Spekulationen um "Bad Bank" beflügeln Finanztitel

30. Jänner 2009, 15:54
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Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group von Ronald-Peter Stöferle

Die US -Börsen gehen mit leichten Aufschlägen aus einer turbulenten Handelswoche. Der Dow steigt 0,32%, der S&P 500 2,13 % und der Nasdaq Composite 2,89%. Der Ölpreis fällt aufgrund unerwartet hoher Lagerbestände auf USD 41/Barrel, Gold haussiert auf USD 920/Unze. Zu Wochenbeginn sorgten Spekulationen um eine baldige Gründung einer "Bad Bank" für deutliche Aufschläge, gegen Wochenmitte wurde die Wall Street jedoch wieder auf den Boden der wirtschaftlichen Realität geholt. In ihrer Sitzung signalisierte die Federal Reserve aufgrund der schwächelnden Konjunktur einen längerfristig niedrigen Leitzins. Zudem werde man langlaufende Staatsanleihen kaufen und alle zur Verfügung stehenden Mittel ergreifen, um nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu erreichen.

Zu Wochenbeginn konnten positive Konjunkturdaten die Grundstimmung aufhellen: Die Frühindikatoren stiegen im Dezember überraschenderweise um 0,3%, der Konsens ging von einem Rückgang um 0,3% aus. Auch die Verkäufe bestehender Häuser konnten positiv überraschen, sie stiegen auf 4,7 Mio. Einheiten (Konsens: 4,4 Mio.). Erschreckend hingegen die Preisentwicklung: Der Case-Shiller Index, der die Immobilienpreise in den 20 größten und wichtigsten Ballungsgebieten der USA abbildet, sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 18,2%. Die Zahl der Verkäufe neuer Eigenheime fiel im Dezember um 14,7% und damit auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen 1963. Das Verbrauchervertrauen sank auf ein Rekordtief, die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stiegen stärker als erwartet. Die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter fielen den 5. Monat in Folge und unterstrichen die tiefe Rezession.

"Bad Bank" nimmt immer konkretere Züge an

Konkrete Pläne bezüglich der Gründung einer Bad Bank sorgten vorübergehend für Erleichterung an der Wall Street. Der Staat möchte dabei Problemkredite kaufen und im Gegenzug Beteiligungen an den Finanzinstituten erhalten, die Banken werden so vor weiteren Milliardenabschreibungen befreit. Der Staat hält die Papiere bis zur Endfälligkeit und hofft, am Ende ohne große Verluste dazustehen. Das größte Problem dürfte jedoch die Preisfindung der „Toxic Assets" werden. Die Idee ist nicht neu. Während der Savings&Loan-Krise in den 80er Jahren hatte der Staat bereits eine solche Bank für Problemkredite gegründet. Die Krise der 80er Jahre kostete die US -Bürger im Endeffekt knapp USD 130 Mrd. Laut Wall Street Journal könnte das aktuelle Projekt bis zu USD 2 Billionen kosten, konkrete Pläne sollen bereits Anfang nächster Woche präsentiert werden. Die Teilverstaatlichung des US -Finanzwesens dürfte also nur noch eine Frage der Zeit sein.

In der Pharmabranche dürfte es zu einer Elefantenhochzeit kommen. Pfizer meldete die Übernahme des Konkurrenten Wyeth für insgesamt USD 68 Mrd. Die Übernahme wäre die mit Abstand größte seit Beginn der Finanzkrise und gab dem Markt ein wenig Zuversicht. Der Pfizer-Kurs reagierte mit Abschlägen von knapp 13%, Wyeth war bereits in der Vorwoche deutlich gestiegen. Die Zahlen von General Electric enttäuschten mehrheitlich, der Jahresüberschuss fiel von USD 6,7 Mrd. auf 3,7 Mrd. In erster Linie war dafür die schwächelnde Finanzsparte verantwortlich. Aufgrund der breiten Positionierung gilt GE als verlässlicher Konjunkturindikator. Die befürchtete Abstufung des Kreditratings durch Standard & Poor's fand nicht statt.

