"Bio wurde zum Feigenblatt des Agrarhandels"

30. Jänner 2009, 18:14
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Biopapst Werner Lampert wundern die Einbußen im Biogeschäft nicht. Verena Kainrath fragte nach

STANDARD: Bleibt Bio in Zeiten des flauen Konsums auf der Strecke?

Lampert: Sobald von Krise nur die Rede war, ist der Bioumsatz auch schon um 25, 30 Prozent eingebrochen. Mich wundert das nicht. Man hat die Leute ja nur noch mit dümmlichen Werbesprüchen versorgt, ohne Bio zu erklären. Bio ist zudem ein Feigenblatt des globalen Agrarhandels geworden. Da wird Biofutter weltweit hergekarrt, eine Biokuh muss keine Sekunde auf der Weide stehen. Ich halte das für Verrat an Bio.

STANDARD: Sie selbst kehren jedoch nach dem Intermezzo im konventionellen Landbau mit Hofer zu Bio zurück. Warum der Zickzackkurs?

Lampert: Ich sehe keinen. Bei Brot und Gemüse hatten wir immer Bio, bei Milch wollte ich einen anderen Weg gehen. Viele Bedingungen dafür gingen über Bio hinaus, da hat man mich gefragt, warum wir nicht gleich generell auf Bio umstellen.

STANDARD: Ihre Bauern fühlen sich überrumpelt, unter Druck gesetzt.

Lampert: Es gibt immer Aufregung bei Änderungen. Ein Bauer hat mir gesagt, wir haben gut verdient, wir wollen keine Veränderungen. Die Aufregung der Landwirte hat mir persönlich weh getan. Ich dachte, wir haben Vertrauen aufgebaut.

STANDARD: Wie viele Ihrer Landwirte ziehen bei der Umstellung mit?

Lampert: Etwa die Hälfte. Es haben sich in der Steiermark und Tirol aber neue Biobauern gemeldet.

STANDARD: Viele Milchbauern sind auf Hofer sauer, haben wegen seiner Preissenkungen demonstriert.

Lampert: Sie haben mit Hofer gute Erfahrungen gemacht. Dass es eine Gruppe gibt, die Aufregung inszeniert, das kann passieren.  (Verena Kainrath, DER STANDARD, Printausgabe, 31.1./1.2.2009)

Zur Person

Werner Lampert (61) gründete die Marke "Ja!Natürlich" und baut für Hofer "Zurück zum Ursprung auf".

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