Stärkster US-Konjunktureinbruch seit 1982

30. Jänner 2009, 17:51
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Hiobsbotschaften dominieren Davoser Debatten - Merkel für UN-Weltwirtschaftsrat

Der Freitag war der Tag der schlechten Nachrichten beim Weltwirtschaftsforum in Davos: Wer mit dem Shuttle-Bus ins Kongresszentrum fuhr, bekam zu hören, dass Japan immer tiefer in die Rezession rutscht. Die Industrieproduktion brach im Dezember zum Vormonat um bisher beispiellose 9,6 Prozent ein, da die Nachfrage rapide abgenommen hatte.

Am späten Freitagnachmittag machten die Zahlen aus den USA die Runde: Die US-Wirtschaft ist im vierten Quartal so stark geschrumpft wie seit 27 Jahren nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt sank mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 3,8 Prozent nach minus 0,5 Prozent im Vorquartal. Dass die Eurozone zumindest eine positive Nachricht verzeichnen konnte, dass die Teuerungsrate mit 1,1 Prozent im Jänner auf den niedrigsten Stand seit fast zehn Jahren gesunken war, ging unter.

Merkel: "Es geht schon etwas aufwärts"

Die stark verspätet eingetroffene deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel bemühte sich bei ihrem Kurzvortrag redlich, Optimismus zu verbreiten. Sie habe hier in Davos den Eindruck gewonnen, "es geht schon etwas aufwärts". Sie forderte einen "Dritten Weg" : "Im Unterschied zu einem ungezügelten Kapitalismus, aber in Abgrenzung zu sozialistischen Staatsdenken." Sie schlug konkret eine Charta für nachhaltiges Wirtschaften vor, die von der UNO angesiedelt sein solle und konkrete Ziele beinhalten müsse. Wie einen UN-Sicherheitsrat könnte es auch einen Weltwirtschaftsrat geben, so Merkel.

Abschottungen dürfe es nicht geben, "weil jeder sozusagen um sein eigenes Überleben kämpft" . In dem Zusammenhang äußerte sie sich kritisch über US-Maßnahmen: "Ich sage ganz freimütig mit einem gewissen Misstrauen, dass mir nicht gefällt, dass es Subventionen in die Automobilfirmen geben wird. Solche Phasen dürfen nicht lange andauern. Meiner Ansicht nach gibt es zu einer offenen Weltwirtschaft keine Alternative."

Ins gleiche Horn stieß der britische Premierminister Gordon Brown: "Protektionismus schützt niemanden, schon gar nicht die Armen." Dem widersprach Frankreichs Wirtschaftsministerin Christine Lagarde. Sie bezeichnete "eine kurze Phase des Protektionismus" als "ein notwendiges Übel im Kampf gegen die Wirtschaftskrise".  (Alexandra Föderl-Schmid aus Davos, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.1./1.2.2009)

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