Schakfeh ist politisch unter Druck

1. Februar 2009, 15:53
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Rücktrittsaufforderungen nach Märtyrer-Darstellung in Religionsbuch

Wien - Anas Schakfeh, der Präsident der islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, sieht sich mit massiven Rücktrittsforderungen aus der Politik konfrontiert. Am Sonntag forderten nach FPÖ und BZÖ auch die Grünen den Rückzug von Schakfeh, die ÖVP will Konsequenzen.

Anlass ist das Bild eines Märtyrers in einem von Schakfeh persönlich bearbeiteten Schulbuch, über das profil berichtet hat. Auf einem Illustrationsbild trägt ein fallender Soldat Gewehr und Handgranaten. Unter der Überschrift "Märtyrer" lautet der Text dazu: "Ein Muslim, der auf dem Weg Allahs und zur Verteidigung der Heimat stirbt, ist ein Märtyrer. Er wird von Allah mit dem Paradies belohnt, wie Allah es im Qur'an versprochen hat."

Schakfeh will nun dafür sorgen, dass die von ihm bearbeitete Illustration in dem Religionsbuch entfernt wird: "Die Optik ist jetzt natürlich schlecht. Aber wir sind gerade dabei, alle diese Bücher zu verändern." Das jetzt veröffentlichte Märtyrerbild wird "sicher entfernt".

Bei der Darstellung des Märtyrers mit Gewehr und Handgranaten gehe es keinesfalls um eine Verherrlichung von Terroranschlägen, beteuert Schakfeh. Märtyrer seien sowohl Teil der islamischen als auch der christlichen Kultur - und in der im Schulbuch dargestellten Szene gehe es um die Belagerung von Medina.

Für den grünen Bildungssprecher Harald Walser ist Schakfeh als "Leiter des islamischen Schulamtes untragbar" . Walser: "Es darf nicht sein, dass in Österreich mit öffentlichen Mitteln Schulbücher gedruckt werden, in denen der Märtyrertod als erstrebenswert dargestellt wird und mit dem Paradies belohnt werde."

Walser verlangte auch eine generelle Diskussion über den Religionsunterricht: Wenn der Staat die Unterrichtsmittel und die Lehrer bezahle, müsse er auch die Inhalte kontrollieren können und für die Ausbildung und Anstellung der Lehrkräfte zuständig sein.

"Keine Religionskrieger"

BZÖ-Chef Herbert Scheibner hat sich für einen Integrationsvertrag ausgesprochen, dessen Bruch mit Abschiebung geahndet werden soll. Interessant wäre für Scheibner auch zu wissen, welcher "Unfug" in islamischen Gebetshäusern "von sich gegeben wird" . Daher solle auf Deutsch gepredigt werden. BZÖ-Generalsekretär Martin Strutz forderte Schakfehs sofortigen Rücktritt: "Wir brauchen keine islamischen Religionskrieger in Österreich."

Ein energisches Vorgehen gegen radikal-islamistische Religionslehrer, die Demokratie, Meinungsfreiheit und Gleichberechtigung infrage stellten, forderte FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache ein.

Die ÖVP verlangte von Schakfeh am Sonntag, "demokratiefeindliche Tendenzen sofort abzustellen". "Wir erwarten, dass er in absehbarer Zeit öffentlich nachweisen kann, dass diese bedenklichen Vorgänge abgestellt sind", stellte ÖVP-Generalsekretär Fritz Kaltenegger ein Ultimatum. Er betonte aber auch, dass es durch die aktuelle Diskussion "nicht zu einer Abschaffung des Religionsunterrichts durch die Hintertür kommen werde".

Kardinal Christoph Schönborn bot der Islamischen Glaubensgemeinschaft eine verstärkte Kooperation im Bereich der Aus- und Weiterbildung von Religionslehrern an. Bei einem christlich-islamischen Begegnungsabend im Wiener Erzbischöflichen Palais, an dem auch Schakfeh teilnahm, erinnerte Schönborn an die Pflicht der Kirchen und Religionsgemeinschaften, ihre Verantwortung für die Qualität des konfessionellen Religionsunterrichts wahrzunehmen.

Die Studie über Demokratiedefizite islamischer Religionslehrer kennt Schakfeh nach eigenen Worten seit Ende des vergangenen Sommers. "Aber damals hat sich niemand aufgeregt." (red, DER STANDARD, Printausgabe, 2.2.2009)

 

 

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