteten sich zugleich gegen alles Westliche, was viele Intellektuelle zur Auswanderung veranlasste. Im Zuge der Islamischen Revolution wurden weiters die Revolutionsgarden ("Pasdaran") gegründet. Sie bilden neben der regulären Armee ("Artesh") die zweite Säule der iranischen Streitkräfte, die auch im Iran-Irak-Krieg (1980-1988) zum Einsatz kamen. Die Justiz wurde nach den Regeln der Scharia ausgerichtet. In der Folge gab es tausende Hinrichtungen, die zum Teil mit Steinigungen vollstreckt wurden.

Bruch mit den USA

Die politischen Transformation des Landes führte auch zum Bruch mit den USA. Am 4. November 1979 begann eine 444-tägige Besetzung der US-Botschaft und Geiselnahme von Botschaftspersonal in Teheran. Die Besetzer forderten die Rückzahlung von Milliarden US-Dollar, die der Schah auf illegalem Wege ins Ausland gebracht haben soll. Die Geiselnahme führte zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Washington. Eine vom damaligen US-Präsidenten Jimmy Carter angeordnete Befreiungsaktion scheiterte kläglich.

Unter US-Präsident Ronald Reagan kamen die Botschaftsgeiseln frei, als Gegenleistung für amerikanische Zahlungen und Waffenlieferungen. 1984 erklärte die US-Regierung den erdölreichen Iran zum "Sponsor des internationalen Terrorismus", 2002 zum Mitglied einer "Achse des Bösen". Das iranische Nuklearprogramm sorgt anhaltend für internationale Irritationen. Ungeachtet der Versicherungen Teherans, das Programm diene rein zivilen Zwecken, bestehen im Westen und insbesondere in Israel und den USA Befürchtungen, der Iran strebe nach der Atombombe.

Mächtiger Wächterrat

Über die Einhaltung der Prinzipien der Islamischen Revolution wacht der mächtige Wächterrat. Er entscheidet auch über die Zulassung von Kandidaten zur Wahl und darüber, ob diese im Einklang mit den Prinzipien der Islamischen Revolution stehen. Die Entstehung eines "Gottesstaates" hatte auch zu einer dauerhaften und grundlegenden Veränderung der iranischen Gesellschaft geführt. Seit 1979 müssen etwa Frauen im Iran ihre Haare durch Schleier und ihren Körper durch weite, bodenlange Umhänge (Tschador) verhüllen. Heute kleiden sich aber vor allem in den großen Städten zahlreiche Frauen zum Leidwesen der Sittenwächter "freizügiger" und bedecken ihr Haar "nur" mit bunten Kopftüchern. (APA)

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    Poster anlässlich der Feierlichkeiten zur Islamische Revolution.

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