Luft holen mit Neopren

31. Jänner 2009, 10:23
posten

Pariser Männermode: Zarte Stimmungsaufhellungen für den nächsten Winter

Paris - Bei den Herrenschauen in Mailand und Paris waren in dieser Saison zwei Gemütshaltungen zu studieren: jene, die ihre Köpfe ganz tief zwischen monströsen Krägen einzogen und dunkle, schwermütige Kollektionen zeigten, und jene, die auf einen Stimmungswechsel setzten. In Mailand dominierten Erstere, in Paris liefen dafür so viele schwarze Models wie selten zuvor. Bei Lanvin beschloss sogar ein Barack-Obama-Double die vor Optimismus strotzende Show.

Sich nicht unterkriegen lassen, das war die Botschaft, die Lanvin-Designer Alber Elbaz vor der Modeschau in die Menge posaunte. Und er lag richtig damit: Zusammen mit seinem Herren-Designer Lucas Ossendrijver entwarf er die überzeugendste Kollektion der Saison: so alltagstauglich wie nötig und so subtil als möglich. Oder anders gesagt: Gegensätze sind dazu da, aufgehoben zu werden.

Lässigkeit und technologische Perfektion

Offene Nähte an Jacketts und Mänteln signalisierten Lässigkeit, die Laser-Schnitte technologische Perfektion. Die weiten Hosen steckten in hohen Stiefeln, Militär-Trenchs wechselten sich mit engen Zwei-Knopf-Anzügen ab. Und das alles in einer sehr zurückgenommenen, wunderbar abgestimmten Farbpalette. Dafür werden ihn Kunden und Händler lieben. Sie verlangen derzeit nach höchster Schneiderkunst, gepaart mit dem speziellen Etwas. Das kann eine Vollendung des Stils wie bei Hermès bedeuten (bei diesem Haus darf schon der Einsatz von Tomatenrot und Kadmiumgelb als Frivolität gelten), eine Kombination von Savile Row und Landhausstil wie bei Paul Smith oder eine ironische Brechung der Erwartungen wie bei Raf Simons.

Seine Schau begann mit wunderbar geschnittenen, aber konventionellen Anzügen. Simons-Jünger stockte da der Atem. Luft bekamen sie erst wieder, als die Models darüber Bolerojäckchen aus Neopren trugen oder die Jackettärmel knallig pink leuchteten. Auch Investmentbanker haben eine frivole Seite, mutmaßten die Modeauguren unter den Journalisten.

Aber vielleicht war die Kollektion auch nur eine verschmitzte Reaktion auf die Einfallslosigkeit, mit der viele Designerkollegen die immergleichen dunklen Anzüge präsentierten. Selbst bei Dior Homme regiert mittlerweile Eintönigkeit. Das liegt nicht nur an den fehlenden Farben in der Schwarz-Weiß-Kollektion von Designer Kris Van Assche. Seine Pluderhosen kennt man bereits, die enge Anzug-Silhouette stammt noch von Vorgänger Hedi Slimane. Mit diagonalen Schnitten und vielen Tuniken versuchte er, die recht schmal gehaltene Kollektion aufzumöbeln. Da hätte man am liebsten selbst den Kopf eingezogen. (hil/Der Standard/Printausgabe/31.1./1.2.2009)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Eine Weste ist zu wenig: Raf Simons entwirft Neopren-Jäckchen.

Share if you care.