"Votum der Bevölkerung nicht ignorieren"

30. Jänner 2009, 20:50
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Der Salzburger Grüne Cyriak Schwaighofer hat für die Kandidatur Johannes Voggenhubers gekämpft

Standard: Warum soll Johannes Voggenhuber unbedingt am letzten grünen Listenplatz für die EU-Wahlen kandidieren?

Schwaighofer: Weil er ein hoch angesehener Europapolitiker ist. Die Grünen haben zusätzliches Potential bei den Wahlen, wenn sie mit Voggenhuber als zusätzlichen starken Kandidaten antreten. Ich kenne in Salzburg viele Menschen, die die Grünen voranging wegen ihm wählen.

Standard: Aber die Grünen haben Ulrike Lunacek zur Spitzenkandidatin gewählt. Was, wenn Voggenhuber so viele Vorzugsstimmen bekommt, dass er dann doch wieder als grüne Nummer eins ins Europaparlament einzieht?

Schwaighofer: Dann ist das eben so. Gerade die Grünen können ein starkes Votum der Bevölkerung nicht ignorieren. Es wäre absurd, dass eine Partei, die auf Demokratie so viel wert legt, einen Kandidaten nicht einmal antreten lässt, weil er scheinbar manchen nicht in den Kram passt.

Standard: Die Parteispitze hat mit ihm offenbar nicht so viel Freude.

Schwaighofer: Ich kann ja nachvollziehen, dass sich manche gepflanzt fühlen, wenn Voggenhuber seinen Rückzug erklärt, um ein paar Tage später wieder seine Meinung zu ändern. Aber da muss man die Größe haben, das voranzustellen, was für den Erfolg der Grünen wichtig ist. Umgekehrt muss Voggenhuber beweisen, dass er eine Kandidatur aus Solidarität plant und nicht gegen die anderen Grünen antritt.

Standard: Vielleicht will er sich aber nur revanchieren.

Schwaighofer:
Das glaube ich nicht. Natürlich ist Voggenhuber ein schwieriger Mensch, der sich nicht leicht einfügen lässt. Aber die Grünen sind dazu da, auch solche Menschen einzubinden.

Standard: Schwächen Sie mit Ihrer Unterstützung für Voggenhuber nicht auch Parteichefin Eva Glawischnig?

Schwaighofer:
Nein. Ich habe ihr auch persönlich mitgeteilt, dass die Salzburger für Voggenhuber sind - und nicht via Medien. Das unterscheidet mich kleinen Abgeordneten dann wieder von Voggenhuber.

Standard: Geht es nicht auch um einen Geschlechterkampf zwischen etablierten Männern und den Frauen, die nun die Grünen dominieren?

Schwaighofer:
Das mag schon sein, Psychologie spielt bei politischen Konflikten immer eine Rolle. Aber meine Motivation ist eine andere. (Gerald John, DER STANDARD, Printausgabe, 31.1.2009)

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    ZUR PERSON: Cyriak Schwaighofer (58) ist Abgeordneter der Grünen im Salzburger Landtag.

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