Wo man sich in Schokolade und russische Kräuter hüllt

31. Jänner 2009, 14:13
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Deripaskas Hotel Aurelio will kein "Russenhotel" sein

Lech - Eine österreichisch-russische Liaison kann ganz schön teuer werden. 30 Millionen Euro soll Oleg Deripaska in sein Lecher Hotel Aurelio investiert haben. Nicht schlecht für 19 Zimmer. Hoteldirektor Axel Pfefferkorn will den Betrag nicht bestätigen. "Wir kennen keine Zahlen."

2007 kaufte Deripaskas zyprische Firma Dornton Ltd. vom Vorarlberger Industriellen Martin Zumtobel das Dreisternehotel Aurelio. Das renovierungsbedürftige Haus in Bestlage wurde abgerissen, ein dreiteiliges "Chalet-Hotel" mit zwei Spas, Tiefgarage und Skifahrerbrücke errichtet. Während des Baus wurde mehrmals umgeplant. Zuletzt, als sich Deripaskas Hotelfirma Gost Group Elisabeth Gürtler und Sacher zum Management an die Seite holte: Der Wellness-Bereich musste Sacher-Standards angepasst werden.

Seit Dezember kann man nun den Luxuskörper wenige Meter unter der Skipiste in feine Schokolade hüllen lassen, während nebenan in der Sauna russische Banja-Kultur gepflegt wird. Freilich nicht mit groben Birkenruten, sondern mit edlen Kräutern. "Kulturaustausch", sagt Axel Pfefferkorn. Der junge Gastronom aus alter Lecher Familie betont aber gleichzeitig, dass das Aurelio "kein Russenhotel", sondern ein "klassisches österreichisches Hotel mit internationalem Einfluss" sei.

Das Ambiente ist gediegen: heimisches Holz, Muster- und Stilmix in edlen Brauntönen. Hirsch trifft auf Leopard, moderne Landschaftsfotografie auf alte Tapisserie. Die Innenarchitektur des britischen Büros Mlinaric, Henry & Zervudachi (MHZ) dürfte ganz den Statuten des Klubs der Millionäre entsprechen. Die Preise auch: In der Hochsaison nimmt man von 1200 bis 2500 Euro pro Nacht und Doppelzimmer. Suiten kosten ab 1690 bis 18.000 Euro die Nacht. Dafür bekommt man dann aber auch 200 Quadratmeter.

Kein Ausverkauf

Den befürchteten Ansturm internationaler Investoren auf Lecher Immobilien hat Deripaskas Investment nicht ausgelöst. Bürgermeister Ludwig Muxel (VP): "Zum Ausverkauf ist es nicht gekommen, das Aurelio ist auch kein Ferienhaus geworden, wie manche Kritiker geglaubt haben." Dass ein Teil des Hotels (neun Zimmer samt Privat-Spa und Wohnetage in XXL) als Ganzes gemietet werden kann, sei kein Indiz für die Umgehung der Lecher Zweitwohnsitzrestriktionen. Bestritten wird von Muxel auch die Bevorzugung des Oligarchen bei Genehmigungen: "Er wollte nie eine Sonderbehandlung und hat auch keine bekommen."

Oleg Deripaska hat sein Haus noch nie gesehen, kam auch nicht zur Eröffnung. Möchte er ins Chalet, müsste er, so Pfefferkorn, "buchen wie andere auch". Erholung könnte der Oligarch nötig haben. Hat ihn doch die Krise laut Bloomberg 16 Milliarden Dollar gekostet. (Jutta Berger/DER STANDARD, Printausgabe, 31.1./1.2.2009)

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