Faymann appeliert an die Partei, sich zu öffnen

30. Jänner 2009, 17:34
77 Postings

Kanzler predigte eine neue Politik und forderte von der SPÖ, sich zu öffnen - für neue Menschen und Ideen

Wien - Es war nicht bloß eine Veranstaltung, es war ein Event. Und die SPÖ hat nichts dem Zufall überlassen, sie hat ihre Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas mit der Organisation beauftragt. Die hat wiederum einen eigenen Regisseur beauftragt. Das Ergebnis: Beim traditionellen Neujahrstreffen der SPÖ, das diesmal "Die neue Politik" hieß, sprachen Laura Rudas und Werner Faymann. Das aber sorgfältig durchinszeniert.

Den Parteifunktionären begegnete der Bundeskanzler bewusst auf Augenhöhe. Es gab kein großes Podium, das Rednerpult stand fast auf einer Ebene mit dem Publikum, und Faymann steuerte es direkt aus der U3 an. Seine Rede klang wie eine Verlängerung des Wahlkampfes und sollte in erster Linie die eigenen Funktionäre motivieren.

"Wir versprechen, was hält", predigte Faymann. "Wir stehen überall dort, wo die Menschen unsere Unterstützung brauchen - und wir brauchen die Unterstützung der Menschen bei den kommenden Wahlen" , betonte Faymann bei der von mehr als 1400 Menschen besuchten Veranstaltung, die den programmatischen Titel "Faymann. Die neue Politik" trug.

Faymann machte auch klar: "Auf eines kann sich die Bevölkerung verlassen, wir stehen für ein soziales Österreich. Und auf derselben Seite, gemeinsam, solidarisch und miteinander sind wir von niemandem zu schlagen".

Zum Thema EU betonte Faymann: "Wir treten nicht ein für ein gemeinsames Europa der Spekulation und für ein Europa, das die Sozialpolitik an den Rand drängen will" . Die SPÖ werde sich vielmehr für eine Stärkung des "sozialen Herzstücks, der Bürgernähe und des Konsumentenschutzes" engagieren. Nur gemeinsam könne man Erfolg haben, sagte Faymann, Österreich, die EU und die Welt müssten nach der derzeitigen Krise aber grundlegend anders sein - nämlich ökologischer und solidarischer. "Konsequenzen aus der Wirtschaftskrise zu ziehen kann nicht bedeuten, das gleiche Spekulationskartenhaus wieder aufzubauen", sprach der Kanzler.

Neue Menschen, neue Ideen

Der SPÖ-Vorsitzende Faymann wandte sich aber auch mit einem Appell an die eigene Partei, sich zu ändern. "Die sozialdemokratische Bewegung muss sich für neue Menschen und Ideen öffnen." Es sei sein Auftrag an die Funktionäre, diese Öffnung auch auf allen Ebenen zu leben.
Zum Abschluss des Events gab es bewegende Bilder und Emotionen, zum Mitsingen, überlebensgroß übertragen: Die zehnjährige Mira Sophia Ulz, Siegerin des Kiddy Contest 2008, sang auf den Videowalls das "Lied der Arbeit", dann, begleitet vom Streichquartett "Vienna Music" die Bundeshymne. (völ, DER STANDARD, Printausgabe, 31.1.2009)

  • Große Show in der U-Bahn-Garage: Bundeskanzler WernerFaymann schwört
die SPÖ auf die neue Politik und das neue Jahr ein.
    foto: standard, corn

    Große Show in der U-Bahn-Garage: Bundeskanzler WernerFaymann schwört die SPÖ auf die neue Politik und das neue Jahr ein.

  • Die Partei müsse
sich wieder öffnen, sagte er.
    foto: standard, corn

    Die Partei müsse sich wieder öffnen, sagte er.

Share if you care.