General soll US-Botschafter werden

31. Jänner 2009, 12:00
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Generalleutnant Karl Eikenberrywar in Afghanistan im Einsatz - Härtere Gangart Obamas gegenüber Präsident Karzai erwartet

New York - Neuer Botschafter der USA in Afghanistan soll nach Informationen der Zeitung "The New York Times" (NYT) ein ranghoher Offizier werden. Generalleutnant Karl Eikenberry war zweimal in Afghanistan im Einsatz. Laut NYT war er einer der ersten, die vor einem Wiedererstarken der durch die US-Intervention 2001 entmachteten Taliban gewarnt haben. Die Zeitung berief sich am Freitag auf eine Gewährsperson aus der Regierung von US-Präsident Barack Obama. Dieser strebe einen härteren Kurs gegenüber dem vollständig von westlicher Hilfe abhängigen afghanischen Präsidenten Hamid Karzai an, der nunmehr als "potenzielles Hindernis" betrachtet werde, hatte das Blatt am Mittwoch berichtet.

Eikenberry habe sich für den Aufbau eines starken afghanischen Heeres zur Bekämpfung der Taliban eingesetzt. Dieses Ziel verfolgt auch das Weiße Haus. Der General hat darüber hinaus wiederholt davor gewarnt, dass die USA den Kampf in Afghanistan nicht gewinnen und den weltweiten Terror nicht besiegen könnten, wenn sie nichts gegen Al-Kaida-Kämpfer unternähmen, die im benachbarten Pakistan Unterschlupf finden. Eikenberry steht kurz vor dem Übertritt in den Ruhestand. Es sei höchst ungewöhnlich, dass ein Präsident für einen solch sensiblen diplomatischen Posten einen Offizier auswähle, der bald aus dem aktiven Dienst ausscheide, schrieb die Zeitung.

Truppenverstärkung

Zu den Kritikern Karzais, der im August seine Wiederwahl anstrebt, gehörten Vizepräsident Joe Biden und Richard Holbrooke, Obamas Sonderbeauftragter für Pakistan und Afghanistan, hieß es. Am Dienstag hatte Verteidigungsminister Robert Gates angekündigt, die US-Truppen in Afghanistan bis zum Sommer mit mehreren tausend Soldaten zu verstärken. Derzeit befinden sich 34.000 US-Soldaten in Afghanistan.

Die Einsetzung des Paschtunen Karzai in Kabul war als Ergebnis eines Kompromisses zwischen dem US-Geheimdienst CIA und der pakistanischen Armeeführung interpretiert worden. Karzai galt lange Zeit als Vertrauensmann des pakistanischen Militärgeheimdienstes ISI. Als er 1992 kurzzeitig das Amt des stellvertretenden Außenministers bekleidete, wurde Karzai vom damaligen Geheimdienst des Tadschiken-Führers Ahmed Shah Massud unter dem Verdacht der Kollaboration mit dem pakistanischen Geheimdienst festgenommen. Es gelang Karzai damals zu entkommen. (APA/AP)

 

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