AK fordert zweites Arbeitsmarktpaket

2. Februar 2009, 11:15
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BZÖ will "Mittelstandsoffensive", Caritas wünscht sich "umfassende Bildungsoffensive"

"Die Wirtschaftskrise hat den heimischen Arbeitsmarkt voll erfasst", heißt es in einer Reaktion von AK-Präsident Herbert Tumpel auf die jüngsten Arbeitslosenzahlen. Junge und ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Beschäftigte in der Sachgütererzeugung und Leiharbeiter zählen zu den vom Arbeitsplatzverlust hauptbetroffenen Gruppen.

Tumpel fordert ein weiteres Arbeitsmarktpaket, "mit dem gezielt die hauptbetroffenen Gruppen unterstützt werden können". Der Finanzminister müsse die dafür notwendigen Mittel im Budget zur Verfügung stellen. Nach Berechnungen der AK werden im Herbst nicht 12.000, sondern 15.000 Ausbildungsplätze für junge Menschen gebraucht. "Das muss finanziell sichergestellt werden, denn gerade in einer Arbeitsmarktkrise brauchen alle Jungen eine gute Berufsausbildung."

Weiters wünscht sich die AK eine flexiblere Bildungskarenz und eine "für die Beschäftigten kleinerer Unternehmen deutlich attraktivere Altersteilzeit". Weitere Forderungen sind ein Ausbau der Arbeitsstiftungen, vor allem auch für arbeitslos gewordene Leiharbeiter. Deren Anzahl ist im Jänner um fast ein Drittel gestiegen. "Ich habe überhaupt kein Verständnis dafür, dass die Leihfirmen die Schaffung einer Arbeitsstiftung für diese Branche blockieren. Denn sie werden die ersten sein, die nach Fachkräften rufen, wenn die Konjunktur wieder anspringt und müssen deshalb auch Verantwortung für die Ausbildung solcher Facharbeitskräfte übernehmen", so Tumpel, der für die nächsten Monate neuerlich einen "dramatischen" Anstieg der Arbeitslosigkeit erwartet.

Jugendvertretung: "Regierung muss jetzt handeln"

Auch für die Bundesjugendvertretung (BJV) sind die neuesten Arbeitsmarktzahlen "dramatisch": "Verglichen mit dem Vorjahr, sind heute um 22,9 Prozent mehr Jugendliche arbeitslos, das ist alarmierend", so BJV-Vorsitzender Wolfgang Moitzi in einer Aussendung. Er fordert die Bundesregierung dazu auf, "rasch mit Sofortmaßnahmen gegenzusteuern". Die Ausbildungsgarantie sei eine wichtige Maßnahme, die sofort umgesetzt und angesichts der aktuellen Zahlen angepasst und finanziell aufgestockt werden müsse, so Moitzi, denn "es kann nicht sein, dass immer mehr Jugendliche an ihrem Berufseinstieg gehindert werden und auf der Straße stehen."

BZÖ-Scheibner will "Mittelstandsoffensive"

Der geschäftsführende BZÖ-Chef Herbert Scheibner fordert angesichts der neuen Arbeitslosenzahlen einen "nationalen Beschäftigungspakt zur Konjunkturbelebung". Neben einem Mittelstandsfonds ist laut Scheibner "besonders die Förderung der Ein-Mann-Unternehmen eine Chance, Arbeitsplätze zu halten, neue zu schaffen und damit die Binnenkonjunktur zu stärken".

Zusätzlich verlangt das BZÖ eine Offensive für Unternehmensgründungen und eine "funktionierende Ausbildungsgarantie für alle Jugendlichen". Auch die Steuerentlastung müsse sofort und in der Höhe von sechs Milliarden Euro kommen. "Steuern runter, Kaufkraft rauf - denn wem nichts mehr in der Brieftasche bleibt, der kann auch nichts mehr kaufen", so Scheibner.

FPÖ: "Zahnlose Regierung"

Für FPÖ-Generalsekretär und -Arbeitnehmersprecher Herbert Kickl ist der Anstieg der Arbeitslosigkeit "beängstigend, aber noch schlimmer ist, dass SPÖ und ÖVP dem Treiben mehr oder weniger hilflos zusehen". Dazu könne man beobachten, dass auch die Zahl der Schulungsteilnahmen um 2,2 Prozent auf 53.517 gestiegen sei, was einmal mehr die Sinnhaftigkeit derartiger Schulungen in Frage stelle. "Es kommt einem in Wahrheit so vor, als sei vor allem die SPÖ unter Arbeitsminister Hundstorfer endgültig abgemeldet", so Kickl weiter. Die im Regierungsprogramm zwischen Faymann und Pröll vereinbarten Maßnahmen zum Thema Arbeitsmarkt seien in Wahrheit "völlig zahnlos", so Kickl in einer Aussendung.

Die FPÖ habe bereits den Vorschlag deponiert, dass eine Arbeitsstiftung in Angriff zu nehmen sei, um Umschulungen und Qualifizierungen von Mitarbeitern zu finanzieren. Außerdem schlägt die FPÖ die Schaffung einer Arbeitsplatzprämie vor, "um Unternehmen, die 2009 neue Arbeitsplätze schaffen würden, zu unterstützen".

Caritas: Bildungsoffensive gegen Jugendarbeitslosigkeit

Auch bei der Caritas lassen die heute präsentierten Arbeitslosenzahlen die Alarmglocken läuten. "Immer mehr Menschen in Österreich suchen Arbeit wie einen Bissen Brot. Doch sie finden keine. Das ist ein klarer Auftrag an die Politik, sofort und umfassend zu handeln", schreibt. Direktor Michael Landau in einer Aussendung.

Arbeitslosigkeit bedeute für die Menschen eine hohe Armutsgefährdung und in Folge auch soziale Isolierung und Vereinsamung. "Was es jetzt braucht, ist eine umfassende Bildungsoffensive, um mittel- bis langfristig Chancengleichheit zu schaffen. Denn eines steht fest: Je höher die Ausbildung, desto geringer das Risiko von Arbeitslosigkeit betroffen zu sein." (red)

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