"Wo Master draufsteht, muss Master drin sein"

2. Februar 2009, 10:11
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Bildungsexperten diskutierten die akademische Weiterbildung - Neue Qualitätssicherungsagentur kommt

"Weiterbildungslehrgänge im Praxis-Check" war Titel einer Veranstaltung der Arbeiterkammer (AK) Wien am Dienstag. Neben Expertenvorträgen von Peter Schlögl, dem geschäftsführenden Leiter des Österreichischen Instituts für Berufsbildungsforschung (",Wir sind eine Eliteausbildung!' - Zum Informationsverhalten von Lehrgangsanbietern"), und Elke Gruber, die den Lehrstuhl für Erwachsenen- und Berufsbildung an der Uni Klagenfurt innehat ("Wo geht's hier zum richtigen Angebot? - Qualitätssicherung in der Weiterbildung"), bot der Vormittag auch eine vielseitige Podiumsdiskussion.

Sinnvolle Karriere-Investition oder nur 'Cashcow'?

Unter der Leitung von Martha Eckl, AK-Abteilung Bildungspolitik, wurde das Thema "Weiterbildungslehrgänge - Sinnvolle Karriere-Investition oder nur 'Cashcow' für die Hochschulen?" debattiert. Auf dem Podium waren Erwin Bratengeyer, Forschungskoordinator am Department für Interaktive Medien und Bildungstechnologien der Donau-Uni Krems, Robert Mödlhammer, AK-Abteilung Konsumentenpolitik, der Geschäftsführer der FH des bfi Wien, Helmut Holzinger sowie Rudolf Mallinger, Vizerektor an der Medizin-Uni Wien, und Friedrich Faulhammer, Leiter der Hochschulsektion im Wissenschaftsministerium.

Ärger mit Weiterbildungsanbietern gebe es immer wieder, berichtete Konsumentenschützer Robert Mödlhammer. Vor allem, wenn es gravierende Einschnitte im persönlichen Lebensbereich gebe, sei es oft unmöglich, ohne größere finanzielle Verluste aus einem laufenden Angebot auszuscheiden. Wobei Mödlhammer auf Nachfrage bestätigte, dass die staatlichen Hochschulen nicht zu den Problemkindern in diesem Bereich gehören.

Von einer "Cashcow" könne auch keine Rede sein, ging Helmut Holzinger in die Offensive. Er habe mit einigen FH-Kollegen über deren Weiterbildungsangebote - die als Ergänzung zum regulären FH-Angebot seit 2003 möglich sind - geredet und sich erkundigt, "wie hoch der Anteil der Erlöse aus der Weiterbildung am Gesamterlös" sei. "Ein Einziger sagte mir, dass der Anteil bei zehn Prozent liege." Alle anderen nannten - wie auch Holzinger selbst - "einen Wert um zwei Prozent".

Studierendenwünsche

"Die Beweggründe" für die Etablierung des Weiterbildungsangebots, das entweder zu einem Zertifikat als "akademische/r" Experte/in des jeweiligen Faches oder, in erweiterter Form, zum Mastergrad führt, resultiere aus der "wachsenden Nachfrage unserer Absolventen": Wer nach dem Grundstudium Bedarf nach "mehr" habe, kehre gerne an "seine" FH zurück.

Aber wie sehe es mit der Unterscheidbarkeit des "Weiterbildungsmasters" vom "regulären" Master, der als Zweitabschluss nach dem Bachelor den früheren Magister ersetzt, aus, fragte Martha Eckl den obersten Beamten der Hochschulsektion.

"Master ist Master", so Friedrich Faulhammers Antwort, eine Doppelgleisigkeit wäre "nicht sinnvoll". Natürlich seien in den letzten Jahren viele neue Anbieter entstanden und Angebote entwickelt worden, was die Wahl und die Qualitätsprüfung für den Konsumenten erschwere. Klar sei aber: "Wo Master draufsteht, muss auch ein Master drin sein" - und das solle künftig eine neue Qualitätssicherungsagentur gewährleisten.

Unter Berufung auf das aktuelle Regierungsprogramm nannte Faulhammer als Ziel, den Akkreditierungsrat der Privatuniversitäten, den FH-Rat und die Österreichische Qualitätssicherungsagentur Aqa zusammenzuführen. Auch Institutionen ohne Hochschulstatus sollten dort ihr Angebot akkreditieren lassen können. Die bis Ende 2010 gegebene Möglichkeit, "Lehrgänge universitären Charakters" und damit einen Masterabschluss anzubieten, würde in diesem Sinne wohl um zwei Jahre verlängert werden. Im Zuge der nächsten Novelle des Universitätsgesetzes (UG) könnte es dann schon 2012 die neue Qualitätssicherungsagentur geben.

Die Autonomie der Unis laut UG 2002 habe "ein völlig neues Umfeld" geschaffen, so Rudolf Mallinger. Die Weiterbildung sei "traditionell eher stiefmütterlich behandelt worden", trage nun aber "zur Profilbildung" bei und wachse in ihrer Bedeutung stark. Universitäten, die sich dabei schwertun, habe Faulhammer schon empfohlen, "ihr Konzept ganz neu aufzustellen". Erwin Bratengeyer zeigte sich als Vertreter einer reinen Weiterbildungsuniversität "gespannt, wie die Unis das schaffen werden". (Bernhard Madlener, DER STANDARD, Printausgabe, 31.1./1.2.2009)

 

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    Eine neue Qualitätssicherungsagentur soll künftig dafür sorgen, dass das "Master"-Angebot durchsichtiger wird

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