Rafael Nadal ist der König von Melbourne

1. Februar 2009, 14:30
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Spanier setzt sich in einem hochklassigen spannenden Finale gegen Federer in fünf Sätzen durch und gewinnt erstmals Down Under

Melbourne - Rafael Nadal bleibt der Angstgegner von Roger Federer. Der 22-jährige Weltranglisten-Erste hat sich am Sonntag erstmals und als erster Spanier überhaupt den Titel bei den Australian Open geholt. Nadal rang seinen Dauerrivalen nach einem 4:23-Stunden-Krimi mit 7:5,3:6,7:6(3),3:6,6:2 nieder und sicherte sich damit bereits seinen sechsten Major-Titel. Federer muss hingegen auf seinen 14. Grand-Slam-Erfolg, der ihn auf eine Stufe mit dem Allzeitrekordler Pete Sampras (USA) stellen würde, weiter warten.

Federer am Boden zerstört

Bei der Siegerehrung wurde der ehrgeizige, aber sympathische Federer von seinen Emotionen übermannt und musste seine Dankesrede nach Überreichung des silbernen Tellers für den Finalisten sogar abbrechen. "It's killing me", meinte er tränenerstickt zum Publikum, ehe er später - noch vor Nadals Siegesrede - noch einmal zum Mikrofon griff. "Ich versuche es noch einmal, ich möchte nicht das letzte Wort haben, das hat Rafael verdient. Ich wünsche Dir für den Rest der Saison alles Gute", sagte Federer zu Nadal, der in der Folge seinen großen Bezwinger tröstend die Hand über die Schulter legte.

"Es tut mir Leid wegen heute", sagte Nadal fast entschuldigend zu Federer. "Aber Du erinnerst Dich sicher, was Du alles gewonnen hast." Und Federer ist freilich auf seiner Jagd nach Titel Nummer 14 mit 27 noch keinesfalls abzuschreiben. Nadal hat aber bewiesen, dass auch ihm ein derartiger Run zuzutrauen ist. Er ist der vierte Spieler in der Geschichte, der Grand-Slam-Titel auf drei verschiedenen Belägen gewonnen hat. Nur Jimmy Connors, Mats Wilander und Andre Agassi, der als bisher letzter Spieler alle vier Majors zumindest im Verlauf seiner Karriere geholt hat.

Roger Federer fehlt ja nach wie vor der Titel bei den French Open. Begegnet ihm heuer in Paris ein Nadal in dieser Form auf dessen Lieblingsbelag, wird dieses Unterfangen aber wieder enorm schwierig. Der Spanier, der mit 22 Jahren und 7 Monaten schon sechs Grand-Slam-Siege in der Tasche hat und damit altersmäßig nur von Björn Borg (6 Majors mit 22 Jahren und 1 Monat) übertroffen wird, hat wenn er es körperlich durchhält, alle Chancen, eines Tages sogar den Grand Slam zu schaffen.

Der Weltranglisten-Leader bestätigte seine Nummer-1-Position trotz des Nachteils, dass Federer nach einem Dreisatz-Sieg schon am Donnerstag gespielt hatte, während er selbst gegen seinen Landsmann Fernando Verdasco am Freitag erst nach 5:14 Stunden und fünf Sätzen als Sieger festgestanden war. Zwar ließ sich Nadal am Sonntag gegen Federer mehrmals am Oberschenkel massieren, doch die Zähigkeit und Kampfkraft des Mannes aus Mallorca ist einzigartig.

Vergebene Chancen

Nadal hatte Satz eins nach seinem dritten Break gegen den Eidgenossen zum 6:5 für sich entschieden, den zweiten Durchgang holte Federer mit 6:3. Im dritten ließ Federer dann bei 4:4 bzw. 5:5 ingesamt sieben Breakchancen gegen Nadal aus und verlor im Tie-Break mit 3:7. Zwar schaffte Federer neuerlich den Satzgleichstand, hatte jedoch im fünften Satz nicht mehr die nötige Konstanz. Federer nützte überhaupt nur 6 von 19 Breakchancen gegen Nadal, der allerdings gerade wenn er im Rückstand war, besonders gut spielte. Mit dem dritten Matchball sicherte sich Nadal seinen ersten Major-Titel auf Hartplatz.

Lohn der harten Arbeit waren zwei Millionen australische Dollar (994.283 Euro) sowie die Siegestrophäe, die er aus den Händen der australischen Tennis-Legende Rod Laver entgegennahm. "Dass ich diesen Pokal von Rod Laver überreicht bekomme, ist ein Traum", meinte der trotz seiner Erfolge ebenfalls bescheiden gebliebene Nadal nach seinem Triumph.

Das 19. Duell der beiden war das siebente Endspiel in einem Grand-Slam-Finale: 2006, 2007 und 2008 siegte der Linkshänder bei den French Open in Paris auf Sand, 2008 setzte er sich auch im Fünf-Satz-Finale von Wimbledon auf Gras durch. 2006 und 2007 hatte Federer noch auf dem "Heiligen Rasen" gewonnen. (APA)

 

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    Der eine holt sich den Pokal ab, der andere weint bittere Tränen.

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