Abschwung am Biomarkt, Bauern vor Milchsee

30. Jänner 2009, 18:39
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Wegen hoher Preise stiegen viele Konsu­menten auf Billigmarken um. Rewe, Spar und Hofer bauen ihr Biosortiment dennoch aus

Wien - Der Höhenflug der Biobranche ist vorerst beendet. Die steigenden Preise und der zunehmend zurückhaltende Konsum haben dem Geschäft etliche Dämpfer verpasst. Der Absatz an Biomilch etwa brach 2008 um mehr als 15 Prozent ein, der Markt leidet unter Überschüssen. Bei Eiern, einst der Spitzenreiter unter den biologischen Produkten, gab es zweistellige Einbußen.

Biolebensmittel verteuerten sich vielfach stärker als konventionelle, Kunden wechselten in der Folge zu Billigmarken und Diskontern. Bislang legte Österreichs Biomarkt im Schnitt jährlich um 7,5 Prozent zu. 2008 halbierte sich das Wachstum, schätzt Johannes Mayr, Geschäftsführer von Keyquest; der Marktforscher wertet Lebensmitteldaten für Agrarmarkt Austria aus. Bis August sei das Biogeschäft wertmäßig um vier Prozent gewachsen - Obst, Gemüse aber auch die gestiegenen Preise sorgten für den Auftrieb. Bei Milch sei der Bioanteil jedoch von 12,6 auf 11,5 Prozent gesunken.

Rudolf Vierbauch, Obmann der Bio Austria und Vertreter der Bauern, sieht keinen Anlass für Krisenstimmung. Konsumgewohnheiten hätten sich verändert, Bio sei aber weniger davon betroffen als andere Produkte. Und partiell gebe es nach wie vor gesundes Wachstum.

Biosupermärkte ohne Kunden

Zahlreiche Biosupermärkte verlieren Kunden. Große Handelsketten bauen ihr Sortiment aber weiter rasant aus. Spar stockte die Bioregale im Vorjahr um 130 auf 650 Produkte auf und meldet 27 Prozent mehr Umsatz. Rewe hat unter der Marke "Ja!Natürlich" eben das tausendste Bioprodukt eingeführt.

Die über lange Zeit zweistelligen Zuwächse haben sich aber im Vorjahr auf ein einstelliges Plus eingebremst, sagt Rewe-Vorstand Werner Wutscher dem Standard. Auch Rewe könne sich von der Kaufzurückhaltung nicht abkoppeln. Alle Planungen blieben heuer dementsprechend vorsichtig. Ausgeweitet würde die Biosparte dennoch, etwa bei Getränken und Snacks, im Convenience-Bereich, bei alten Sorten.

Hofer stellt seine Marke "Zurück zum Ursprung" ab Sommer auf Bio um, nicht zur Freude vieler betroffener Milchbauern, die auch ein fixer Biozuschlag von 10,64 Cent bis 2013 nicht friedlicher stimmt. Die Umstellungsfrist auf Bio wurde per ministeriellem Erlass von zwei auf ein halbes Jahr verkürzt. Die Marke "Zurück zum Ursprung" gehört seit heuer Hofer, sagt Initiator Werner Lampert. 2008 habe es zweistelliges Wachstum gegeben. Die Sortimentserweiterung auf Fleisch sei vorerst aber zurück gestellt.

Wie Lampert zweifelt auch Wutscher am Ziel der Regierung, den Anteil der Biolandflächen in Österreich bis 2010 von 16 auf 20 Prozent zu erhöhen: Bei höheren Preisen für konventionelle Rohstoffe überlege es sich jeder Bauer zweimal, auf Bio umzusteigen. (vk, DER STANDARD, Printausgabe, 31.1./1.2.2009)

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    Frostige Zeiten für Biobauern: Die Nachfrage nach biologischen Produkten lässt nach, die Erzeugerpreise bewegen sich bergab.

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