Banken im Osteuropa-Vakuum

30. Jänner 2009, 19:21
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Die Milliarden für die heimischen Banken werden demnächst fließen. Ob damit die Bilanzen ausreichend gestärkt werden, ist fraglich

Abhängig ist das nicht zuletzt von der Kreativität der Buchhalter.

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Wien - Die Bankenhilfen nehmen konkrete Formen an. Nach Hypo Alpe Adria stehen Erste Bank, Raiffeisen Zentralbank und Volksbanken kurz vor dem Abschluss ihrer Verhandlungen mit dem Finanzministerium. Ob die Bilanzen damit ausreichend gestärkt sind, darüber zerbrechen sich die Banker derzeit den Kopf.

Vor allem die Bewertung der Osteuropa-Engagements gilt als schwierig. Sollten sich die Aussichten nachhaltig verdüstern, müssten die Institute ihre Buchwerte korrigieren - das würde sehr teuer kommen. Allein die Erste Group hat wegen der hohen Übernahmepreise einen Goodwill (in etwa: Bewertung über Marktpreis) von mehr als fünf Mrd. Euro in den Büchern stehen. Bei den anderen ist die Situation nicht viel besser.

RZB dementiert Notwendigkeit massiver Wertberichtigungen

Bei Raiffeisen International muss vor allem Hauptaktionär RZB Rechenkunst beweisen. Die Marktkapitalisierung der Beteiligung an RI (69 Prozent) hat 2008 rund sechs Mrd. Euro an Wert eingebüßt. Dazu kommen weitere Engagements wie bei der Strabag. Die RZB weist Marktgerüchte entschieden zurück, wonach der Bank aus den Beteiligungen und anderen Geschäften ein massiver Wertberichtigungsbedarf entstehe - die Rede ist von bis zu 20 Mrd. Euro.

Wie ein Sprecher erklärte, habe man beispielsweise die RI nicht mit dem Börsenkurs in den Büchern stehen. Den Wert gibt die RZB nicht preis. Jedenfalls habe man "keinen Handlungsbedarf". Wirtschaftsprüfer äußern sich unterschiedlich zu dem Thema Abwertungen: Berichtigungen hängen davon ab, ob die Beteiligung langfristig gehalten werde und sich die Geschäftsaussichten nachhaltig verschlechtert hätten, meint etwa Aslan Milla, Chef des Instituts der Wirtschaftsprüfer. Der Goodwill sei natürlich ein "großes Thema", meint er zum STANDARD.

Klar ist jedenfalls, dass die Staatshilfen auch für die Osteuropa-Aktivitäten gedacht sind, weshalb der gesamte Rettungsschirm des Bundes mit 100 Mrd. Euro (Garantien und Eigenkapital) auch im internationalen Vergleich weit aufgespannt ist. Dennoch mehren sich die Stimmen, wonach die Stützungsaktionen ausgeweitet werden müssen. Zumal der von der Regierung beworbene "Marshall"-Plan für Osteuropa nicht so recht in Schwung kommen will. Skeptische Töne kamen zuletzt aus Brüssel und Prag, auch Berlin reagierte nicht gerade euphorisch auf das Wiener Ansinnen.

Rumänien muss aufgefangen werden

Wie schnell die Region vom globalen Abschwung erfasst wird, zeigt sich am Fall Rumänien. Der einstige Tiger dürfte vom Internationalen Währungsfonds und der EU mit sechs bis sieben Mrd. Euro aufgefangen werden. Die Währung Leu hat massiv an Wert verloren. Am Freitag stürzte auch der ungarische Forint neuerlich ab.

Für Österreichs Banken verheißen die Währungsabstürze in der Region nicht gutes, haben sich doch massiv Fremdwährungskredite in Euro, Dollar oder Franken vergeben. Laut neuesten Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich sind die Devisenforderungen der Austro-Institute von Juni bis September 2008 um 52 Mrd. Dollar auf 172 Mrd. Dollar explodiert. Allerdings wird nun in den Banken gerätselt, woher diese Vermehrung kommt. Die Fremdwährungsausleihungen seien reduziert worden, so der Tenor. Insider meinen, die Institute hätten ihre Tochterbanken kräftig mit Liquidität versorgt. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.1./1.2.2009)

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