Voest-Gewinnziele erkalten

2. Februar 2009, 18:06
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Konzern stellt Kündigungen "in kleinerem Umfang" in Aussicht, das Ebit soll um zehn Prozent niedriger ausfallen

Linz - Den massiven Abschwung der Stahlindustrie bekommt nun auch der Voestalpine-Konzern voll zu spüren. Weil die Aufträge zuletzt wegbrachen und die Stahlpreise sinken, wird das Unternehmen das ursprünglich angepeilte Gewinnziel im ablaufenden Geschäftsjahr deutlich verfehlen. Erwartet wurde dieses Statement schon länger, die angespannte Lage wurde am Montag erstmals "offiziell" eingeräumt.

"Die Nachfrage ist in fast allen Bereichen massiv zurückgegangen. Nur der Schienen- und Energiebereich läuft gut", sagte ein Sprecher des heimischen Stahlkochers. Der Konzern mit Sitz in der oberösterreichischen Hauptstadt ist einer der großen Zulieferer der europäischen Autoindustrie, die ihre Produktion wie berichtet aufgrund der Nachfrageflaute kräftig zurückgefahren hat.

Nach jahrelangem Boom mit Rekordzahlen ist die Stahlbranche von der Wirtschaftskrise im Herbst abrupt erfasst worden. Im Schlussquartal 2008 war die weltweite Stahlproduktion um fast ein Viertel in den Keller gerutscht. Während die Stahlpreise fallen, bleiben die Rohstoff- und Energiekosten allerdings relativ hoch, wie Voestalpine erläuterte. Belastend wirkten zudem Aufwendungen für Personalabbau.

Kündigungen möglich

Über Weihnachten hatten die Linzer die Werksferien verlängert. Derzeit sind rund zehn Prozent der weltweit 42.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit gehen. Außerdem seien "Kündigungen im kleineren Ausmaß" nicht auszuschließen. Andere europäische Produzenten wie Corus und Acerinox bauen bereits mehr Stellen ab. Vergangene Woche hatte der (nach ArcelorMittal) Branchenzweite NipponSteel die Prognose zurückgestutzt.

Für das Geschäftsjahr 2008/09 (per Ende März) erwarten die Linzer nun einen Betriebsgewinn (Ebit), der um zehn Prozent unter dem Vorjahreswert von 1,15 Milliarden Euro liegt. Bisher lautete die Prognose stets: stabiles Ergebnis. Darüber hinaus wagt Voestalpine keine genaue Vorhersage. "Wir gehen aber selbst bei einer anhaltend negativen Marktentwicklung in jedem Fall auch für das kommende Geschäftsjahr von einem deutlich positiven Ergebnis aus", erklärte Konzernchef Wolfgang Eder.

Konkurrent ThyssenKrupp hatte sich zuletzt ebenfalls mit einem Ausblick auf 2009 zurückgehalten und lediglich einen deutlichen Umsatz- und Ergebnisrückgang vorausgesagt. Salzgitter hat sich auch noch nicht zu Zielen geäußert.

An der Börse sorgte die Gewinnwarnung von Voestalpine für Druck auf die Stahlaktien. (Reuters, APA, red, DER STANDARD, Printausgabe, 3.2.2009)

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