"Österreich" soll Selina Gusenbauer entschädigen

30. Jänner 2009, 15:09
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Zeitungsbericht über angeblichen Schulabbruch der Tochter des Ex-Kanzlers entsprach laut Gericht der Unwahrheit - 2.000 Euro Entschädigung

Selina Gusenbauer, die 16-jährige Tochter des ehemaligen Bundeskanzlers Alfred Gusenbauer (S), hat am Freitagnachmittag im Wiener Straflandesgericht eine Entschädigung von 2.000 Euro zugesprochen bekommen. Zugleich wurde der Tageszeitung "Österreich" eine Gegendarstellung aufgetragen, nachdem sie in ihrer Online-Ausgabe "Falschmeldungen" - so jedenfalls die Feststellung von Richterin Lucie Heindl-König - über die Schulkarriere des Teenagers verbreitet hatte. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Peter Zöchbauer, der Rechtsvertreter des Blattes, meldete volle Berufung gegen die medienrechtliche Entscheidung an.

Auf dem Webportal http://www.oe24.at wurde im vergangenen September unter anderem berichtet, Selina Gusenbauer habe ihre Ausbildung am noblen Wiener Privatgymnasium Lycee Francais abgebrochen, nachdem sie mehrmals "durchgefallen" sei. Stattdessen wolle sie jetzt in einem Emo-Laden arbeiten. Wie sich nun allerdings in der Verhandlung herausstellte, hatte das Mädchen lediglich die 3. Klasse Unterstufe wiederholt, das Schuljahr 2007/2008 aber erfolgreich abgeschlossen. Danach wechselte sie auf eigenen Wunsch an eine öffentliche Schule, um ihre Ausbildung schwerpunktmäßig auf künstlerische Bereiche auszurichten.

Job in Emo-Shop

Sie habe auch nie als Verkäuferin arbeiten wollen, versicherte die 16-Jährige im Zeugenstand: "Ich habe lieber Matura!" Sie habe lediglich an drei langen Einkaufssamstagen in einem Emo-Shop gejobbt, "um mir Extensions (Haarverlängerungen, Anm.) kaufen zu können". Auf die Frage der Richterin, was unter dem Jugendkultur-Begriff der Emo-Kids zu verstehen sei, erwiderte Selina Gusenbauer: "Das sind die Leute, die die ganzen Haare vor der Fresse haben."

Am Ende des Beweisverfahrens kam die Richterin zum Schluss, die geklagte Zeitung habe sich offenbar "dubioser Informanten" bedient und "ohne großartige Recherche ziemlich grobe Unwahrheiten verbreitet". Es liege "ein relativ gravierendes Verschulden" vor, weshalb dem Klagebegehren weitestgehend stattgegeben wurde. Neun Zehntel der Verfahrenskosten hat "Österreich" zu tragen.

Am kommenden Dienstag steht in dieser Sache im Straflandesgericht eine weitere Verhandlung auf dem Programm. Vor Richterin Birgit Schneider wird dann über einen Artikel verhandelt, der in der Printausgabe von "Österreich" erschienen war. (APA)

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