Neo-Wirtschaftsminister ausgezeichnet

2. Februar 2009, 10:01
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Mitterlehner bezeichnete Frauenquote als "willkürlich" und "abwertend" - Frauennetzwerk Medien verleiht Negativ-Auszeichnung seit 2004

Wien - Erst kurz im Amt, darf sich Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner bereits über eine besondere Auszeichnung freuen: Im Rahmen einer Veranstaltung des österreichischen "Frauennetzwerk Medien" am vergangenen Donnerstag wurde Reinhold Mitterlehner nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit "Österreich"-Herausgeber Wolfgang Fellner der Spezialpreis der unabhängigen Plattform verliehen: Ein knallrosa "Handtaschl". Der Minister habe "fairerweise bereits am Tag zwei nach seiner Angelobung ein deutliches Signal gegeben, was wir in Punkto Gleichstellung von ihm erwarten dürfen", so die Begründung der Jury.

Mit der Trophäe weist das "Frauennetzwerk Medien" ironisch auf journalistische Beiträge oder Äußerungen von Personen des öffentlichen Lebens in Medien hin, deren Frauenbild Anlass zu Kritik gibt. Auf dem Radar stehen offensichtlicher Sexismus und unterschwellige Angriffe ebenso wie herabwürdigende Aussagen, klischeehafte Darstellungen oder Ignoranz gegenüber Frauen und ihren Leistungen, heißt es in der Aussendung.

Qualität und Angebot

Das begehrte Handtaschl 2008 errang der Wirtschaftsminister (ÖVP) dank spontaner Aussagen zur diskutierten Frauenquote in Aufsichtsräten. Diese sei "willkürlich" und "abwertend", so Mitterlehner, entscheidend seien Qualität und Angebot. "Schön, dass uns ein Mann wieder mal erklärt, was gut für uns Frauen ist", so die Vorsitzende des Frauennetzwerks Medien, Karin Strobl, die bezweifelt, dass die mittlerweile 34 Prozent Frauen, die in Norwegen durch Quotenvorgabe in Aufsichtsräten sitzen, ihre Position als Abwertung ihrer Qualifikation empfinden. Offenbar habe der Herr Minister noch nie von der „Gläsernen Decke" gehört und gehe daher davon aus, dass es in Österreich ohnehin kaum weibliche Führungskräfte gäbe, welchen "die derzeit zu über 90 Prozent ausschließlich von herausragenden Männern ausgeübte Tätigkeit" prinzipiell zuzutrauen sei.

In einer ersten Stellungnahme betonte der Wirtschaftsminister, dass er Frauen sehr wohl fördern wolle. An seiner ablehnenden Haltung gegenüber Quoten halte er allerdings fest, nicht zuletzt, weil "auch Frauen" gegen die Quotenregelung seien. Erste Tat des Ausgezeichneten in punkto Gleichstellung war die Bestellung von Michaela Steinacker an die Spitze des Aufsichtsrates der Bundes-Immobiliengesellschaft, ließ Mitterlehner rechtfertigend in einer Aussendung mitteilen.

 

Kopf-an-Kopf-Rennen

Die Auszeichnung für Mitterlehner war keine leichte Entscheidung. Der ÖVP-Minister musste sich einer Kampfabstimmung gegen einen Blattmacher stellen: "Österreich" hatte die Wahl von Eva Glawischnig als Grüne-Parteivorsitzende mit dem Covertitel bejubelt: "Schöne Eva rettet die Grünen". Für diesen Beitrag zur Genderfrage gab es eine Nominierung für den "Wiederholungstäter im allzu bunten Journalismus" und knapp Platz 2 im Kampf um die Trophäe.

Weitere Nominierungen

Weiters auf der Shortlist, eine journalistisch untertitelte Anzeige des WIFI in der Krone: Hier „überraschte" die leicht beschürzten "Natascha" mit WIFI-Kursbuch "alle mit dieser intelligenten Pose." Für Michael Jeannée hatte sich die "unsägliche Frau Minister Plassnik" im Zuge der Befreiung der Sahara-Geiseln "blond und Plattheiten schnatternd in Szene gesetzt". "Schrill, hysterisch und verzweifelt" sei dagegen laut orf.at US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton im Vorwahlkampf gewesen.

Rückblick

2004 gewann Wolfgang Ambros für seine "Menopausengeschüttelte" und ihre "Frustbuchtel-Freundinnen" ex aequo mit Kurt Bergmann, den "frustrierte" Präsidentschaftskandidatinnen mit "grotesken" Auftritten "in der Nähe des Witzbuches" frustrierten. 2005 gab Handballtrainer Gunnar Prokop den Rat: "Die Frau gehört in die Kuchl, soll die Kinder erziehen und aus". 2006 erkannte der damalige ORF-Chefredakteur Werner Mück den Anblick einer profilierten Redakteurin als "Beleidigung für die Zuseher". 2007 zeichnete das Netzwerk ein "proto-typisches Beispiel für Ignoranz in der Sprache" aus: Den "Zickenkrieg".

Das Frauennetzwerk Medien

besteht seit 1999 als Forum für persönliche Kontakte und Informationen für Frauen, die in und mit Medien arbeiten. Der parteiunabhängige Verein mit mehr als 350 Mitgliedern organisiert neben dem "Handtaschl", u.a. den Journalistinnen-Preis "Spitze Feder" und die Expertinnendatenbank mit, führt Mentoringprogramme durch, lädt zum "karriere.TALK", und betreibt eine eigene Jobbörse. (red)

  • Artikelbild
    foto: frauennetzwerk medien
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