Hahn fordert Pflicht­studium für Islamlehrer

30. Jänner 2009, 17:40
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Bundeskanzler Werner Faymann: "Zu früh, um gleich mit Paragrafen zu wacheln"

Wien - Am Konkordat will die ÖVP nicht rütteln, Wissenschaftsminister Johannes Hahn spricht sich nun aber für höhere Ausbildungsstandards von Religionslehrern aus. Eine "einschlägige Ausbildung" an einer Österreichischen Uni, einer pädagogischen Hochschule oder einer "vergleichbaren Einrichtung" in der EU soll künftig Voraussetzung für den Job als Religionslehrer sein, sagte Hahn am Freitag im Standard-Gespräch.

Er reagiert damit auf eine publik gewordene Studie zum Weltbild islamischer Religionslehrer. Ein Fünftel lehnt demnach die Demokratie ab. Und: 40 Prozent haben keine pädagogische Ausbildung. Damit sich das ändert, will Hahn schon in den nächsten Tagen Gespräche mit SPÖ-Bildungsministerin Claudia Schmied aufnehmen, um eine entsprechende Gesetzesänderung vorzunehmen. Gelten würde das Gesetz für alle anerkannten Glaubensgemeinschaften.

Nichts hält Hahn aber vom Vorschlag des Wiener Bürgermeisters Michael Häupl (SPÖ), den Religionsunterricht unter staatliche Aufsicht zu stellen. "Man kann keine speziellen Islam-Gesetze machen, da sind wir schnell bei der Beschränkung der Religionsfreiheit, und das wollen wir nicht." Hahn:Die Schulaufsicht habe bereits ausreichend Möglichkeiten, "die Gesetze müssen nur exekutiert werden". Es gebe auch bereits Präzedenzfälle, wo gegen zwei Berufsschullehrer wegen des Verbreitens rechtsextremer Inhalte vorgegangen worden sei.

Die Bildungssprecherin der VP Wien, Katharina Cortolezis-Schlager, sieht Versäumnisse auf mehreren Ebenen, die zu den Studienergebnissen geführt hätten: bei den Direktoren, bei der Schulaufsicht, und bei der islamischen Religionsgemeinschaft. Häupl solle als Präsident des Stadtschulrates erst einmal seiner Kontrollaufgabe nachkommen und an der Qualitätssicherung an den Schulen arbeiten.

Kanzler Werner Faymann (SPÖ) gab sich abwartend: Es sei "zu früh, um gleich mit Paragrafen zu wacheln" . Sollte sich herausstellen, dass Gesetzesänderungen notwendig seien, werde er das aber unterstützen. Denn Religionsfreiheit könne kein "Schutzschild" für jemanden sein, "der nicht mit den demokratischen Grundregeln übereinstimmt" . Schmied will sich durch Gespräche mit Vertretern der muslimischen Community nächste Woche ein "klares Bild über die Wirklichkeit machen" . Die Religionsfreiheit sei in Österreich zwar garantiert, ende aber dort, wo Gesetze beginnen würden.

Die christlichen Kirchen sprachen sich gegen eine Einmischung in den Religionsunterricht aus. Massive Zweifel an der Wissenschaftlichkeit der Lehrerstudie meldete der Wiener Bildungsforscher Stefan Hopmann an. (Andrea Heigl, Günther Oswald, DER STANDARD, Printausgabe, 31.1.2009)

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