Das Fiasko hat viele Väter

30. Jänner 2009, 17:57
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Alfred Ötsch, ÖIAG und die Politik sind für das AUA-Desaster verantwortlich - Von Claudia Ruff

Die wirtschaftliche Lage der AUAist katastrophal, ein Notkredit vom Staat, ein Notverkauf der Airline samt üppiger Mitgift vom Staat als Noch-Haupteigentümer reichen immer noch nicht aus, um die Fluglinie aus den ärgsten Turbulenzen zu bringen.

Das Management und der Aufsichtsrat haben viel zu lange zugesehen, ohne entsprechende Maßnahmen zu setzen. Denn die AUA ist nicht an der aktuell schlechten Wirtschaftslage oder den hohen Treibstoffkosten gescheitert, die Gründe sind strukturell: Airlines dieser Größe haben kaum eine Überlebenschance mehr, noch dazu wenn sie eine so aufgeblähte Verwaltung und so hohe Kosten haben wie die AUA.

Worum geht es denn bei der Unternehmensführung? Um den Markt, die Strategie, die Konzernstruktur und die Auswahl der richtigen Manager. Zunächst sollte man den Markt kennen, was beim nunmehr abgelösten Vorstandschef Alfred Ötsch als Nicht-Fachmann kaum der Fall war. ÖIAG-Chef und AUA-Aufsichtsratspräsident Peter Michaelis ist ebenfalls kein Airliner und gehört daher genauso in die Pflicht genommen.

Viel zu spät einen Privatisierungsprozess durchzuziehen, wo am Ende lediglich ein Angebot übrigbleibt, ist peinlich. Wenn man den Markt kennt, muss man eine Strategie festlegen, die ausdrückt, wie man erfolgreich am Markt teilnehmen kann. Wenn schließlich die Strategie steht, muss man sich eine Struktur überlegen. Dazu gehört die Frage, in welcher Allianz man am besten aufgehoben ist und ob ein Airline-Partner gebraucht wird oder nicht.

Und schließlich gilt es zu analysieren, ob das Unternehmen richtig aufgestellt ist. Ob die Flotte stimmt, die Destinationen richtig sind, die Kosten passen etc. Letztlich muss der Aufsichtsrat eine seiner ureigensten Aufgaben wahrnehmen: schauen, ob im Management die richtigen Leute am richtigen Platz sitzen. Ötsch 2006 an die Spitze zu hieven war eindeutig ein Fehler, das haben die ÖIAG und die Politik zu verantworten.

Die Lufthansa ist jetzt in einer relativ komfortablen Situation. Sie darf bis zur Freigabe aus Brüssel bei der AUAüberhaupt nicht eingreifen - und das kann ihr nur recht sein. Denn die notwendigen Einschnitte muss der Noch-Eigentümer ÖIAG machen, wenngleich diese natürlich nicht ohne Zustimmung der Lufthansa erfolgen werden. Die Deutschen sind damit nicht der Überbringer der schlechten Botschaften. Die verbliebenen Noch-AUA-Vorstände, Peter Malanik und Andreas Bierwirth, die bisher nicht durch besonderes Engagement auffielen, werden sich jetzt die Finger schmutzig machen und hart durchgreifen müssen.

Sie werden dabei von der Lufthansa-Führung genau beobachtet werden. Besteht einer der beiden die Prüfung, sind seine Chancen intakt, einer neuen Führung unter einem Lufthansa-Management anzugehören. Können Malanik und Bierwirth nicht reüssieren, ist auch ihre Zeit im Herbst vorbei. In den nächsten Monaten steht also ein Profilierungskampf Malanik gegen Bierwirth an. Beide sind zwar keine Krisenmanager, haben aber zumindest Airline-Erfahrung.

Ob es kurzfristig gelingt, mit Arbeitszeitverkürzung, Gehaltsverzicht, Streckenkürzungen und mit substanziellen Ergebnisbeiträgen der Lieferanten durchzutauchen, bis die Lufthansa kommt, steht in den Sternen. Als die Lufthansa bei der Swiss einstieg, war die Vorgängerin Swissair bereits pleite und bei der neuen Swiss die Sanierung großteils abgeschlossen.

Die AUA und mit ihr die ÖIAG kann nur hoffen, dass ihr die Pleite und das Grounding einer Swissair erspart bleibt und eine Sanierung gelingt. Ausgeschlossen kann bei der AUA freilich nichts mehr werden. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Printausgabe, 31.1./1.2.2009)

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