
EU-Abgeordneter Voggenhuber wirft Glawischnig & Co. vor, seinen Abtritt "hinter den Kulissen systematisch betrieben" zu haben.
Standard: Sind die Grünen für Sie nun gestorben?
Voggenhuber: Darum geht‘s nicht. Ich sehe es so: Der Entscheidungsprozess um die EU-Wahlliste ist abgeschlossen, der demokratische Wettstreit damit zu Ende - und das Ergebnis von mir zu akzeptieren.
Standard: Trotzdem möchten die Salzburger Sie jetzt in deren Landesliste pressen, damit Sie doch noch kandidieren können. Daran interessiert?
Voggenhuber: Nein. Es wäre fatal, irgendwelche Scherbenhaufen aufklauben zu wollen, denn das kann zu nichts führen. Ich wünsche mir, dass das Ergebnis des Erweiterten Bundesvorstandes daher auch von meinen Unterstützern quer durch die Partei akzeptiert wird. Mehr ist dazu nicht mehr zu sagen.
Standard: Mithilfe einer Kampfabstimmung, die 17 zu zwölf gegen Sie ausging, hat man Sie völlig von der EU-Liste gestrichen. Eine Idee, wie es soweit kommen konnte?
Voggenhuber: Das ist einfach zu beantworten: Offensichtlich hat sich die Parteiführung schon seit langem darauf verständigt, mich loszuwerden. Sie hat das hinter den Kulissen systematisch betrieben - und hat für ihren Weg die Mehrheit bekommen. Was ich daran sehr bedaure, ist, dass es dabei gelungen ist, einige Legenden über mich in die Welt zu setzen.
Standard: Welche zum Beispiel?
Voggenhuber: Etwa, dass ich meine Kritik immer nur öffentlich, und nicht parteiintern vorgetragen habe. Dabei haben Sascha Van der Bellen und seine Mitarbeiter in unseren persönlichen Gesprächen sicher ein Dutzend Notizbücher vollgeschrieben über meine Kritik an der Partei. Parallel dazu habe ich all meine Kritikpunkte stets lange und eingehend nicht nur gegenüber den Führungspersönlichkeiten sondern auch in den entsprechenden Gremien klargemacht. Leider ich bin dort auf eine Teflon-Schicht gestoßen. Es wurde quasi die Parole ausgegeben: "Einfach Ignorieren, der sitzt eh in Brüssel!"
Standard: Was wurden noch für Legenden über Sie in die Welt gesetzt?
Voggenhuber: Legende Nummer zwei: Dass der zweite Listenplatz für mich sicher gewesen wäre. Meinen Informationen nach wollte man auch da reinen Tisch machen, um den Preis einer zweiten Niederlage auf meine Kosten. Ja, und dann gibt es noch die Legende von meiner angeblichen Unverträglichkeit. Dieses Klischee, ist aber - wenn man meine Mitarbeiter und Freunde bei den Grünen fragt - leicht zu widerlegen. Wahr ist, dass die Führungsspitze mich zu einem Vogelfreien erklärt hat. Zuletzt gab es in der Debatte um meine Person sogar sexistische Untertöne, etwa, dass "der Silberrücken erlegt werden" müsse. Ich bin da in einen Geschlechterkampf geraten. Und: Zuletzt hat man sogar die alte KP-Sprache auf mich angewandt, dass ich ein "zerstörerisches Element" sei. Gut, das sind halt die Kollateralschäden einer demokratischen Auseinandersetzung. Ich habe jedenfalls darin nie jemanden persönlich angegriffen.
Standard: Einst haben Sie die Grünen mitbegründet, waren sogar Parteichef. Ist Dankbarkeit einfach keine politische Kategorie?
Voggenhuber: Das hat ja schon Bruno Kreisky festgestellt - und eigentlich ist das auch gut so. Sonst gäb‘s ja keinerlei Erneuerung in den Parteien, weil die Alten sich stets auf die Dankbarkeit berufen würden.
Standard: Sie sind über die letzten Tage und Wochen nicht verbittert?
