RZB holt sich 1,75 Milliarden Euro vom Staat

30. Jänner 2009, 13:34
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Kernkapitalquote erhöht sich auf neun Prozent - Verhandlungen mit dem Finanzministerium in der Endphase

Wien - Die Raiffeisen Zentralbank (RZB) will sich 1,75 Mrd. Euro vom Staat holen. Das Partizipationskapital wird der Republik Österreich zur Zeichnung angeboten. Dies verhindere Wettbewerbsnachteile gegenüber jenen Banken, die staatliche Unterstützung genießen, teilte die RZB heute, Freitag, mit. Damit erreiche die RZB eine Kernkapitalquote von 9 Prozent und einen Polster für Folgen der Konjunkturabschwächung und Währungsabwertungen.

Durch die Emission von Partizipationskapital in der Höhe von 1,75 Mrd. Euro will die RZB eigenen Angaben zufolge die Kapitalbasis signifikant stärken. Das als Kernkapital anrechenbare Partizipationskapital soll der Republik Österreich zur Zeichnung angeboten werden, so die Entscheidung des RZB-Aufsichtsrats von heute, Freitag, Nachmittag. Der Vorstand sei ermächtigt worden, in Detailverhandlungen mit der Republik Österreich zu treten.

Um ihre Bank im stark veränderten Marktumfeld zu stärken, haben die RZB-Aktionäre bereits Ende 2008 Partizipationskapital im Ausmaß von 750 Mio. Euro gezeichnet. Mit dem jetzt der Republik angebotenen 1,75 Mrd. Euro Partizipationskapital stärkt die RZB ihre Eigenmittel um insgesamt 2,5 Mrd. Euro. Die RZB erhalte damit eine signifikante Eigenmittelzufuhr durch ihre Eigentümer und erhöhe damit ihre Risikotragfähigkeit.

Verhindert Nachteile im Wettbewerb

"Die RZB steht im Wettbewerb mit Banken, die entweder direkte staatliche Unterstützung genießen oder bereits in staatlichem Eigentum stehen und daraus deutliche Vorteile in der Refinanzierung lukrieren. Die Partizipationskapital-Emission stärkt nicht nur die Eigenmittelbasis der RZB, sondern verhindert auch Nachteile im Wettbewerb. Damit ist die RZB auch für die künftigen Herausforderungen besser gerüstet", sagte RZB-Generaldirektor Walter Rothensteiner.

Die RZB sei eine "solide Bank". Zum Jahresende 2008 verfügt sie den Angaben zufolge über rund 8 Mrd. Euro Kernkapital. Mit einer Kernkapitalquote von über 7 Prozent (bzw. deutlich mehr als 8 Prozent berechnet auf das Kreditrisiko) weise sie eine gesunde Eigenmittelausstattung auf. Die gesetzliche Mindestquote beträgt 4 Prozent.

Im geänderten Marktumfeld sind für international tätige Großbanken allerdings unter anderem höhere Quoten eine Voraussetzung für die Refinanzierung - nur eine gesicherte Refinanzierung ermöglicht die Bedeckung des bestehenden Kreditvolumens und die Ausreichung neuer Kredite. Gleichzeitig betrachten die Kunden die Kapitalquoten mittlerweile als Gradmesser für die Sicherheit einer Bank.

Unter Einrechnung der 1,75 Mrd. Euro käme die RZB auf eine Kernkapitalquote von rund 9 Prozent (bzw. deutlich mehr als 10 Prozent berechnet auf das Kreditrisiko). Ihre Quote entspräche damit auch jenen 9 Prozent, die seit Herbst 2008 als internationale Zielgröße gelten. Gleichzeitig vergrößert das Partizipationskapital den Eigenmittelpolster der RZB, der damit mögliche Folgen des Konjunkturabschwungs und volatiler Währungsentwicklungen besser abfedern kann.

Die Republik Österreich bietet Banken im Rahmen des Finanzmarktstabilitätsgesetzes eigenkapitalstärkende Maßnahmen an. Es gibt bereits ein von der Europäischen Kommission genehmigtes Rahmenpaket, das Ausgangspunkt für die Detailverhandlungen mit dem Finanzministerium ist. Die RZB ist eigenen Angaben zufolge zuversichtlich, eine für beide Seiten akzeptable Lösung zu finden.

Die RZB betreibt über ihre börsenotierte Tochtergesellschaft Raiffeisen International Bank-Holding AG (RI) ein Bankennetzwerk in Zentral- und Osteuropa (CEE). Ihr Heimmarkt erstreckt sich von Österreich fast flächendeckend über die gesamte Region.  (APA)

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