Die lange Fehlerliste des Alfred Ötsch

30. Jänner 2009, 18:33
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Der Ruf des gefeuerten AUA-Vorstandschefs ist ruiniert

Alfred Ötsch (55) wurde mit sehr vielen Vorschusslorbeeren bedacht, als er im April 2006 in den AUA-Vorstand bestellt wurde. Mittlerweile ist sein Ruf ruiniert. Dazu hat nicht nur die eigene Unfähigkeit beigetragen, sondern auch seine zur Schau gestellte Eitelkeit und falsche Berater.

Seinen ersten großen Auftritt als AUA-Chef hatte Ötsch im Sommer 2006. "Während seine Mitarbeiter verzweifelt versuchten, ihm einige Grundlagen zu soufflieren, schwadronierte der neue Vorstandsvorsitzende inmitten seiner Kollegen beim Jahrestreffen des Airline-Weltverbandes IATA darüber, dass es doch eigentlich egal sei, welche Sitze man in der Business Class einbaut" , erinnert sich Jens Flottau Luftfahrtjournalist in der Süddeutschen Zeitung. Gut zwei Jahre später hatte Ötsch dazu gelernt und die AUA-Flotte zum Teil mit neuen Sitzen in der Business Class ausgerüstet.

Ötsch kam mit dem politischen Auftrag, die AUA als eigenständiges Unternehmen weiterzuführen - und erkannte zu spät, dass das nicht mehr möglich ist. Er "erfand" den Investor Scheich Al Jaber, der mittels einer Kapitalerhöhung 150 Mio. Euro in die AUAeinschießen wollte. Doch Al Jaber fühlte sich getäuscht, weil Ötsch, kaum dass die Partnerschaft bekannt wurde, einen Verlust vermeldete. Seither trifft man sich vor Gericht.

Festhalten an Stand-alone-Strategie

Noch Anfang 2008 sagte Ötsch selbstbewusst, die AUA sei "saniert" - ein schwerer Fehler, wie er später zugab. Parallel zu den explodierenden Kerosinkosten blieben die Passagiere aus, das Ergebnis brach weg. Die lange von Ötsch vertretene Stand-alone-Strategie, war gescheitert.

Als die Lufthansa am 5. Dezember den Kaufvertrag mit der ÖIAG unterschrieb, war allen Beteiligten klar, dass Ötschs Tage gezählt waren. Lufthansa-Boss Wolfgang Mayrhuber sagte damals, es sei nicht Stil des Hauses, vor der Übernahme Personalia zu besprechen. Ötsch verstand die Zwischentöne nicht. Am Tag nach dem Signing sagte er noch in einem Radiointerview, auch nach der Übernahme an Bord bleiben zu wollen. (cr, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.1./1.2.2009)

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