Woran Frauennetzwerke scheitern

30. Jänner 2009, 16:30
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Sie werden immer populärer - Warum die Mitglieder aber oft nicht das bekommen, was sie erhoffen, wurde beim Vernetzungstreffen in der Vorwoche im Haus der Industrie diskutiert

Zu wenig Diversität. Zu viel Harmonie. Das sind die Hauptprobleme von Frauennetzwerken, sagt die Netzwerkanalystin Ruth Pfosser (FAS Research). "Solche Netzwerke bieten zwar Sicherheit und eine große Vertrauensbasis. Geben und Nehmen funktioniert in solchen Verbindungen aber nicht", ergänzt Pfosser und weiter: "Wenn alle Mitglieder eines Netzwerks zu ähnlich sind, brauchen sie auch dieselben Ressourcen zur Lösung ihrer Probleme. Und gerade diese Möglichkeiten sind äußerst begrenzt." In solchen Verbindungen würde dann eher das Gegenteil, nämlich der Konkurrenzdruck, gefördert werden.

"Leistung entscheidender"

Die große Hoffnung von der Aufstiegshilfe im Netzwerk erfülle sich so nicht. Wirtschaftskammer Österreich, Arbeitsmarktservice und Industriellenvereinigung hatten in der Vorwoche zum Thema ins Wiener Haus der Industrie geladen. Standard-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid nimmt zu den immer häufiger und dichter werdenden Netzwerkbestrebungen von Frauen eine radikale Position ein: Für sie sind Leistung und Erfahrung entscheidend. "Ich bin in keinem Frauennetzwerk und halte mich auch von anderen Netzwerken fern, auch um meine Unabhängigkeit zu wahren."
Als Triebfeder für die Karrieren von Frauen sei das Bewusstmachen von Leistung viel entscheidender, so Föderl-Schmid.

"Ungleichgewicht wichtig"

"Frauen tendieren dazu, sehr viel Energie ins Networking zu stecken, aber nicht darauf zu schauen, ob sich dieses 'Investment' auch bezahlt macht", so Pfosser. Es gehe nicht nur darum, einander zu treffen, viel wichtiger sei, die Ressourcen der anderen Mitglieder nutzen zu können. Was Männernetzwerke erfolgreicher macht? Männer hätten gelernt, sich in heterogen Netzwerken zu bewegen, weil sie erkannt haben, dass die Verschiedenheit von Nutzen ist. "Das Ungleichgewicht verschiedener Charaktere und Positionen auszuhalten ist die Grundvoraussetzung erfolgreicher Netzwerke", erklärt Pfosser weiter.

Männer nicht ausschließen

Deshalb sei es ratsam, ein Netzwerk über Abteilungen hinweg aufzubauen und "beim Netzwerke-Knüpfen nicht nur darauf zu schauen, wie man eine Karriere nach oben macht. Sinnvoll ist auch eine möglichst breite Vernetzung", rät die Analystin. Nur durch aktives und gezieltes Netzwerken könnten Kooperationen und Bündnisse aufgebaut werden und dadurch Synergien entstehen. Männer sollten dabei nicht ausgeschlossen werden.

Oberste Devise sei immer Geben und Nehmen. Tatsache ist aber: Im österreichischen Netzwerk der Macht, das jährlich von FAS Research analysiert wird und die einflussreichsten Manager Österreichs zeigt, finden sich nur vier Frauen unter den Top 100. In den Vereinigten Staaten haben es immerhin schon 18 Managerinnen unter die hundert Einflussreichsten gebracht, in Schweden sind bereits 25 Frauen zu finden.

Brauchen wir Quoten? Föderl-Schmid sagt: Nein. Pfosser sagt: Ja - solche Regelungen würden den Frauenanteil in Führungsetagen viel schneller steigern. (Gudrun Ostermann, DER STANDARD, Printausgabe, 31.1./1.2.2009)

  • Was erfolgreiche Netzwerke auszeichnet (v. li.): Ruth Pfosser (FAS Research), Ingrid Puschautz-Meidl (IV Burgenland, Alexandra Föderl-Schmid (Der Standard)
    foto: standard/regine hendrich

    Was erfolgreiche Netzwerke auszeichnet (v. li.): Ruth Pfosser (FAS Research), Ingrid Puschautz-Meidl (IV Burgenland, Alexandra Föderl-Schmid (Der Standard)

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