Voggenhuber: Überhaupt nicht. Aber eines möchte ich festhalten: In der Diskussion um meine Solidaritätskandidatur vor der Entscheidung des Vorstandes ging es nur mehr darum, ob ich garantieren könne, nicht gewählt zu werden. Dabei habe ich ohnehin schon Selbstbeschränkungen angeboten, die zur Folge gehabt hätten, dass ich mit Klebeband eng verschnürt auf der letzten Bank gesessen wäre. Aber das war für die Parteiführung immer noch nicht genug Garantie, dass ich nicht gewählt werde.
Standard: Was prophezeien Sie den Grünen für ein Ergebnis für die EU-Wahl im Juni?
Voggenhuber: Es ist nicht meine Sache, das zu kommentieren. Denn es gibt dafür jetzt andere Verantwortliche. Nun haben sich alle hinter der gewählten Liste zu versammeln, um die Wahl zu gewinnen.
Standard: Und generell? Wie wird es mit den Grünen ohne Johannes Voggenhuber weitergehen?
Voggenhuber: Die Mehrheit bei den Grünen konnte und wollte sich das unbedingt so vorstellen - und daher müssen Sie dazu diese Leute befragen. Ich sage nur: Die Friedhöfe der Welt sind voll von Menschen, die sich für unentbehrlich hielten. Das stammt übrigens von Charles de Gaulle.
Standard: Was haben Sie jetzt vor?
Voggenhuber: Sie müssen sich um mich keine Sorgen machen. Ich gehe guten Mutes meiner Wege.
Standard: Und wo? In Salzburg, in Wien, in Brüssel oder in Straßburg?
Voggenhuber: Ich versuche jetzt einmal neue Horizonte zu gewinnen und zu schauen, ob es Menschen gibt, die mir Aufgaben anvertrauen - und mich nicht nur loswerden wollen.
Standard: Was, wenn Sie ein Angebot von einer anderen Partei bekommen, bei der EU-Wahl anzutreten? Von der ÖVP zum Beispiel?
Voggenhuber: Ich habe immer klar gesagt, dass ich nicht gegen die Grünen kandidieren werde - und damit auch, dass ich keine andere Liste gründe oder für eine andere Partei antrete. Mich hat es jedenfalls sehr getroffen, dass man mir bei den Grünen jetzt, im Zuge der Auseinandersetzung, auch noch die Handschlagsqualität abgesprochen hat.
Standard: Haben Sie selbst auch ein paar Fehler gemacht?
Voggenhuber: Eines bedaure ich sehr: Ich möchte mich bei meinen Wählern dafür entschuldigen, dass es mir nicht gelungen ist, durchzusetzen, dass sie das Recht auf ihre Wahl haben. Warum ich nur für den ersten Listenplatz kandidiert habe, ist klar: Weil es damals auch um die Frage eines EU-Kurswechsels bei den Grünen ging. (Nina Weissensteiner, DER STANDARD, Printausgabe, 2.2.2009)
ZUR PERSON: Johannes Voggenhuber (58) ist seit 1995 Mitglied des EU-Parlaments. Von 1988 bis 1990 war der Salzburger, vorher erster grüner Stadtrat Österreichs, Parteichef.
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"Wahr ist, dass die Führungsspitze mich zu einem Vogelfreien erklärt hat. Zuletzt gab es in der Debatte um meine Person sogar sexistische Untertöne, etwa, dass "der Silberrücken erlegt werden" müsse. Ich bin da in einen Geschlechterkampf geraten. Und: Zuletzt hat man sogar die alte KP-Sprache auf mich angewandt, dass ich ein "zerstörerisches Element" sei.
Ich habe jedenfalls [...] nie jemanden persönlich angegriffen."
sondern völlig sachlich und nüchtern argumentiert, dass die parteiführung mich für vogelfrei erklärt hat und mit sexistischen untertönen und KP-sprache gegen mich agiert hat.
das war aber nicht als persönlicher angriff zu verstehen.
mehr so was wie eine distanzierte und differenzierte analyse.
