Gusenbauer: "Unser Schulsystem ist nicht besser, als das der anderen!"

2. Februar 2009, 10:25
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"Im Schnitt glaube ich, dass unsere Schüler und Schülerinnen Fremdsprachen besser beherrschen als die Jugendlichen aus großen Ländern", so antwortete Alfred Gusenbauer im Rahmen einer Diskussion mit Jungjournalisten auf die Frage, ob Österreicher auf dem europäischen Arbeitsmarkt gute Chancen hätten.

,,Einerseits muss man diese Frage mit Nein beantworten, anderseits mit Ja."
Nein deswegen, weil unser Schulsystem vergleichsweise mit anderen nicht besser ist, egal was man nun von den oft zitierten Pisastudien hält. Wir schneiden etwas schwächer ab, als die skandinavischen Länder. Allein vom österreichischen Schulsystem wird der berufliche Erfolg somit nicht abhängen.

Diejenigen, die sich jedoch aus Österreich hinausbewegen, haben auf dem europäischen Arbeitsmarkt sehr wohl gute Chancen, meint Gusenbauer. Das sind nämlich meist besonders engagierte Absolventen. Man darf natürlich nicht davon ausgehen, dass eine Gesamtpopulation von ca. 70.000 Jugendlichen auswandert, sondern nur ein kleiner Prozentsatz. Meist sind auch die besonders erfolgreich, die sich während ihrer Schulzeit besonders angestrengt haben.

,,Vieles hat sich gebessert, vor allem bei den Sprachkenntnissen.", so Gusenbauer.
Früher, als Englisch noch als besondere Qualifikation galt, ist es heute eine Mindestvoraussetzung, um im internationalen Business Fuß zu fassen. Auch eine dritte Sprache, wie Spanisch, Französisch oder Italienisch - gerne gesehen sind auch slawische Sprachen - werden heute oftmals in Verbindung mit Fachvokabular verlangt.

Die Kommunikationsfähigkeit in anderen Sprachen ist eine Selbstverständlichkeit geworden. ,,Wir sind aufgrund unserer Kleinheit benachteiligt.", meint Gusenbauer.
Das klingt einerseits widersprüchlich, ist es aber nicht. Denn im Gegensatz zu großen Staaten wie Frankreich und England, nützen kleine Länder ihre Anpassungsfähigkeit. In großen Ländern verlässt man sich oft auf die eigene Landessprache, die Bereitschaft Sprachen zu erlernen ist vergleichsweise klein. (Bianca Mayer)

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