Beim Rubel endet der Spaß

1. Februar 2009, 17:50
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Die Rubelkrise war Präsident Boris Jelzins letzter Sargnagel - Von Josef Kirchengast

Pseudo-Demokratie, eingeschränkte Medienfreiheit, gebeugter Rechtsstaat, Dauerkorruption: Mit all dem können die Russen als gelernte Post-Sowjetmenschen leben. Aber beim Rubel hört sich der Spaß auf.
In der Rubelkrise vor zehn Jahren verloren Hunderttausende einen Großteil ihrer Ersparnisse. Der Staat konnte damals seinen Bankrott, ausgelöst durch massiven Kapitalabfluss ins Ausland, nur mit einer starken Abwertung der Währung verhindern. Im Klartext: Die Bürger mussten mit ihrem Privatvermögen das System vor dem totalen Kollaps bewahren, während die goldenen Nasen, die sich manche bei der „Raubprivatisierung" verdient hatten, längst bekömmliche Auslandsluft schnupperten.
Die Rubelkrise war Präsident Boris Jelzins letzter Sargnagel. Nachfolger Wladimir Putin, inzwischen als Premier weiter De-facto-Staatschef, verdankt seine Popularität zuallererst der wirtschaftlichen Stabilität, die sich unter ihm einstellte. Aber die beruhte zum überwiegenden Teil auf den hohen Öl- und Gaseinnahmen und kann der Finanzkrise nicht standhalten, wie sich jetzt zeigt. Seit November hat der Rubel mehr als ein Fünftel seines Wertes verloren.
Die Erinnerung an 1998/99 ist wieder da - und mit ihr die Existenzangst. Immer öfter flackert die Angst nun in Straßendemonstrationen auf. Der wütende Protest gegen stark erhöhte Importzölle für Gebrauchtwagen vor einigen Wochen wurde zu Recht als Alarmzeichen gewertet. Die Gegendemonstrationen, zu denen Putin die Kreml-Partei jetzt vergattert, werden das Problem nicht lösen. (DER STANDARD, Printausgabe, 2.2.2009)

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