(ironie aus)
Wenn jemand sagt, ich kandidiere nur für den ersten Platz sonst geh ich, und dann einen zweiten Platz angeboten bekommen hätte, diesen aber verschmäht und beleidigt abzieht, dann versucht mittels "Solidaritätskandidatur" die von den Delegierten gewählte und in einem demokratischen Prozess entstandene Liste umzudrehen, und dann beleidigt ist, der hat sich zu weit aus dem Fenster gelehnt und ist selbst schuld.
Ich hätte Voggenhuber gerne auf einem zweiten Platz gesehen, wäre ein super Team gewesen mit Lunacek, aber der Herr mag halt nicht. Schade.
Und wieso muss Kritik immer über die Medien gehen? Öffentlichen Druck aufbauen von aussen?
Danke, Hr. Voggenhuber für alles was Sie für die Grünen getan haben. Schade, dass es so kommen musste.
wenn er auf einem aussichtslosen Platz kandidieren will?
Fürchtet sich die "bessere" Kandidatin etwa vor seinen Vorzugsstimmen?
Wollen die Funktionäre den WählerInnen ihren Willen aufzwingen?
Warum nehmen die Funktionäre den WählerInnen die Möglichkeit, zu entscheiden, aus der Hand?
Sollen die WählerInnen sich das etwa bieten lassen?
Voggenhuber war nur der Anlaß, weil er das weitaus beste EU-Zugpferd der Grünen ist. Aber inzwischen
geht es um viel mehr als um Voggenhuber, es geht um parteischädigende Richtungsvorgaben der Führung (Stimmemminimierung) und es geht um die innerparteiliche Demokratie!
Wenn er vorher sagt, nein nur erster Platz, dann hat er seine Chance verspielt.
Aussichtslos wäre der Platz nicht gewesen, dass wissen wir beide.
Bei den Grünen wählen 250 Delegierte die Liste, bei anderen Parteien bestimmen das eine Handvoll Menschen und die Gremien nicken alles brav ab. Sollen sich die Wähler das etwa bieten lassen?
Die Grünen sind auch kein Wunderverein, wo alles möglich ist, alles hat seine Grenzen und Entscheidungen sind zu respektieren.
Wenn Sie nicht wollen, können Sie ja jemand anderen wählen - aber wie gesagt, dort haben Sie mit Ihrer Stimme noch weniger zu sagen
@ leojus:
"Wenn er vorher sagt, nein nur erster Platz, dann hat er seine Chance verspielt."
Nachdem er viele Jahre höchst erfolgreich eingearbeitet war, kann im ersten Schock schon so eine Reaktion passieren. Kurze Zeit später hat er eingelenkt und war bereit, die Grünen mit seiner Solidaritätskandidatur weiter zu unterstützen.
Die neue Führung hätte jede Möglichkeit, dies dankbar anzunehmen. Sie hat jedoch die Gelegenheit sofort benützt, ihn ganz loszuwerden. Mir geht es nicht um seine Person, sondern ich kritisiere, daß die neue Führung um Glawischnig damit die grüne EU-Wahl entscheidend behindert hat.
Es geht offenbar nicht darum, alle Kräfte zu bündeln, sondern um Seilschaften zu bedienen. Das ist spaltend.
Wenn er am Bundeskongress so geschockt ist und geht - verständlich. Wenn er nicht vorher lauthals in den Medien verkündet, nur den ersten Platz zu akzeptieren. Warum? Ist ihm der zweite nicht gut genug?
Er hat festgelegt, dass er dann geht. Fand ich von Anfang an arrogant und diese Position ist auf Streit ausgelegt. Er ist selbst schuld, es ist schade um ihn, aber er hat diesen Weg gewählt.
Liebe Frau Lindt,
es ist für jeden politisch - denkenden offensichtlich, dass eine (EU-) Kandidatur von Voggi- sogar jetzt noch mitten in dieser Schlammschlacht - die GRÜN-Wahlchancen (=mehr Wähler) erhöhen würde.
