Die Leichtigkeit der Franzosen

1. Februar 2009, 19:18
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Frankreich ist zum dritten Mal Weltmeister. Dank einer famosen Abwehrleistung wurde Kroatien die Party versaut. Beim nächsten Großereignis ist Österreich Gastgeber und deshalb dabei

Zagreb - Als Kapitän Jerome Fernandez den Weltpokal in die Höhe stemmte und die französischen Handballer mindestens so laut wie falsch "We are the Champions" anstimmten, hatte der kroatische Superstar Ivano Balic seine Silbermedaille bereits abgegeben. Tiefenttäuscht hatte sich der Spielmacher die Plakette nach der 19:24-Finalniederlage bei der Siegerehrung in der Arena Zagreb nicht einmal umgehängt, sondern gleich seinem Sohn Dino (7) geschenkt. Es war am Sonntagabend kurz nach 19 Uhr. Was der kleine Dino mit dem unnötigen Ding dann gemacht hat, konnte auch am Tag danach nicht geklärt werden.

Kroatien war auf den WM-Titel programmiert. Die Franzosen hielten sich halt nicht daran, störten den Ablauf massiv. Dank einer grandiosen Abwehrleistung siegten sie realtiv ungefährdet. Die 15.000 Zuschauer in der Halle (auf dem Schwarzmarkt wurden bis zu 1000 Euro pro Ticket geboten) nahmen die Unterlegenheit schon Minuten vor dem Abpfiff zur Kenntnis, es reichte für die Heimischen nicht einmal zu Dolchstoßlegenden. Weder die Schiedsrichter waren böse und ungerecht, noch hatte man in irgendeiner Phase der Partie großes Pech gehabt.

Am späten Sonntagabend feierten rund 100.000 Fans ihre Handballhelden auf einer Bühne in der Zagreber Innenstadt, als hätten sie Gold geholt. "Nicht trauern, wir haben Silber" , titelte die Tageszeitung Jutarnji List.

Auch Nationaltrainer Lino Cervar richtete den Blick nach vorn: "Jetzt sind wir enttäuscht, aber bald können wir uns über Silber freuen." Ob Cervar allerdings eine Zukunft als Nationaltrainer hat, ist äußerst ungewiss. Das Verhältnis zu der Mehrzahl seiner Spieler ist gestört. Stars wie Balic, Blazenko Lackovic und Igor Vori lassen sich von Cervar schon lange nichts mehr sagen.
Diese Probleme haben die Franzosen natürlich nicht. Dem dritten WM-Titel nach 1995 und 2001 folgte eine lange Party und somit eine kurze Nacht. "Die Feier haben wir uns verdient. Fünf Monate nach dem Olympiasieg sind wir Weltmeister geworden. Wir haben Geschichte geschrieben" , sagte Thierry Omeyer, der als bester Torhüter des Turniers ausgezeichnet wurde. "Mit Spielern dieses Talents scheinen die Dinge ganz einfach. Das ist ein großes Resultat für den französischen Sport" , resümierte Trainer Claude Onesta, der sein Team nun zu allen großen Titeln geführt hat, nachdem es 2006 bereits EM-Gold gegeben hatte.

Stolzer Präsident

Die Politik reagierte prompt, nahezu reflexartig. Das ist nach Erfolgen im Sport so, dabei handelt es sich um keine französische Erfindung. Die Mannschaft habe ihre eindrucksvolle Siegesliste fortgeschrieben und dem Olympiasieg in einem außergewöhnlich intensiven Finale den dritten WM-Titel hinzugefügt, tat Staatspräsident Nicolas Sarkozy kund, es war am Sonntag lange vor 20 Uhr. "Wir sind stolz."
Das nächste Highlight ist die Europameisterschaft, sie wird im Jänner 2010 ausgetragen. Und zwar in Österreich. Der Gastgeber ist natürlich automatisch qualifiziert. Eine Delegation des österreichischen Handballbundes weilte am Finalwochenende in Zagreb, um Erfahrungen in den Bereichen Hospitality, Marketing, Logistik und Fanbetreuung zu sammeln. Zudem hat man sich den internationalen Medien präsentiert und das herzige Maskottchen "Magic" , einen roten Stern mit süßem Gesicht in Schwarz, hergezeigt. Schwimmerin Mirna Jukic und Tennisspieler Stefan Koubek warben. Beide finden Handball toll, auch den österreichischen. (red, sid, DER STANDARD, Printausgabe, Dienstag, 3. Februar 2009)

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    Frankreich stoppte den Erfolgslauf der Kroaten und machte sich zum dritten Mal zum Weltmeister.

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