Ford stürzt indes immer tiefer in die roten Zahlen. Im Schlussquartal 2008 belief sich der Fehlbetrag auf USD 5,9 Mrd. Die Automobilzulieferer Visteon, eine ehemalige Tochter von Ford, hat indes Berater mit der Prüfung eines möglichen Insolvenz verfahrens beauftragt. Die Beauftragung bedeute jedoch nicht, dass ein Bankrott unmittelbar bevor stehe. Auch Baumaschinenhersteller Caterpillar meldete einen deutlichen Umsatz- und Gewinneinbruch. Man werde weltweit 20.000 Stellen streichen. Home Depot baut 7.000 Arbeitsplätze (2% der Belegschaft) ab. Halliburton meldete ein bereinigtes Ergebnis von USD 0,53/Aktie und überraschte somit deutlich positiv. Freeport McMoRan legte ebenfalls ein besser als erwartetes Zahlenwerk. Für das laufende und kommende Jahr kürzte man jedoch die Prognose für das Kupfer-Umsatzvolumen. Boeing litt unter schwachen Quartalszahlen sowie der Stornierung einer Bestellung der russischen Fluglinie S7. Die Order von 15 Stück "787 Dreamliner" wurde gestrichen. Eastman Kodak streicht knapp 5.000 Stellen (18% der Belegschaft), auch Starbucks streicht nun 7.000 Stellen. Der Gewinn brach im vierten Quartal um 70 % ein.

Aflac vom Handel ausgesetzt

Der Versicherungskonzern Aflac wurde vom Handel ausgesetzt, eine pessimistische Studie von Morgan Stanley hatte die Aktie auf Talfahrt geschickt. In einer Pressemeldung gab man jedoch bekannt, keine weitere Kapitalerhöhung zu benötigen. Wells Fargo rutschte zum 1. Mal seit 2001 in die roten Zahlen, die Meldung wonach man kein weiteres Kapital benötige, gefiel dem Markt jedoch. Die Aktien kletterten 17%. American Express präsentierte einen Gewinneinbruch in Höhe von fast 80%. Angesichts rückläufiger Ausgaben der Kartenkunden gingen die Erträge um 11% auf USD 6,5 Mrd. zurück, der Abschreibungsbedarf verdoppelte sich nahezu.

Yahoo! schlitterte aufgrund des Konzernumbaus und massiven Abschreibungsbedarfs des internationalen Geschäfts in die Verlustzone. AMD meldete ebenfalls enttäuschendes Zahlenwerk. Zwar konnte der Verlust um knapp 20% auf USD 1,4 Mrd. verringert werden, der Ausblick sorgte für Unmut. Sun Microsystems legte ebenfalls rote Zahlen, der Konsens ging jedoch von noch weit katastrophalerem Zahlenwerk aus, die Aktie klettert 23%. Google hat die Erwartungen deutlich übertroffen. Trotz Wirtschaftskrise entwickelten sich die Werbeeinnahmen positiv. Sprint Nextel - der drittgrößte US-Mobilfunkanbieter - wird 14% bzw. 8.000 Stellen streichen. Man erwarte sich Einsparungen in Höhe von USD 1,2 Mrd. Texas Instruments konnte die niedrigen Erwartungen übertreffen, im laufenden Quartal werde man die Gewinnzone verfehlen. Aufgrund dessen werde man 12% aller Jobs abbauen.

Nachdem 220 der im S&P 500 gelisteten Unternehmen Quartalszahlen gelegt haben, lässt sich ein erwartungsgemäß ernüchterndes Zwischenresümmee der Bilanzsaison ziehen. Der operative Gewinn hat sich im Vergleich zum Vergleichsquartal halbiert. Nach Marktkapitalisierung gewichtet fiel das Minus mit 21% geringer aus, der S&P ist aber trotzdem alles andere als günstig bewertet (KGV: 19, Dividendenrendite: 3,37%). In der nächsten Handelswoche erwarten wir unter anderem Quartalszahlen von Dow Chemical, Motorola, Kraft, Cisco und Mastercard. Die ISM-Indizes sowie die Auftragseingänge in der Industrie. In der nächsten Woche rechnen wir weiterhin mit volatilem Seitwärtslauf, der Startschuss zu einer Bärenmarktrallye dürfte zumindest bis zum Ende der Berichtssaison auf sich warten lassen.

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