Veräppelt

28. Jänner 2009, 20:08
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Ein Wiener Computerhändler fühlt sich durch eine Satiregeschichte in seiner Ehre verletzt

Es war vor ein paar Tagen. Da meldete sich N. wieder: Er schickte ein Mail. Und das enthielt nicht nur ein Attachment, sondern auch einen Seufzer. Im Betreff. "Und wer ist der erste, der Salami News mit Klage droht?" lautete er.

N. hatte Post bekommen. Von einem Anwalt. Weil - und damit wären wir immerhin halbwegs bei der eigentlichen Geschichte - es nicht jedem vergönnt ist, auch dann noch über sich selbst schmunzeln zu können, wenn ein anderer den Witz macht.

Apfel

Der Anwalt, schreibt N., drohe. Er vertrete bezeichnenderweise ein Unternehmen, das sich selbst gern als cool, weltoffen und schon auch irgendwie humorvoll präsentiere Aber wohl nur solange, wie es selbst das Heft in der Hand hält. Der Apple-Händler, der N. via Rechtsanwalt zu Leibe rückt, dürfte in etwa so viel Spaß verstehen wie Stefan Raab: Der, erzählt man sich zumindest, soll ja auch sehr rasch zu lachen aufhören, wenn er bei Witzen auf seine Kosten nicht vorher gefragt wird.

N. betreibt eine Satire-Homepage. Seit November ist sie online, "SalamiNews" heißt sie. Wer dort vorkommt, der kriegt sein Fett ab. Nicht zu knapp - und über alle Bereiche des Lebens gleichmäßig verteilt: Von Frau Lugner über den ORF hin zu Kirche und Politik- und wieder zurück. N. zieht alles und jeden durch den Kakao - und wie es in der Natur von Comedy liegt, ist das manchmal mehr und manchmal weniger lustig.

Subjektiv

Auch, weil es ziemlich subjektiv ist, Satire für ge- oder misslungen zu halten. Das weiß auch N. Aber als Satire wurden die Geschichten von N. bisher immer erkannt. Zumindest hat kein Veräppelter bisher etwas anderes verlauten lassen. Zum einen, weil es sich aus Schreibweise und Kontext ergibt - zum anderen, weil N. das Wort Satire groß auf seine Seite draufschreibt.

Doch allem Anschein nach nicht groß genug: Am 19. Jänner beschrieb N. unter "Kunde wegen mangelnder Coolness aus Apple-Megastore geworfen und schwer verletzt"  wie es (Achtung: angeblich!) einem Mann erging, der sich auf der Mariahilfer Straße im dortigen Mac-Shop im falschen Outfit und mit den falschen Markenprodukten ausgestattet, um Beratung und Service bemühte. Der Mann, so die Geschichte, sei von Stammkunden und Personal an den Haaren aus dem Shop geschleift und "mit diversen MacBooks, IPods und iPhones quasi gesteinigt" worden.

Misshandlungen

Die Misshandlungen, so N. s Geschichte, hätten zu mehreren Platzwunden und Prellungen geführt - und der behandelnde Arzt habe erklärt, dass Opfer habe noch "Glück im Unglück (gehabt), weil die Apple-Deppen das alles mit MacBook Airs versucht haben und die sind glücklicherweise doch sehr leicht. Echte 17-Zoll MacBook Pros hätten wahrscheinlich noch schwerere Verletzungen bedeutet."
Derlei, gibt N. zu, könne natürlich jeder lustig finden oder nicht - aber doch nur schwerlich ernst nehmen.

Kann man aber eben doch. Jedenfalls sieht das der Computerhändler so, der am 28.1. seinen Anwalt von der Leine ließ: Die in dem Artikel aufgestellten Behauptungen, schrieb der Jurist, wären geeignet, Ehre und wirtschaftlichen Ruf seines Mandanten zu besudeln. Denn für Erstbesucher der Seite sei der Satireansatz der Seite keineswegs auf den ersten Blick erkennbar.

Ersatztext

Daher, so das Schreiben, werde N. aufgefordert, den inkrimierten Text sofort und kommentarlos offline zu stellen - und durch einen Text zu ersetzen, in dem klar gestellt werde, dass derlei nie geschehen sei. Und dass hier kein Kunde je so behandelt wurde. Kulanterweise, schließt der Anwalt, verrechne er für sein "erforderlich gewordenes Einschreiten" lediglich 600 Euro. Und damit wäre die Sache dann erledigt.

N. sieht das aber ein bisserl anders: "Es muss auch in Österreich Satire möglich sein," erklärt er. Und wenn sich jemand durch einen Text tatsächlich persönlich gekränkt oder beleidigt fühlt, sei er immer für ein Gespräch bereit. Aber ein derartiges Ultimatum, schreibt er "kann es nicht sein." Außerdem glaubt N. nicht, dass irgendwer den Text missverstehen könnte: "Wer nicht erkennt, dass dieser Artikel satirisch ist, dem ist kaum zu helfen.".

Dilemma

Und dann denk N. noch ein bisserl weiter als der Anwalt des Händlers (aber das schreibt er natürlich nicht): Nichts von dem, was auf N.s Seite zu lesen ist, soll (oder kann) so geglaubt werden, wie es da steht. Anwalt fordert jedoch, dass die Story durch eine unkommentierte, in Erscheinungsbild, Typographie und Layout mit den sie umgebenden Nonsens-Geschichten idente Ehrenerklärung ersetzt wird.

Wie aber ein solcher Hinweis, dass ein Besuch im Appleshop auf der Mariahilfer Straße auch, insbesondere und sogar für uncoole Menschen keinerlei Misshandlungsgefahr durch Personal und Stammkunden bedeutet, von jenen Besuchern der Seite verstanden werden könnte - oder müsste -, die dort aus jedem Text Satire und Ironie herauslesen, will sich N. nämlich lieber nicht ausmalen. (Thomas Rottenberg, derStandard.at, 2. Februar 2009)

 

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