Übernahme wird noch eine Zitterpartie

2. Februar 2009, 14:32
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Lufthansa-Chef: Vertiefte EU-Prüfung, Widerstand von Kleinaktionären und gestiegener Kapitalbedarf könnten den Kauf der AUA scheitern lassen

Laut Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber ist der Kauf der finanziell schwer angeschlagenen AUA durch die deutsche Airline noch nicht im Trockenen. Der Einstieg bei der teilstaatlichen Austrian Airlines, die am Freitag ein massives Sparprogramm präsentiert hat, könnte noch am Widerstand der AUA-Kleinaktionäre oder an strengen Auflagen der EU-Kommission scheitern. Mayrhuber äußerte sich in dieser Richtung in einem Interview mit dem "Spiegel". Wie berichtet macht die EU-Kommission eine vertiefte Prüfung des Deals, das Ergebnis wird vor dem Sommer erwartet.

"Ja, sicher" antwortet der Lufthansa-Boss im "Spiegel"-Interview auf die Frage, ob die Übernahme der AUA noch scheitern könne. Trotzdem will er auch künftig die Gelegenheit zu weiteren Übernahmen nutzen. "Wir wären doch mit dem Klammerbeutel gepudert, würden wir vorhandene Chancen nicht nutzen", sagte der gebürtige Österreicher.

"Taktische Manöver"

Experten sehen in den Warnungen des Lufthansa-Chefpiloten allerdings ebenso taktische Manöver wie in Andeutungen von privaten AUA-Investoren, sie wollten in der AUA drinbleiben, jedenfalls aber höhere Preise. Kleinanleger, Luftfahrt- und Börseexperten sehen keine Gefahr, dass die Lufthansa bei ihrem Deal an der 75-Prozent-Hürde scheitert, wie sie am Montag wissen ließen. Haarig würden schon Beschwerden von Mitbewerbern in Brüssel, die das ganze Verkaufsverfahren neu aufgerollt wissen wollten, glauben Insider.

"Die Alternative heißt Konkurs", sagte ein Luftfahrtexperte am Montag zur APA. "Da haben wir dann wirklich das Swissair-Schicksal. Denn die Lufthansa hat bei den Schweizern ja auch nur die Swissair-Nachfolgegesellschaft übernommen." Und im Konkurs müssten die Anleger schauen, wo ihr Geld bliebe.

"Part of the deal"

Der streitbare AUA-Kleinaktionär Heinrich-Rupert Staller sieht in Mayrhubers Aussagen "Säbelrasseln" und "Angstwerbung. Das ist part of the deal", wie er zur APA meinte. Er glaubt, dass die Lufthansa sowohl vor der EU als auch mit ihrem Plan, zumindest 75 Prozent (das nötige Annahme-Quorum wurde bei der Vertragsunterzeichnung so angegeben) zu schaffen, durchkommt.

Was im übrigen auch der Investor Hans Schmid so sieht. Er sei verhandlungsbereit zu verkaufen, sagte Schmid heute, "aber nicht für 4,49 Euro", er fordert 8 Euro. Er kann sich auch ein nachträgliches Angebot vorstellen. Anlass für eine Sonder-HV sieht er bis auf weiteres nicht. Den Zahlen der AUA vertraut er aber auch nicht mehr.

Entschuldung nur bei Lufthansa-Übernahme

Börseexperten sehen in Mayrhubers Aussagen keine erhöhte Wahrscheinlichkeit eines Scheiterns des Deals, allenfalls ein Signal in Richtung der Gewerkschaften in Wien und eben der Streubesitzaktionäre. Sollten Streubesitzer, die gemeinsam gut 10 Prozent besitzen und damit zumindest einen Zwangsausschluss (Squeeze out) verhindern können, aber dahingehend spekulieren, dass ihre Aktien nach der Teilentschuldung im Sommer mehr wert würden, könnten sie zu hoch pokern, warnte der Experte. Denn die 500-Millionen-Entschuldung durch den Bund sei ausschließlich paktiert mit dem Lufthansa-Abschluss. "Ohne Lufthansa gibt es keine Verbesserung".

Die Lufthansa hat ihr Angebot an den AUA-Streubesitz Mitte Dezember schon einmal leicht aufgebessert, von 4,44 Euro je Aktie auf 4,49 Euro. Ende Februar will die Lufthansa das offizielle Angebot formal veröffentlichen.

Die Finanzkrise will Lufthansa ohne Beistand der deutschen Bundesregierung bewältigen. "Wir brauchen keine Hilfe", sagte Mayrhuber. Nachdem die Luftfrachttochter erst am Freitag für 2600 Beschäftigte Kurzarbeit angekündigt hatte, schließt Mayrhuber nun eine Ausweitung des Programms auf andere Konzernteile nicht aus. "Aus heutiger Sicht ist das nicht geplant, aber es hängt natürlich von der weiteren Wirtschaftsentwicklung ab."

Tarifstreit

Im aktuellen Tarifstreit um eine 15-prozentige Gehaltserhöhung für einen großen Teil des Kabinenpersonals der LH mahnte Mayrhuber seine Angestellten zur Besonnenheit: "Es wäre wünschenswert, wenn die Forderungen sich in Einklang befänden mit der übrigen Belegschaft, mit dem, was der Wettbewerb zahlt sowie mit den Rahmenbedingungen des Marktes." In Richtung Politik meinte Mayrhuber, die Branche vertrage keine weiteren Auflagen und Belastungen wie Nachtflugverbote, Emissionshandel, Sicherheitskosten oder übertriebene Auflagen bei Zusammenschlüssen.

Außerdem warnte Mayrhuber vor einer Wettbewerbsverzerrung. "Es gibt Hinweise darauf, dass die USA ihren maroden Airlines helfen möchten. Ich hielte das für einen Fehler, denn Protektionismus und Subventionen produzieren nur neue Probleme." Sollten die US-Konkurrenten solche Hilfe erhalten, hätte das mit fairem Wettbewerb nichts mehr zu tun. "Wir haben solche Phasen schon mehrfach durchlitten."
Weniger Nachfrage

Um durchschnittlich zehn Prozent eingebrochen ist laut dem LH-Chef die Nachfrage. Die Situation sei mit Krisen wie nach 9/11 oder der SARS-Krise in Asien aber nicht zu vergleichen, bei der bestimmte Strecken quasi über Nacht ausgefallen seien. "Eher sitzen wir in einem großen Teich, und der Wasserspiegel sinkt. Die Frage ist: Wann fangen die Frösche an zu quaken?" (red, APA)

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