Alle GRÜN-Kräfte (Öko, Links, Rechts, EU pro/contra, Mann, Frau, ...Glawischnig-Piesczek, Pilz, Lunaschek...) müssen über Ihren Schatten springen und rasch eine Lösung im Sinne von GRÜN - umsetzen.
Darauf kann ich nur noch ein bißchen warten - dann aber - bin ich als Wähler weg.
Gegen die Wurschtigkeit,
Gregor Kasulke
Es ging und geht um einen Kurswechsel in der EU-Linie. Ich vermute, dass dieser bis zur Wahl verschleiert werden wird. Ich habe schon so manchen Fehler der Gruenen toleriert und sie trotzdem gewaehlt. Diesen toleriere ich nicht mehr.
Ich befürchte die Grünen werden bei künftigen Wahlen einigermaßen abstürzen. VdB war für mich eine große Persönlichkeit, die in der Partei nun einfach fehlt. Hinzu kommen Eskapaden wie diese hier (Voggenhuber). In Summe schätze ich, dass etliche Grün-Wähler in Zukunft in andere Lager getrieben werden. Schade eigentlich.
A.) Luni auf Platz 1 fuehrt mit voller Unterstuetzung der Partei und Eva's einen fulminanten Vorzugsstimmenwahlkampf ( was fair ist, da sie keiner kennt)
B.) Voggi auf Platz 16 ohne Wahlkampf ( mit Handicap sozusagen )
C.) Der Waehler entscheidet
Jede Stimme fuer Luni oder Voggi ist eine Stimme fuer gruen....was gibts da zu fuerchten oder zu ueberlegen ??????
Ausser den boesen Listenumdrehwaehler....ich bitt sie meine Damen, so viel Demokratie musz sein duerfen.
Angeklagter Voggenhuber!
Sie werden beschuldigt, zum Zielobjekt sexistischer Sprüche geworden zu sein.
Gemäß § 4711 ist das Prinzip der Täter-Opfer-Umkehr anzuwenden.
Begründung: Erst Ihre Existenz hat den Vorfall möglich gemacht.
Urteil:
Daher werden Sie dazu aufgefordert sich bei den Täterinnen für ihre Existenz zu entschuldigen und zu garantieren, dass diese in Zukunft nicht mehr vorhanden sein wird.
hat eine starke irrationale komponente. bestimmte personen werden zu bestimmten zeiten gewählt - andere nicht, warum versteht letztlich niemand. deshalb ist es fatal, unpolitisch und dumm, jemandem das passive wahlrecht zu verweigern. da fehlt einfach das grundvertrauen in die demokratie.
die erfahrung zeigt aber, dass diese eigenschaft meistens nach 10 jahren verbraucht ist (kreisky, vranitzky,brandt...). die klugen kapieren das, wie der professor, andere kapieren das nicht....!
wem wird hier bitte das passive wahlrecht verweigert?
herrn voggenhuber stand es frei, für jeden listenplatz zu kandidieren. er hat hoch gepokert ("erster oder gar nicht") und verloren.
sollen die grünen jetzt ihr ganzes nominierungssystem auf den kopf stellen, um einer beleidigten leberwurst, die 3 tage zu spät draufkommt, dass sie doch auf der liste sein will, doch noch einen platz zuzuschanzen?
dass ihr meint, so viele hochkarätige politikerinnen mit geschärftem profil in euren reihen zu haben, dass ihr weiters meint, auf eine "beleidigte leberwurst" wie johannes voggenhuber verzichten zu können.
na, auf dass euch diese leberwurst nicht noch gewaltig im magen liegen und diesen gehörig umdrehen mag......
das hat die welt noch nicht gesehen.
hoffentlich tut´s denen gut und sie hören auf mit dem erhobenen zeigefinger auf das oder jenes zu zeigen, als wären sie selber immer rein wie ein engel.
mit den quoten z.b. haben sie sich meiner meinung nach ja leider weg von der demokratie bewegt. jetzt schebert´s....
sascha, wo bist du??? ;)
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