In Österreich herrscht EU-Depression

2. Februar 2009, 10:08
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Die Globalisierung der Wirtschaft bringt es mit sich, dass es kleinere Länder schwerer haben als große. „Österreich ist nicht so wichtig, wie es sich manchmal vorkommt und trotzdem viel wichtiger als manche ich in Ihren Minderheitskomplex glauben", sagt Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer, der sich den Fragen von jungen Journalisten aus ganz Österreich Ende Jänner in Wien stellte.

Die Einstellung der Österreicher zur EU war schon immer kritisch, doch langsam ändert sich Ihre Meinung, laut Gusenbauer. Die meisten Leute werden durch die Wirtschaftskrise zum Nachdenken gebracht. Hätten wir jetzt nicht den gemeinsamen Euro, wäre es sehr „bitter" abgelaufen. Viele haben sich wahrscheinlich schon die Frage gestellt, was wäre mein Konto noch Wert ohne den Euro.

Obwohl sich die Einstellung zur EU positiv entwickelt, wissen nur 17% einer aktuellen Umfrage, dass sie ganz sicher an der EU-Wahl teilnehmen werden. 51% der Bürger interessieren sich überhaupt nicht für die EU-Wahlen und 38% sind sich noch nicht sicher. Diese Zahlen wirft die Frage auf, warum will keiner mehr wählen gehen, obwohl es so wichtig ist.
„Der wesentliche Schritt bei EU-Wahlen ist, dass man den Leuten klar machen muss, dass sie nicht abstimmen, ob sie für oder gegen Europa sind, sondern eine EU-Wahl entscheidet darüber, was in Europa gemacht wird", sagt Gusenbauer. Wenn man Kritik an die EU, hat kann man zu den Wahlen gehen und dort seinen Beitrag leisten, dass das Problem in Angriff genommen wird und sich ändert.

Leider haben viele Menschen den Eindruck, sie können zwar wählen, aber doch nichts mitentscheiden. Dieses Denken ist leider schwer aufzulösen. Warum dieses Denken? Fast bei jeder Wahl gibt es kein eindeutiges Wahlergebnis, also keiner hat die absolute Mehrheit bekommen und es werden wieder Koalitionen gebildet. Diese Parteien haben aber unterschiedliche Interessen, und so gibt es wieder nur leere Versprechungen. Warum wählen gehen, wenn sich nichts ändert? So denken viele Bürger, und deswegen ist unsere Wahlbeteiligung erschütternd niedrig. An diesem System gehört was geändert, damit wir Bürger, das Gefühl bekommen, es bewegt sich was, wir werden verstanden. (Marion Hoppenstock)

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