Die Hierarchie und die grüne WM

1. Februar 2009, 19:05
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Heute wird die WM eröffnet, am Dienstag hebt sie mit dem Super-G der Damen so richtig an. Die Veranstalter erwarten viele Zuschauer und versprechen umweltfreundliche Titelkämpfe

Val d'Isère - An der im Laufe der Evolution des alpinen Skisports entstandenen Hierarchie kann diese WM nicht rütteln. Das ist mathematisch nahezu einwandfrei nachweisbar. 928 Medaillen wurden bisher vergeben. 246 Stück, also nahezu ein Viertel, wurden von der österreichischen Skifahrt gewonnen, 79 Goldene, 85 Silberne, 82 Bronzene. Rang zwei in dieser Statistik belegt die Schweiz (172), Rang drei Frankreich (112). In Val d'Isère sind in den kommenden zwei Wochen elf Bewerbe einer Erledigung zuzuführen. Weil Ex-aequo-Platzierungen dräuen, haben die Veranstalter zwar mehr als 33 Medaillen im Lager, aber die Revolution an der Spitze kann nur in der Theorie stattfinden.

Die erste WM fand anno 1931 im schweizerischen Mürren statt. Val d'Isère 2009 kann man als 41. WM bezeichnen, wobei zu sagen ist, dass bis 1980 die Olympischen Spiele auch als Weltmeisterschaften gewertet wurden und der Internationale Skiverband im Jahre 1946 die Ergebnisse der WM 1941 in Cortina gestrichen hat.
Abgesehen davon kraxeln auf dem Tirol Berg die Bergsteiger. Die Angeseilten sind damit beschäftigt, das alte Chalet Chamois d'Or mit einer Plane zu überziehen. Auf und in der Goldenen Gämse in den Westalpen wirbt die Tirol Werbung mit ihren Partnern St. Anton, Ischgl und Kitzbühel für ihre Berge in den Ostalpen. Auch drinnen im Tirol Berg wird noch fleißig gearbeitet. Am Dienstag wird er, der seit 2001 in St. Anton noch jede WM geschmückt und mit der traditionellen Gemütlichkeit beliefert hat, eröffnet.

Montag werden die Titelkämpfe eröffnet. Naturgemäß feierlich. Am Dienstag geht's sportlich mit dem Super-G der Damen los. Da diese am Sonntag noch mit dem Weltcup-Rennen in Garmisch Partenkirchen, dem WM-Ort 2011, beschäftigt waren, wurden sie nachher nach Frankreich geflogen. Schließlich steht bereits am Montag die Hangbesichtigung an.
Zum Super-G haben sich übrigens 7972 Zuschauer angemeldet, wobei diese Zahl quasi sekündlich steigt. Da die Tourismus-Verantwortlichen Fernsehbilder von Rennen in familiärer Atmosphäre vermeiden wollen, boten sie auf ihrer Website Eintrittskarten für einen Euro an. Das Tolle dabei ist, dass man um den Euro nicht nur zuschauen darf, sondern innerhalb der Region Rhones-Alpes, Anmeldung vorausgesetzt, auch kostenlos zum Wettkampfort transportiert wird. Für die gesamte Dauer haben sich bisher 240.000 Menschen angesagt, womit die Erwartung (200.000) schon übertroffen wurde. An Wettkampftagen verkehren 70 Shuttlebusse zwischen Bourg St. Maurice und Val d'Isère. Denn dieses soll während der WM nahezu autofrei sein.

Das große, tiefverschneite Dorf auf 1850 Meter Seehöhe will eine grüne WM liefern. Das manifestiert sich in vielen Details. Im Pressezentrum gibt es nicht mehr die üblichen Papierberge. Nur noch Resultate werden ausgedruckt, nach dem Rest der standardisierten Information hat man in den Tiefen des Netzes zu schürfen. Womit nicht nur Resourcen der Natur eingespart werden.

"An Druck- und Papierkosten sparen wir 60.000 Euro" , sagt Beatrice Hutter, die Medienkoordinatorin. Die Skibusflotte wurde mit Elektro- und Hybridfahrzeugen ergänzt. Es gibt sogar Schneemobile mit Elektromotoren. Die 1400 Anoraks der Leute, die so eine große Veranstaltung erst möglich machen, davon 1000 Freiwillige, bestehen aus recyclingfähigem Material. Die Straßen werden nicht gesalzt. Bilden sich allzu gefährliche Eisflächen, wird Schnee darauf geschaufelt. Schaut hübsch aus, das Dorf.

Und die Kaffeeautomaten im Pressezentrum spucken nicht mehr einen Becher nach dem anderen aus, sondern nur noch das Getränk. Um diesem habhaft zu werden, bieten sie wiederverwendbare, sogenannte Ecocups an. Die sind stabil und mit einem WM-Logo versehen und kosten übrigens - genau: einen Euro. (Benno Zelsacher, DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 2. Februar 2009

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